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Christian Heeb

Artist Photographer

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The Grumpy Traveler

Baja California Journey 2025

Ich sah sie schon von weiten, die Touristen, wie sie uns am Strand von El Teso entgegenkamen. Die Bucht, dort, wo die heißen Quellen liegen, war heute wie leer gefegt. Ein paar Pelikane dümpelten gelangweilt auf dem glattgebügelten Wasser vor sich hin. Wir liefen weiter nach Süden und nun sah ich sie etwas genauer. Schneeweiße Beine. Füße, die in gesunden Badeschlappen steckten. Sonnenhüte, die so aussahen wie Hüte, welche Mütter ihren Kindern aufzwangen und die sonst nur Briten über achtzig trugen. Die Frau hatte ein Baby auf der Brust. Es steckte in einer Art Trage aus Naturfasern, wahrscheinlich aus umweltgerechter und Menschen achtender Produktion und war sicher 100 Prozent abbaubar. Es war ein junges Paar, noch keine dreißig. Sie trugen Papierkaffeebecher mit Plastikdeckeln aus dem Kaffeeladen im Dorf mit sich, so wie das in den gängigen Hollywood-Filmen vorgemacht wurde. „Do you schpeak English?“, fragte die Frau. Ich nickte mit dem Kopf und der Mann sagte: „Where is zee hot water?“ Ich antwortete auf Deutsch: „Etwa 50 Meter weiter den Strand hoch, da wo die Steine sind.“ „Ach Sie sprechen auch Deutsch“, sagte die Frau und so ging es, bis wir uns verabschiedeten. Das Paar mit Baby und Gesundheitsschuhen ging nach Norden und wir zurück zu unserem Haus am Meer. „Verdammte Condor“, sagte Regula. Seit sie nach Cabo flog, sah man mehr Leute aus Deutschland und der Schweiz und kürzlich drängelte sich sogar eine Französin im Laden vor. „Scheiß Condor“, sagte ich zur Bestätigung.

Wir sprangen auf unsere SUP-Bretter und paddelten über das stille Wasser der Bucht. Mindestens 100 Pelikane schaukelten auf dem glasklaren Wasser und träumten ihre Pelikanträume. Es wimmelte von kleinen Fischen im Wasser. Wahrscheinlich warteten die Pelikane, bis sie groß genug waren, um sie zu essen.
Draußen im Kanal schwammen Delfine. Sie kamen uns entgegen. Es waren dreißig, die nun vorbeischwammen. Man hörte sie Luft holen, bevor sie wieder abtauchten. „Ein mexikanischer Traum“, sagte ich zu Regula, die neben mir paddelte. Am Vortag waren zwei Buckelwale etwa 50 Meter vor unseren Brettern hochgesprungen. Das Meer war voll von Leben. „Da stehen sie“, sagte sie und zeigte mit der Hand auf eine Gruppe von Menschen mit Hunden, die bei unserer gewohnten Anlegestelle am Resort von Mr. Bill standen. „Die warten auf dich“ Am Vortag hatte ich einem Hundebesitzer gesagt, dass wenn ich seinen Hund noch einmal im Wasser erwische, wie er versucht, einen Kormoran zu beissen, würde ich ihn, den Hund, eigenhändig ersäufen. Als ich ihm noch sagte, er soll den Hund an die Leine nehmen, tat er das und haute ab. Wahrscheinlich hatte er Verstärkung geholt und jetzt warteten sie auf mich.Ich packte mein Paddel etwas fester und versuchte mich an alte Judogriffe aus meiner Jugend zu erinnern. Um mich aufzuheizen, dachte an Trump und die Republikaner. Ich gab mir keine Blöße und landete direkt da, wo ich immer landete, also direkt bei den Hundeleuten. Es waren Touristen, freundlich sogar. Sie winkten. Ein Hund kam zu mir, wedelte mit seinem Schwanz und leckte meine Füße. Ich warf Regula einen undeutbaren Blick zu, nahm unsere Bretter und trug sie hoch ins Resort.

Oben im Haus machten wir Cappuccinos und setzten uns auf die Veranda. Anfang März ging bereits die Balzzeit der Vögel los. Die Tauben gurrten, die Kaktuszaunkönige krächzten und die Wachteln fiepten unten im Gebüsch beim blühenden Wüstensalbei. Selbst der rote Kardinal trällerte und ab und zu kam der Gila Specht, nickte pausenlos mit dem Kopf und pfiff. Die Finken erzählten ganze Geschichten. Es war herrlich.

„Hola!“, rief einer. Es war Edgar, unser Mann für alles. Er nahm einen Kaffee und setzte sich. Er war in reflektierender Stimmung, denn sein Bruder war vor einem Tag tot umgekippt. „Herzschlag.Tot, ich hatte gerade noch kurz zuvor mit ihm telefoniert“ sagte er und schüttelte den Kopf. „La Vida esta corta“ sagte ich.

„Verdad mi amigo“, antwortete er, immer noch den Kopf schüttelnd.

„Gehst du zur Party am Dienstag?“, fragte ich ihn. Er schaute mich fragend an.

„Bei Billy „sagte ich. „Ich bin nicht eingeladen“, sagte er und nahm einen Schluck Kaffee. „Oh“, sagte ich.

„Ich war letztes Jahr.“, kam von Edgar. „Ich ging, aß, trank und ging wieder. Es waren unglaublich viele Leute da.“ Er verzog sein Gesicht.

„Ich weiß nie, was ich reden soll“, sagte er. „Sie reden nur über Sport. Wie war der Wind bei Dir heute?“ „Klasse, ich nahm Segel Nummer 4!“ „ich nahm die 3 . Der updraft war genial“. Sagte Edgar grinsend.

„Ja“ sagte ich “ oder über biking , jumping. What cool jumps they did.“ „Oh my god.“Edgar konnte ein paar Brocken English die er aufgeschnappt hatte. Oh my God war einer seiner Lieblingsausdrücke.

Verdammte Gringos, sagte ich im vollen Bewusstsein auch einer zu sein.“Si, Pinche Gringos „antwortet Edgar und wir beide lachten.

Es war der Beginn unserer Fotoreise mit Kunden. Regula hatte uns ein kleines Strandresort gebucht, das noch wie ein Relikt aus der Vergangenheit zwischen hochmodernen gigantischen Hotelburgen dahin träumte.

Es war alles veraltet, aber es hatte einen urigen Charme,der wohl bald den Baggern zum Opfer fallen würde. Hinter den Strandhotels hatte es viele Restaurants, die aussahen, wie sie alle aussahen an solchen Orten. Internationale Küche. Fish and Chips, Pizza, Hamburger, zu Tode gegrillter Fisch. Verwässerte Drinks zu Höchstpreisen. Ich fragte einen der Türsteher ob es hier irgendwo auch mexikanisches Essen gäbe. „Nein, da musst, du in die Innenstadt fahren Kumpel” sagte der Mann lachend.

Der Tag fing gut an. Ein wolkenloser Himmel wölbte sich über der Landstraße, als wir mit unserer kleinen Gruppe nach Norden fuhren.

Sie war klein, da wir drei Leute aufgrund von: „I am too old for this shit.“, ausgeladen hatten. In der Tat hatte ich mit meinen 62 Jahren keinen Bock mehr, mich mit anspruchsvollen narzisstischen Amateurfotografen herumzuschlagen. Wie Regula sagte: „Die können uns gar nicht genug zahlen, sodass wir sie mitnehmen.“

Beim verschlafenen Ort Santiago bogen wir auf eine sandige Piste ab und fuhren in Richtung der Sierra Laguna einem wasserreichen Wüstengebirge.

Vor zwanzig Jahren mussten wir noch die Schlucht hochwandern, um zum Wasserfall und den darunterliegenden Becken zu gelangen. Nun konnte man bis zu einer kleinen Rancho fahren und dort parken, Eintritt bezahlen, etwa 6 US-Dollar und wenige Meter zum Wasserfall gehen. Es gab jetzt auch Toiletten, ein Restaurant und einen kleinen Streichelzoo. Mexikaner sind gute Geschäftsleute.

Ein steiler Klippenweg führte zum Becken unterhalb des Wasserfalls, und als wir ankamen, saß dort ein junger Mann in Badehosen und starrte auf sein Handy. In seinen Ohren steckten Apple Pods, Pads oder wie immer man diese hirnzemürbenden Plastikdinger nennt. Neben ihm stand ein Sonnenschirm. Ich dachte, wie kann man nur herkommen und dann auf sein Handy starren.

Der Wasserfall und die umliegenden Pools bildeten eine kleine grüne Oase mitten in der steinigen Wüste.

Man konnte hier herrlich baden, solange noch keine Tourgruppe aus Los Cabo eingetroffen war. Alles erinnerte an einen Wadi in Arabien.

„Schön“, sagte Regula. „Ja immer noch“, antwortete ich und klaubte eine Tecate Bierdose aus dem Gebüsch. Es war erstaunlich sauber hier. Die Kioskleute räumten anscheinend auf, aber es gab immer Schlaumeier, die Dosen im Gebüsch versenkten. Mexikaner sind arbeitsame, freundliche Menschen, aber auch große Schweinehunde. Sie funktionieren wie Abfallschleudern und hinterlassen eine Spur der Verwüstung, wo immer sie sich bewegen.

Nachdem Edgars Leute bei mir im Garten etwas gepflanzt, gebaut oder geschnitten haben, muss ich nachher immer die Plastikflaschen, Schokoriegelpapiere und Zigarettenstummel einsammeln.

In der Mitte der Halbinsel in Guerrero Negro (Schwarzer Krieger) tankte ich einmal neben einem französischen Panamericana-Reisenden auf. „Merde“ sagte der Franzose. „Es ist unfassbar, wie schmutzig hier alles ist.“ Ich fragte ihn, wohin er gehe. „Panamericana Naturelement. Mexique et le rest.“ antwortete er.

Ich sagte: „Na dann, viel Spaß wünsche ich. Im Vergleich zu da, wo du hingehst ist es hier sauber.“ Er schaute mich an, mit hohem Kinn, typisch französischer Überheblichkeit und sagte bestimmt:” C‘est ne pas posible.“ Ich rief ihm:“ Have Fun!“zu, stieg in mein Auto und fuhr grinsend davon.

Edgar hatte uns ein Panga Fiberglas Fischerboot in Puerto Chale reserviert. In der Lagune tummeln sich im Winter die Grauwale. Vor wenigen Jahren war der Ort nahezu unbekannt, und lediglich ein paar Fischerfamilien lebten dort an der kargen Küste.

Als wir dieses Jahr ankamen, brummte der Tourismus. Herden mexikanischer und amerikanischer Touristen wurden in Schwimmwesten gesteckt und auf Boote verfrachtet.

Es sah aus wie in einer Dosenfabrik. Die Mexikaner trugen große in China gefertigte Sonnenhüte und sahen in ihren Westen aus, wie Burritos, die zu platzen drohten. Die Amerikaner klammerten sich alle an ihre Plastikwasserflaschen, als ob eine Durchquerung der Sahara geplant war. Es gab ein paar graumausige Deutsche, die dank der roten Schwimmwesten immerhin etwas Farbe im Gesicht trugen, und ein paar Touristen unbekannter Herkunft sowie zwei Kanadier, die in Ahornflaggen gehüllt waren, um bestimmt nicht mit Amerikanern verwechselt zu werden. Einige versuchten sich in unser Boot zu setzen, was ich sofort unterband, denn wir hatten ein ganzes Panga nur für uns gebucht. Wir wollten keine kreischenden Touristen, die uns ihre großen Hüte zwischen die Wale und unsere Kameras schoben.

Eine Frau schaute mich hasserfüllt an, aber sie wurde von einem resoluten mexikanischen Guide in das Boot mit den anderen Burrito-Touristen gedrängt. Der Waltourismus hatte extrem zugelegt, was die Wale nicht zu stören schien. Sie kamen noch immer an die Pangas, kratzen sich und ließen sich sogar streicheln. Es ist einzigartig auf der Welt und fantastisch zu erleben, auch wenn ich grundsätzlich dagegen bin, wilde Tiere zu berühren. Wir hatten Glück, denn das Meer war ruhig und wir bewegten uns zwei Stunden lang in Sichtweite der großen Meeressäuger. Weiter nördlich in Guerrero Negro würden wir dann mit Marios Tours dasselbe tun und noch mehr Wale sehen, allerdings für den doppelten Preis.

In Ciudad Constitution hatten wir uns mit der Gruppe ins Hotel Oasis gebucht, wo wir nach unserem Walabenteuer übernachteten. Die Stadt ist ein Verwaltungszentrum am Highway, wo man in der Regel nur durchfährt. So ein richtiges Durchfahrkaff mit überdurchschnittlich vielen Coffee-Shops. Das Hotel war sauber, komfortabel und preiswert wie das Essen im Ort, wo man keine Touristen trifft und nur Spanisch gesprochen wird. In der Regel isst man in Mexiko gut und preiswert, da wo die Mexikaner essen und wo die Kellner kein Englisch sprechen. Der Preisunterschied ist gravierend. Man kann einen Fish Taco essen, den man auf Englisch bestellt, umgeben von weißköpfigen Touristen oder denselben, besser gewürzten Fish Taco für 5 Dollar auf Spanisch bestellt , umgeben von Mexikanern. Es ist auch hier so wie überall. Leute, die keine Ahnung von gutem Essen haben, brauchen einen Guide Michelin, der ihnen sagt, wo man gut und sauteuer isst. Man nimmt den Rat einer Reifenfabrik an. Es sind dieselben Leute, die jemanden brauchen, der ihnen sagt, welcher Wein gut ist und welcher nicht. In Mexiko ist das einfach. Restaurant voller Gringos…lieber nicht, Restaurant voller mexikanischer Familien, nichts wie hin.

In Mulege, einem herrlichen kleinen Oasenort umgeben von einem Meer von Dattelpalmen. Der Mulege Fluss fließt hier in den Golf von Kalifornien. 1702 wurde der wasserreiche Ort von den Jesuiten für eine Mission für die lokalen Cochimi Indianer ausgewählt. Dort vollzog sich dann die übliche Geschichte von Bringung des christlichen Heils zur Versklavung der indigenen Bevölkerung und deren durch europäische eingeschleppte Krankheiten langsame Ausrottung.

Südlich von Mulege liegen einige schöne Buchten und Strände entlang dem Highway 1 direkt an der Bahia Concepcion. Die traumhaften Buchten sind heute im Winter von Wohnmobilen umlagert wie einst die Planwagen der Siedler im Wilden Westen von angreifenden Komantschen Kriegern. Playa Santispac wo eine Sandspitze durch die stille Bucht führt, ist besonders fotogen. Am Abend in Mulege gehen wir zur Flussmündung, wo ein kleiner Leuchtturm steht und es eine Lagune mit Mangroven gibt. Es hat erstaunlich viele Wasservögel und wir sehen verschiedenste Reiher, Löffler, Pelikane und Kormorane. Oben am Hang sitzen Truthahngeier auf Kakteen wie Gruppen von Vampiren, die auf die Nacht warten. Unsere Vogelfotografen sind glücklich und knipsen dahin. Rund um die Vogeloase knattern laute mexikanische Kleinlastwagen, brummen Jugendliche mit Motorrädern und Familienväter fahren mit lauter Norteno Musik ihre Familien aus. Mexikaner haben keine Befindlichkeiten, wenn es um Lärm geht. Auch der Abfall, der hier überall liegt, scheint sie nicht zu kümmern. Bierdosen schwimmen zwischen Pelikanen, Plastiktüten kleben an Mangroven und ausgediente Autoreifen ragen aus dem Sumpf. Viva Mexiko, sagte Oskar mein alter Spanischlehrer in San Miguel de Allende. „Mexiko ist ein reichhaltiges Land.“ Sagte er. „Aber die Leute sind dumm und machen alles kaputt.“ In den dreißig Jahren, seit ich dort war, hat sich im ökologischen Verständnis des Durchschnitts Mexikaners so wenig geändert wie das des durchschnittlichen Schweizer Bauern.

Auf der Rückfahrt fahre ich voll in eine nicht gut gekennzeichnete Einbahnstraße und noch bevor ich umkehren kann, kommt mir eine Polizistin in blitzblanker Uniform entgegen. Ich lasse die Scheibe herunter und sage zu Ihr:“ Una Vuelta no?“ Zu meinem Erstaunen sagt sie nur: „Ja bitte“ und lässt mich gehen. Im Auto glaubt es keiner, dass es sowas in Mexiko gibt. Ich sage: „Nicht jeder Polizist hier ist korrupt.”

In San Ignacio der netten kleinen Missionsstadt mit der wohl schönsten und am besten erhaltenen spanischen Mission, bleiben wir eine weitere Nacht. Es ist auch eine Dattelpalmen-Oase, und hier hatte ich Anfang der Neunzigerjahre im Auftrag des Globo Magazins einige meiner besten Baja Bilder gemacht. Der Ort sieht fast noch aus wie damals, aber nun gibt es mehr Restaurants und dauernd donnern große Gruppen von Motorradfahrern an, die sich gegenseitig vor der schönen Kirche fotografieren. Der verschlafene, von der Welt vergessene Ort ist zum Touristenkaff verkommen, aber am frühen Morgen ist noch niemand da, außer einer mexikanischen Restaurantbesitzerin, die uns bewirtet. Huevos Rancheros mit Bohnen, Toast und Kaffee für eine Handvoll Dollar. Sie spricht nur Spanisch und noch regt sich kein Gringokopf. Man fühlt sich zurückversetzt ins alte Mexiko, wo die Uhren noch langsamer liefen. Ein alter Mann wischt mit einem Besen den Dorfplatz, und ein Hund schläft ungeniert mitten auf der Straße.

Eigentlich wollte ich keine Fotoreise Baja California machen, denn ich kannte die Halbinsel zu gut und wusste, dass es logistisch schwierig war, hier etwas zu planen. Die Strecken waren riesig und oft lagen die tollen Fotospots dort, wo es kein Hotel gab. Einige unserer Kunden hatten mich überredet, und nun waren wir da. “Flip-Flop” sagte Regula.

Für Landschaftsfotografen ist die Gegend rund um den winzigen Ort Catavina ein Must-see-Spot. Das Tal der Kerzen ist eine gebirgige Wüstenlandschaft voller Felsen und Kakteen, darunter die rüsselartigen Boojum Bäume, eine Kakteenart der Gattung Ocotillios. Die Landschaft scheint eines Fiebertraumes Dalis entsprungen zu sein. Das einzige Hotel im Ort wird von großen Tourbussen und von Mottoraddfahern besucht und eine Reservation im Voraus ist unbedingt nötig. Draußen auf den Kakteen saßen Raben und beobachteten die Motorradfahrer. Geier hockten etwas weiter weg auf den Kandelaber-Kakteen hinter dem Haus und hofften darauf, dass einer der greisigen Bustouristen einen Herzschlag erlitt. Die Haupteingangstüre in die Lobby klemmte und jedes Mal, wenn jemand sie benutzte, gab es ein kratzendes Geräusch. Es schien niemanden zu kümmern.

Der mexikanische Kellner im Restaurant machte ununterbrochen Witze, konnte wahrscheinlich nur so seinen Beruf ertragen, denn der Ort Catavina ist umgeben von Wüste. So wie ein Roadhouse im australischen Outback, und jeden Tag sind neue Kunden da, die gleich aussehen wie die vom Vortrag. Er kam und fragte“: mas whiskey?“ was bei ihm mehr Kaffee hieß. „No Tequila“, antwortete ich und alle lachten obwohl es nicht lustig war. Hinter uns saßen drei junge Motorrad-Gringos. Einer von ihnen redete ununterbrochen in voller Lautstärke. Es ging um Motorräder und wie man sie wartete. Es ging um PS und Schrauben und Ölfilter und Pedale, es hörte nicht auf. Er konnte ja nichts dafür, dass er so eine laute Stimme hatte. Sie redeten von ihren Frauen und dann wieder über raue Pisten und Motorradfahren.

Ich dachte, deren Frauen genossen gerade in vollen Zügen, dass ihre Männer weg waren, hofften wahrscheinlich, dass diese in der Wüste verloren gingen und sie die Lebensversicherung kassieren konnten.

„Mas Whiskey?“ kam von Juan. „Si gracias.“ Ich wollte mehr braunes, kaffeeähnliches Wasser für meinen Nescafe den ich mitführte. Mexiko baut Kaffee an, etwa im Chiapas oder an den Bergflanken bei Vera Cruz am Pico de Orizaba aber hat keine eigentliche Kaffeekultur entwickelt. Starbucks artige Ketten in den Städten servieren nun auch in Plastik verpackte Milchkaffee, überteuert wie in den USA. Wir blieben zwei Nächte in Catavina und fotografierten die Landschaft, die Sterne in der Nacht und prähistorische, etwa 10 000 Jahre alte Indianermalereien der Vorfahren der Cochimi Indianer.

Auf dem Weg dorthin begegneten wir einer Gruppe Schweizer und Deutscher. „Scheiß Condor“ dachte ich, aber die Leute waren damit beschäftigt, sich über die eigenen Leute lustig zu machen. Eine Frau hatte Lederstulpen, die man gegen Schlangenbiss und Jolla Kakteen trägt, was die anderen zu Spott verleitete. „Ich weiß nicht, warum die Europäer immer solche Ärsche sind“, sagte ich zu Regula, die nur den Kopf schüttelte.

Von San Jose del Cabo sind es 1100 Kilometer bis nach Catavina und wir mussten alles wieder zurückfahren. Zum Glück gibt es noch Loreto, die Touristenoase am Golf von Kalifornien. Dort, wo die Spanier im Jahre 1697 die erste Mission auf der Baja California Halbinsel gründeten, ist heute ein beliebter Touristenort. Die Strecke entlang der Bahia Concepcion südlich von Mulege ist landschaftlich besonders reizvoll, und die Berge rund um Loreto wunderschön. Bizarrer geht es kaum und so machen die Landschaften die endlos scheinenden Strecken erträglich.

„Oh I just love Loreto“ hatte meine Freundin Kathy in Bend gesagt. Alle liebten sie Loreto. Die Amis waren wild auf den Ort, denn er war sauber, hatte das, was sie als Mexiko Flair kannten, und war für sie gebaut worden. Es war sozusagen von den Tourismusstrategen der mexikanischen Regierung kreiert worden. Denn die vorgelagerten Inseln, die Bucht und die Berge waren traumhaft schön und da hier die Besiedlung der Halbinsel mit den Missionaren angefangen hatte, war also auch historisch gesehen ideal.

Wir waren dabei, die schöne Missionskirche zur blauen Stunde zu fotografieren, als eine alte Amerikanerin zu uns sagte: „Das hier ist das beste Restaurant der Stadt“, und sie zeigte auf ein Restaurant neben der Kirche. Ich sah Holzstühle, bunte Tischdecken und eine Heerschar von Gringos an den Tischen sitzend. Alle hatten Margaritas vor sich und das Lied – Guanta La Mera -dröhnte aus Lautsprechern. Es sah aus wie in einem mexikanischen Restaurant in Dull Ass Texas und wahrscheinlich war die Salsa fad wie Schuhwichse. Die Kellner sprachen sicher alle Englisch und die Enchiladas versanken in einer schmierigen, Käsesoße und die Tacos waren frittiert. „Guanta La Mera“, sagte ich zu Regula und schüttelte den Kopf. Gleich nebenan gab es ein hippes Restaurant. Während im volkstümlichen Mexiko Restaurant vorwiegend Pensionäre und ihre rosarot gefärbten Frauen tummelten, saßen hier die coolen Leute. Leute, die sich herausgeputzt hatten. Schwarze Pumps bei den Damen und blaue Edelturnschuhe bei den Herren. Man trank überteuerten Wein aus großen Gläsern und wartete auf den sündhaft teuren Fisch, während man sich in erster Linie mit dem Handy beschäftigte. Statt – Guanta La Mera – lief Blubber Lounge Musik.

Wir sassen zwischen Amerikanern und tranken Bier. Ich versuchte, Mexiko Feeling zu kriegen, aber es kam nicht auf. Es war alles wie im Epcot Center von Disneyland. Hinter uns schrillte das Lachen einer Betrunkenen wie Kreide auf einer Schiefertafel. Ein kurzbeiniger mexikanischer Hund mit traurigen Augen hob den Kopf und schaute kurz auf, bevor er weiterschlief.

Unsere Tour ging zu Ende und hatte Spaß gemacht. Besonders dort, wo man noch mit Mexikanern, ohne Englisch-Sprachkenntnisse, umgab. Es wurde Zeit, die Tour zu beenden.

Wieder in unserem Haus in El Sargento, die Leute glücklich und zufrieden abgereist, sassen wir im Hof. „Uff“, sagte ich zu Regula,“ wieder eine Reise erfolgreich erledigt”. Es war immer beruhigend, wenn es gut ging und alle wohlbehalten nach Hause flogen. Der Oreole sang sein Lied und die Tauben gurrten. Regula mahlte Kaffee. Die Vegetation wurde spärlicher, die Büsche verloren ihre Blätter. Es war staubig und bis zum Eintreffend der Stürme im Sommer gab es kaum Aussicht auf Regen. Trotzdem sprießten die Blumen der Kakteen. Knospen traten hervor an den Kandelaber Kakteen, den Cardones und unserm Kaktus aus Peru, Cereus jamacaru den wir neu gepflazt hatten, ebenso. Der grosse Palo Verde Busch neben unserer Gast Casita war übersät mit tausenden kleinen gelben Blüten und die Bienen surrten so laut, man hörte sie sogar im Haus.

Nachts wehte zuckersüßer Blumenduft durch die Luft. Die Vögel ließen sich nicht beirren, flatterten, bauten Nester und sangen ihre Lieder. Die Gringos ließen nach. Es fühlte sich an, als ob die Flut langsam zurückging. Mitte März und April waren schon immer schön warm und eine angenehme Zeit für uns gewesen. Als wir noch arbeiteten, kamen wir meist in diesen Monaten hierher in unser Haus, um Urlaub zu machen. Die Sonne ging nun bereits nahe der Cerralvo Insel im Nordosten auf. Ich wachte größtenteils kurz zuvor auf und sah der roten Kugel zu, wie sie sich aus dem Wasser hervortat. Der Organ-Pipe-Kaktus bildete immer einen netten Scherenschnitt davor. Der Strand vor dem Resort von Mr. Bill war an diesem Tag wie ausgestorben. Nur Juan rechte wie jeden Morgen den Sand am Eingang zum Hotel. Als wir die Bretter ins türkisfarbene Wasser einschoben, waren wir umzingelt von tausenden kleinen Fischen. Sie verdunkelten das Wasser und es dauerte keine Minute, da knallten schon Pelikane wie Bomben ins Wasser neben uns. Am Vortag war es ein großer Schwarm von Thunfischen gewesen, die zu groß waren für die Pelikane. Heute hatten die Fische anscheinend die richtige Größe und die Pelikane nutzten ihre Chance.

Wir paddelten hoch zum ruhigen Strand, wo es Warmwasserquellen gab. Mehrere Kormorane flogen wie Cruise-Missiles an uns vorbei. Ihre gelben Schnäbel leuchteten im Morgenlicht. Wir schauten ihnen zu, wie sie nach Norden donnerten. Es knallte wieder rund um uns und Pelikane schossen ins Wasser. Margis Hund schaute den auftauchenden Vögeln ängstlich zu. Die Pelikane ignoriert uns. Schoben den Fisch im Schnabel zurecht, hoben den Kopf und man sah, wie der Hals sich verdickte und der zappelnde Fisch im Magen endete. Ihre Vogelaugen schauten uns misstrauisch und kalt an. Sie trauten uns nicht und hielten genug Distanz, um beim geringsten Grund wegfliegen zu können.

“Mardi Gras” sagte Regula “lets go.” Es gab keinen Ausweg. Wir waren Eingeladen und mussten gehen. Edgar war froh, nicht dabei zu sein. Ich packte missmutig eine riesige Tecate Bierdose ein, die ich noch im Kühlschrank vorfand, und wir liefen los. Wahrscheinlich waren wir die Einzigen, die zu Fuß gehen, dachte ich.

Regula war guter Dinge und wir liefen die Staubstraße zum Haus, wo die Party stattfand. Es waren gerade fünf Minuten. Oben an der Straße stand eine Ansammlung von ATV und Jeeps. Baja Autos. Viele hatten South Dakota Nummern. Der Staat machte es leicht und billig, eine Bescheinigung zu kriegen, auch wenn man da nicht wohnte. “Pinche Gringos“ schoss es mir durch den Kopf.

Seltsam! Es war keine Musik zu hören. Ich dachte an Mardi Gras in New Orleans, an Zydeco Bands und Dunkle Männer mit Posaunen. Louisiana war immer cool. Man konnte am Sonntagmorgen Musik hören, tanzen und Bier trinken. Zwar nur bei den Cajuns, aber immerhin. Nichts war zu hören. Kein Zydeco, nicht einmal eine Norteno Band oder eine Los Lobos CD.

Ich grummelte vor mich hin. „Ich frage mich, wer heute der Vorzeige Mexikaner sein würde“. Meistens gab es einen. Edgar war nicht eingeladen. “Wahrscheinlich Toni” dachte ich. Als wir eintrafen, Fashionable late, war das Buffet schon eröffnet. Überall saßen alte Leute in abgeschabter Baja Kleidung. Sie redeten wahrscheinlich über die Windstärken und ignorierten uns. Ich klammerte mich an mein Bier und sagte zu Regula: „Lass uns gleich vorbeigehen und dort wieder hoch und weglaufen.“ Über den Sand und in die Berge. „Komm schon, kam es zurück“ und wir liefen zum großen Palmwedeldach wo sie alle saßen.

Bill kam uns entgegen, mit einem Teller und einem Bier in der Hand. Er nickte uns zu und verschwand im Inneren. Toni kam auch mit einem Teller in der Hand angelaufen. “Hola Amigos“. Der Vorzeigemexikaner, dachte ich. “Buena comida” sagte er. “Si pero carne no?”antwortete ich, der Vegetarier, Pescetarier und Tony sagte“ si pero se hay arroz.” Dann verschwand er, ging im Gewühle der Gringos unter wie der Bösewicht im Schatz am Silbersee im Treibsand. Es war wie, wenn bald das Essen knapp würde. Die Frauen plapperten, die Männer aßen. Der Hund unserer Freundin stand da und versuchte nicht zertrampelt zu werden. Er ist klein, dünn und sieht aus wie eine große Ratte, hat aber ein süßes Gesicht. Ich wollte weg. Regula sah die Gastgeberin und wir gingen zu ihr. Sie stand hinter Töpfen, voll mit dampfender Jambalaya, und sah müde aus. Der Gastgeber war unten bei der Bar und erkältet. „Fast hätte er abgesagt, er hat eine Erkältung“, sagte sie. Ich dachte, dass es keine gute Idee wäre, an die Bar zu gehen. Ansteckung! Er hätte am Mittag fast abgesagt und nun war er froh, wenn es vorbei sei. Sie taten mir leid. Ein paar Gringos kamen, um die Teller nachzufüllen oder den Müll zu beseitigen. Ich klammerte mich an mein noch nicht geöffnetes Bier wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring. Regula machte Small Talk, ich schaute mir das Haus an. Sie hatten ein tolles Haus. Geschmackvoll, mit tollen Gemälden der Besitzerin. Es war ein schönes Haus, wenn es nicht voller Leute wäre. Ich sah niemanden mehr, den ich kannte. Oder vielleicht doch, denn sie sahen alle gleich aus. In erster Linie alt, von der Sonne verbrannt, abgeschabt, identisch. Waren wir schon so alt? Gott sei Dank hatte ich den Spiegel heute früh ignoriert. Ich fühlte mich richtig jung und fit, wenn ich mir diese Leute ansah. Die Gastgeberin sagte, sie hätte nicht gedacht, dass sie uns heute sehen würde. „Ich auch nicht“ gab ich zurück. Es hatte sich herumgesprochen, dass ich Partys hasste. Die Leute verstanden das. Sie wussten nicht, dass ich im Grunde Leute nicht ausstehen konnte, aber das war eine andere Sache.

Wir schauten nochmal auf das Gewusel und liefen los. Regula folgte mir wortlos und wir gingen die fünf Minuten schweigend zu unserem Haus. Es war totenstill und man konnte die Brandung hören, wie sie die Steine am Ufer zermahlte. Die Vögel waren schlafen gegangen und eine kleineFledermaus sauste unter unserm Palmwedeldach hin und her, aß Insekten und fiepte leise. Ich holte ein Glas und öffnete die Bierdose. Ein Bier am Abend tat immer gut.
„Es war ein netter Abend“, sagte ich zu Regula aber bekam nur ein Seufzen zu hören.

Ende April wurde es Zeit, nach Norden zu fahren. Nicht, weil es in Mexiko zu heiß wurde, sondern weil wir Ende Mai aus den USA in die Schweiz
flogen. Es war das erste Mal in 30 Jahren, dass wir etwas angespannt waren und nicht gerne in die USA reisten. Trump war König und entsprechend erledigt war das amerikanische Imperium. Jedermann konnte sich jetzt dem Gesetz entziehen, wenn er es sich leisten konnte. Während hier in Mexiko die Eidechsen, Geckos, Schlangen aus ihrem Winterschlaf kamen, die Vögel ihre Nester bauten und von Dächern trillerten, verhaftete man in den USA wahllos Leute, die man als Verbrecher bezeichnete und sandte sie in Konzentrationslager.
Frauen, die aussahen wie Barbie Actionfiguren, waren überall, trugen MAGA Hüte und zu viel Make-up. Rassisten in allen Hauttönen hatten Aufwind. Nazis, Klanleute und Fox News Propagandisten waren in der Regierung. Eigentlich hätten wir es wissen sollen. Wir, die USA Fans, die Leute, die dort wohnten oder gerne reisten, die die in Europa in den neunziger Jahren US-Nummernschilder ins Autofenster klebten, die an Country Festivals im Westerwald gingen, Trapper oder Indianer spielten und immer wieder die Route 66 Abfuhren, wie wenn das nicht die ausgebleichte Touristen Kacke wäre, die sie ist, sondern eine Traumstraße. Weggucken, ausblenden und schönreden ging nicht endlos, wie Trump es uns nun bewies. Irgendwann musste man Farbe bekennen, denn nicht jeder ist ein Schweizer Investment-Banker. Irgendwann ist genug und man kann die Dixie Flagge nicht mehr als exzentrisch bezeichnen, und ein KZ ist ein KZ.

Das US-Imperium wackelte schon länger. Unentschieden in Korea, Niederlage in Vietnam und dann der Irakkrieg von George Bush, dem Dümmeren. Immer wenn es arg wurde, kam eine Lichtgestalt, die das Schlimmste verhinderte, Obama, Biden, Clinton, mit oder ohne Blowjob.

Aber eben, wir hätten es wissen sollen, dass es arg enden würde. Rom fiel auch nicht an einem Tag. Gorbi brauchte auch einige Zeit, bis das Kartenhaus zusammenbrach. Die Anzeichen waren alle da. Die Geister von Andrew Jackson, Robert E. Lee, Stonewall Jackson, Henry Ford, Charles Lindbergh und David Duke waberten seit Jahren über das Land und überall standen Denkmäler, die Verbrechern gewidmet waren. Man denke an Amerikas Soft Power Symbole. Marilyn Monroe, eine blond gebleichte, missbrauchte Sex Nymphe, Elvis Presley, der King of Rock ’n’ Roll, ein aufgeblähtes Drogenopfer, tot auf seiner goldigen Toilette sitzend. Bill Cosby, Amerikas favorite Dad ein Serienvergewaltiger, Ronald Reagan, ein Schauspieler und Schönschwätzer, der seine eigenen Lügen glaubte, bis er nichts mehr wusste. Michael Jackson ein pausbackiger süßer Junge, der als gebleichter Freak endete. Clint Eastwood, Stallone, Chuck no talent Norris und allen voran der Marlboro Man. Ein kettenrauchender, todbringender Fake Kuhhirte in Lederhosen. Selbst der Mythos des Cowboys ist auf Lügen gebaut. Vaquero von Vaca = Kuh und Ero = Arbeiter ist ein Lateinamerikaner, dessen Geschichte bis nach Arabien führt und der von Spanien aus die Neue Welt eroberte. Der amerikanische Cowboy ist ein Beduine aus Arabien.

Eigentlich wussten wir das alles. Der Völkermord an den indigenen Stämmen, die Jim Crow Laws im Süden, die geballte Attacke des amerikanischen Kapitalismus auf die Natur. Die Gräueltaten, Bear River, Sand Creek, My Lai, Dresden, Hiroshima, Abu Ghraib. Der Pax Americana, der nach dem Zerfall der Sowjetunion sein wahres Gesicht zeigte und versuchte, zum globalen Imperator zu werden. Die zukünftigen Leibeigenen sich keinen dümmeren Cäsar aussuchen können. Statt des Königs hatten sie den Hofnarren gewählt. Den wahnsinnigen Joker, eine Mischung aus Caligula, Nero und Dr. Evil. Damit passierte jetzt genau das, was sie glaubten, zu verhindern. Der Kollaps der USA oder zumindest dessen Umwandlung zu einer auf dem Kopfstehenden Kleptokratie, geführt von einem Heer von überschminkten MAGA Bimbos und sich selbst überschätzenden Hintern Küssern.

Am 22. April saß ich auf meinem Surfbrett im Meer und schaukelte verträumt vor mich hin. Am Ufer saß eine große Gruppe Pelikane. Sie säuberten ihre Federn oder träumten vor sich hin. Sie genossen, den Strand für sich alleine zu haben. Kein Mensch war zu sehen, nicht einmal ein Hund zeigte sich. Das Wasser war so klar, ich konnte die Fische beobachten, wie sie unter mir schwammen. Bunte Fische, gelb gestreift, getüpfelt in den verschiedensten Formen, schwammen da. Ein Stachelrochen lauerte im Sand. Ich sah seine Form und den Stachel perfekt getarnt unter mir. Es fühlte sich an wie schwerelos, und ich wusste nicht, ob ich oder das Land sich bewegte. Die Stille war komplett. Regula sprang ins Wasser und plantschte sachte im stillen Meer.

Semana Santa, die Osterwoche war gerade vorübergegangen und die Mexikaner, die hier kamen, für ein langes Badewochenende waren alle wieder abgereist. Viele der Gringos, der Hausbesitzer, waren noch vor der Osterwoche nach Norden gefahren. Sie grauten sich vor den Menschenmengen, obwohl diese nur am Strand anzutreffen waren. Sogar die Van-Nomaden waren allesamt ihren Hunden, Surfbrettern, den auf geschwollenen Lippen, Tattoos und Starlink Antennen weggefahren.

„Herrlich“ sagte Regula sie sind alle weg. Nun war Ruhe angesagt, bis im Juli, wenn dann die Sportfischer und Stadtmexikaner für den Sommerurlaub kamen. Es ließ sich gut leben in Mexiko. Wir brauchten kaum Kleider. Abgeschabte Jeans, kurze Hosen, Badehosen und T-Shirts, die ewig zu halten schienen. Nachhaltig halt. Schuhe hatte ich nur noch für einen Ausflug in die Stadt, sonst gingen wir barfuß oder mit Flip-Flops. Da wir unser Haus ohne Hypothek besaßen und die Steuern tief waren, hätten wir hier selbst mit nur der AHV-Rente komfortabel leben können.

Oben in Bend, Oregon, war es noch immer kalt. Dort, auf 1200 Meter Höhe, kam der Frühling erst Ende Mai. Gerade dann also, wenn es hier langsam zu heiß wurde. Klimaanlage brauchten wir in Mexiko erst im August. August bis Ende Oktober waren heiß und feucht, sodass es für nicht Eingeborene wie uns unangenehm wurde. Deshalb planten wir, entweder in Oregon oder im Chalet in der Schweiz zu sein. Oben in Gringolandia , USA, herrschte Chaos. Russische als DOGE getarnte Oligarchen Söldner zerstörten den amerikanischen Staat von innen heraus. Der Dollar war im Tiefflug und die Wirtschaft dabei, Arbeitsplätze zu vernichten. Statt neuer Stellen würden ohnehin nur neue von KI gesteuerte Roboterwerke installiert werden, aber das wussten die Lohnsklaven noch nicht. Da saß ich nun auf meinem Brett in der Bucht von La Ventana und dachte daran, wie wir vor zwanzig Jahren hier Land gekauft hatten, in dem Gedanken, dass wir vielleicht einmal die USA verlassen müssen. Es war zur Wiederwahl von George Bush dem Dümmeren, wo uns bewiesen wurde, dass die USA wahrscheinlich irgendwann kollabieren würden. So richtig glaubten wir das nicht, aber trotzdem wetteten wir darauf, eine Zukunftsstätte in Mexiko zu haben. Damals besaßen wir noch kein Chalet in der Schweiz.


Jetzt fühlte es sich in Mexiko tatsächlich sicherer an als in den USA. Als Trump zum ersten Mal gewählt wurde, nannte ich ihn Trumpler, frei nach Adolf Hitler, was von den meisten Leuten konsterniert zur Kenntnis genommen wurde. Nun war er zurück und sandte unschuldige Leute in sein Konzentrationslager in El Salvador. Jetzt wussten wir, wie das damals ging, als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen und niemand etwas sagte. Als wir hoch zum Haus gingen, schrillte der Ruf eines Gila Spechtes an unser Ohr. Er saß in einem Kaktusloch oben neben einer der weißen Blüten, die um diese Jahreszeit sprossen, und rief nach seinem Partner. Ein scharlachroter Kardinal flog an uns vorbei und noch immer war kein Mensch zu sehen. Das Haus gegenüber war bereits verriegelt und allen und seinen zwei keinen Hunden, die uns liebten, war auch abgereist. Das Meer schimmerte dunkelblau am Horizont und die Palmen unten am Strand wogen sanft im schwachen Wind. Ein paar Fregattenvögel schwebten über dem Resort von Mr. Bill und ich war glücklich.

Endlich waren wir bereit für die Fahrt nach Norden. Das Scotts Oriole Weibchen war froh, dass wir gingen. Es hatte sein Nest genau bei unserem Tisch gebaut, wo wir immer abends saßen. Da sie sich nicht traute, ins Nest zu gehen, solange wir da waren, saß es im Geäst und motzte uns ohne Unterbruch an. Das ging so lange, bis wir unsere Teller nahmen und uns an einen anderen Tisch vorne am Haus setzten. Blöder Vogel, dachte ich, warum muss er unbedingt hier bauen. Ich dachte wieder an Gringolandia und was mich erwartete. Der bösartige Giftpilz war noch immer im Weißen Haus und zerstörte das, was vom amerikanischen Traum noch übrig geblieben war. Das Bildungsministerium sollte aufgelöst werden, 4400 Leute arbeiten für das Ministerium, das Budget war 2023 satte 274 Milliarden und doch wurden die Leute immer dümmer, 18% der Amerikaner waren Analphabeten und 54% auf dem Stand eines Sechstklässlers. Man könnte sich fragen, wo die 275 Milliarden hinflossen und was die 4000 Leute den ganzen Tag über machten.

Ich dachte daran, was es dort nichts gab, worauf ich mich nach sechs Monaten in Mexiko freute. Es gab eigentlich alles hier in El Sargento. Einiges, wie etwa Häagen Dazs Eis, war doppelt so teuer, aber immerhin konnte man es sich leisten. Was gab es also im Norden, was ich vermisste?Chips Ahoy? Donuts? Bagel voller Guar gum und Geschmacksverstärker? Starfucks Coffee? Taco Hell? Pizza Hure? Hookers Bar and Grill? Whole Paycheck aka Whole Foods, Re- Call Joes? Too much of everything Costco? Artisan plastic wrap Brot ? Motels mit dröhnenden Eismaschinen, Coffee-Shops mit Spülwasser Kaffee? Ich musste die Frage eingrenzen. Oregon, was freute mich an Oregon? Die Maultierhirsche bei mir im Garten? Der Geruch nach Wacholder und Zedern? Frischer Lachs aus Alaska? Es gab also doch ein paar Dinge, und es würde sicher schön sein, alte Freunde zu treffen.

Regula hielt mir ihr Handy vor die Nase. Darauf sah ich dank unserer Überwachungskamera in Oregon, wie gerade mehrere Maultierhirsche an den frischen Sprossen unserer Apfelbäume knabberten. Wer mit der Natur lebte, hatte auch die Nachteile. Sie sahen gesund aus, etwas struppig, denn sie verloren allmählich ihren Winterpelz. Die Bäume würden es überstehen, denn sie waren nun so groß, dass die Tiere nur im unteren Bereich Schaden anrichten konnten. Eine Hirschkuh stand mit den Vorderbeinen auf unserem Holztisch und knabberte munter an den Blättern herum. Es war wie mit Kindern, deren Eltern nicht Zuhause waren. Drei Tage später reihen wir uns an der US-Grenze ein. Immer, wenn Mauern gebaut werden, steht das Reich vor dem Niedergang. Die Mauern von Jericho, Hadrians Wall, die Große Mauer Chinas, die Berliner Mauer und nun Trumps Wand. Jericho fiel, die Piken überrannten Hadrians Wall, die Mongolen nahmen China ein, die Berliner Mauer fiel und Trumps würde nie fertig werden und doch stehe ich vor einer Mauer in Mexicali. Man sieht von Süd nach Nord und nichts ist so bunt wie bei Nina Hagen im Lied, das damals die deutsche Welle beflügelte.

Es sieht alles gleich aus, vor wie hinter der Mauer, und ein indischer Flüchtling und seine kleine Tochter betteln der Autokolonne entlang. Der US-Grenzwächter fuchtelt mit den Händen und scheint schlecht gelaunt, aber wir dürfen rein nach Trumpistan. Die Straßen in Kalifornien sind beinahe so schlecht wie die auf der Baja Halbinsel. Wo man hinschaut, arbeiten Lateinamerikaner, allen voran Mexikaner. Wer in den USA etwas prompt und gut erarbeitet möchte, stellt lieber einen Mexikaner ein. Die Amerikaner campieren lieber im Wald in Oregon. Dort, wo nahe meinem Haus gerade ein Obdachlosenlager geräumt wurde. Die Konsumgesellschaft spuckt ihre Opfer aus, und die Zahl der Obdachlosen steigt von Jahr zu Jahr. Wer einmal die Lager in Oregon gesehen hat, verliert jegliches Mitgefühl für die Leute. Die von den Republikanern unter Trumpler so verpönten Mexikaner findet man dort nicht. Diese sind zu beschäftigt mit Arbeiten. Im Wald, unter ihrem eigenen Müll begraben, findet man vorwiegend weiße Amerikaner. Herrenmenschen, die dem Druck der Globalisierung nicht standhalten. Drogenopfer, Veteranen mit Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD), Opfer sexueller gewallt, Alkoholiker und Leute, die keinen Bock auf Arbeit haben. Die Blue States versinken in den von den roten Staaten verdrängten Verlierern der Gesellschaft und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

In Kalifornien bei Mount Shasta campieren wir eine Nacht im Staatswald. Eine junge Mutter mit ihren drei Kindern lebt im Auto und hat ein Zelt aufgestellt. Trump will mehr Kinder, aber nicht solche. Überall hat es alte Camps, wo verlassene Zelte, Schlafsäcke und Müll herumliegen. Die gemeinnützigen Gesellschaften geben Campingmaterial aus. Die Obdachlosen holen sich das ab und lassen es nach einiger Zeit liegen, holen dann wieder neues. Es ist eine Obdachlosen-Wegwerfgesellschaft, die unsere Naturräume zumüllt.

Wir fahren durch Kalifornien. Nach den zersiedelten Wüstengebieten bei Palm Springs und der ewig wuchernden ökologischen Katastrophe von greater LA, hinter Santa Barbara, sehen wir plötzlich, wie schön Kalifornien sein kann. Kurz vor Santa Ynez liegt das Tal des Ynez Flusses, mit sanften , kalifornischen Eichen, blühenden Holunderbüschen und Wildblumen. Es ist jetzt Anfang Mai erstaunlich grün. Im Ort steht die schöne spanische Mission Santa Ines aus dem Jahre 1804. Die Chumash Indianer, die von den Patres bekehrt und versklavt wurden, haben heute, richtig, sie haben es erraten, ein Casino, wo die Leute, welche noch nicht im Wald leben, ihr Geld verspielen. Wenige Kilometer entfernt liegt Solvang, das dänische Touristendorf, das ausschaut wie eine Disney-Version von Dänemark. Ein gesättigter Wohlstand liegt in der Luft und dicke SUVs mit getönten Scheiben schieben sich über die Straße, gefahren von wohlhabenden Californians mit Golf T-Shirts und Wohlstandsbäuchen. Alles ist nett, sauber, blumig und fast zu schön, aber das Gefühl von satter Zufriedenheit löst sich dann weiter nördlich wieder auf, als wir die Entwicklergettos in Santa Maria durchqueren. „Wissen die Kalifornier, warum sie niemand im Westen mag?“, fragt Regula plötzlich. „Nein, sie schauen nie in den Spiegel“, antworte ich. Eigentlich haben wir schon wieder genug Californication gesehen, denke ich.

Die Spanier nannten Kalifornien nach einer der damals typischen Kitschnovellen über eine Insel California, welche von Amzonen besiedelt sei. Da sie glaubten, die Baja Halbinsel sei eine Insel, nannten sie diese Baja California, Niederkalifornien. Oberkalifornien nannten sie später Alta California, heute schlicht Kalifornien genannt. Schöne Frauen, Gold und Silber im Namen Gottes summieren die Leidenschaften der Spanier auf den Punkt. Die dort lebenden Indianerstämme wurden versklavt und dann von den Anglo-Amerikanern nahezu ausgerottet. Die Chumash, die Jungs mit dem Casino, hinterließen schöne Felsmalerei, die man in einer Höhle bei Santa Barbara sehen kann. Sie ist mit einem dicken Eisengitter gesichert, denn die fiese Jugend liebt nichts mehr, als ihre eigenen Kritzeleien auf antike Malereien zu kratzen. Wenn sie nicht gerade beschäftigt ist, mittels Spraydosen, wie die Hunde, ihr Territorium zu markieren.

In Los Osos, was heißt die Bären, liegt der schöne Küsten State Park, Montana de Oro. Wie gehabt. Die Spanier hatten eine Goldmacke, die sich im Namen zeigt. Braunbären, Grizzlys, Ursus arctos horribilis gibt es keine mehr in der Bärenrepublik Kalifornien oder wenn, dann nur noch auf der Fahne. Ein paar Schwarzbären halte sich noch in bergigen Gebieten auf, betreiben aber keine Casinos und haben daher kein Geld, mit dem sie die Politiker in Sacramento beeinflussen könnten. Der sogenannte grüne, linke, woke Staat Kalifornien ist erstaunlich redneckig, wenn man ihn sich genauer anschaut. Indianer leben am Rande, Grizzly gibt es keine, die Mexikaner arbeiten auf den Feldern und die Begüterten wohnen an schönen Küstenorten wie Carmel by the Sea, Santa Barbara, Santa Cruz, San Diego, oder Morro Bay. Westlich dem Pazifik zugeneigt liegt die ins Meer stürzende Steilküste von Big Sur, wo schlotternde Touristen Selfies machen und unweit davon, hinter den Küstenbergen im Osten, Ölfelder den Salinas Fluss verseuchen. Es ist ein kleiner Weg von Clint Eastwoods -Play Misty for me- zu John Steinbecks – Früchte des Zorns. Die Filme – There will be Blood- und -Chinatown, Wasser und Öl sind das Gold und Silber der Kalifornier von heute. Der kalifornische Redneck fährt kleinere Lastwagen – Pick Ups – als sein Nachbar in Oregon oder Nevada. Die Vorurteile und rechte Gesinnung sind dieselben. Da, wo der europäische Mann mit Minderwertigkeitskomplex auf Sportwagen mit einem Haufen PS baut, setzt der amerikanische Mann auf Diesel-Kleinlastwagen. Wer Mann ist, hat einen Truck, auch wenn dieser in keiner Hinsicht Sinn macht, weder ökonomisch noch ökologisch. Nachdem am frühen Morgen im Wald von Mount Shasta, die Obdachlosen noch ihren gerechten Schlaf schlafen, die Sonne erst langsam sich aus den Wolken im Osten schält, erklingt der Song von Joni Mitchel in meinem Kopf, als wir losfahren. Jonis schrille Stimme gibt keine Ruhe.

Oh California I'm coming home
Oh make me feel good rock 'n' roll band
I'm your biggest fan
California I'm coming home

All diese Kanadier in Amerika denke ich. Joni, Neil Young, Leonard Cohen, the Band… und nach dem Ort Weed, passend zur Gegend sehe ich ein Feld mit Lupinen, dahinter die schneebedeckte Kuppe von Mount Shasta. Es ist ein Postkartenbild, eine perfekte Naturszene, ein grandioser Anblick und Grund dafür, warum ich immer noch hier bin in diesem verflixten Land, diesem aus Raffern bestehenden, sich selbst überschätzenden Imperium von religiösen Kleingeistern, Extremisten und spiritueller Leere.

© Christian Heeb, Mai 2025

The Grumpy Traveler

Christian Heeb Writer/Photographer

Stories from the road without the bullshit. No, I will not tell you what my favorite bag is and my mission is not, to share the beauty of our world. I have no van, no dog and I am no digital nomad. World peace will never happen. But I hope you get some laughs and will think before you hit the road …

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Meine Reise mit Indianer Charly

Der Indianer neben mir sagte: „Für uns war die Natur heilig.“ “ Alles, die Steine, die Sträucher und der Wind sind beseelt.“

Ich versuchte mich daran zu erinnern, von welchem Stamm er war. „Wasco? Klamath? Modoc?..nein wahrscheinlich Paiute“, dachte ich. Ich saß auf einer kleinen Holzbank im Haus meines Schweizer Freundes Ueli in Bend, Oregon.

Ueli ist ein Schreiner aus der Zentralschweiz. Er hat eine Amerikanerin geheiratet, die aussieht wie eine resolute Rheintalerin. Er hatte uns zu einer Party eingeladen und seine ganzen Freunde wuselten in seinem Haus herum. Das Haus selbst sah aus wie das Set von der Sitcom „Roseanne“. Ueli konnte es mit den Leuten. Es waren „währschafte“ Handwerker. Amerikaner mit Baseball „Käppi“, wie sie halt so waren in Bend und da war auch ein Österreicher, der aussah wie eine Mischung aus Reinhard Fendrich und Peter Alexander. Er trug eine Lodenjacke und einen Schlips und wirkte auf mich wie ein Fisch ohne Wasser.

„Wir waren schon immer hier und wissen, wer wir sind“, sagte der Paiute Indianer. Ich wollte gehen. Ueli war nett, laut, volkstümlich und ein guter Schreiner, aber er lebte in einer anderen Welt. Meine Freunde waren alle exzentrisch, hatten keine Kinder, machten Flussfahrten, waren Künstler oder Lebenskünstler. Ich war fast neidisch auf Ueli, wie er so den Amerikanischen Traum lebte.

Der Indianer sagte „nice to meet you“ und ging endlich. Ich dachte daran, dass ich in ein paar Tagen nach South Dakota fahren musste, um mit dem Schweizer Indianer unsere „Geistertanz“ -Reise zu leiten.

Die „Geistertanz“ Reise war auf meinem Mist gewachsen, wie man so sagt. Nun war ich unterwegs mit meinem Freund Charly und einer Schweiz/Deutschen Reisegruppe. Wir folgten der Route der von dem Hunkpapa Häuptling und Schamane Sitting Bull ausgesandten Delegation zu Wovoka, dem Visionär der Paiute Indianer in Nevada.

Die Geistertanz Bewegung Ende des 19 Jahrhunderts führte zum Massaker in Wounded Knee und damit dem Ende der Indianerkriege auf den Grossen Ebenen von Nordamerika.

Unsere Reise führte von den „Paha Sapa“ den Black Hills von South Dakota durch die Staaten Colorado, New Mexico, Arizona, Nevada bis nach San Francisco in Kalifornien. Regula war Zuhause geblieben und organisierte von Bend aus.

Wir hatten einen 15 Personen Bus mit Gepäck Anhänger sowie meinen Truck Camper mit dabei. Die Leute waren eine bunte Mischung aus Charly Jüngern, Indianer Freaks, Esoterikern, einem Medium, dem Liedermacher Claude (Charlys rechte Hand), einem echten Indianer und dem Deutschen, der die falsche Reise gebucht hatte. „Das kommt schon gut“, sagte Manuela, die schon oft auf solchen Abenteuern mit dabei war.

Nun waren wir unterwegs. Es war der erste Tag.

Wir machten halt in den Badlands von South Dakota, fuhren hoch zum Stronghold, wo sich die letzten Lakota während der Indianerkriege versteckt hielten. Das dauerte. Der Schweizer Indianer machte Selfies mit dem echten Indianer. Das Medium sog den Wind in den Badlands auf. Die jungen Damen machten Selfies mit dem Musiker. Der Deutsche, der dachte, er hätte eine Reiterreise gebucht, stand da in Lederhosen und Reitmantel und wirkte verloren. Ich wollte weiter, wusste, wie weit es ist, wusste, dass es schwierig wird mit dem Abendessen. „Aller Anfang ist schwer“, fluchte ich vor mich hin.

Dann machten wir Halt bei Fort Robinson in Nebraska, dort wo man den Kriegshäuptling „Crazy Horse“ erstochen hatte. Ich hatte mich noch nicht an „Indian time“ gewöhnt, hatte methodisch geplant wie ein Schweizer Uhrmacher und sah meinen Zeitplan in Rauch aufgehen.

In Santa Fe wollten sie Steak essen. Die echten und nicht so echten indianer essen gerne Fleisch. Mein Vorschlag, zum Thai zu gehen, stieß auf geschlossene Ohren. Die meisten mochten tote Tiere auf dem Teller. Der Spirit war anscheinend kein Vegetarier.

Oben in Taos wo der legendäre Kundschafter Kit Carson einst sein Haus hatte und wo Ansel Adams die unsterblichen Bilder vom Taos Pueblo und der Kirche in Rancho de Taos fotografiert hatte, trommelte die Gruppe in der Kirche und sang Lakota Lieder. „Das ist schon was“, dachte ich.

Nach den weissen Sanddünen von New Mexiko wo ich richtig begeistert war und freudig den Indianer in voller Montur fotografierte, ging es nach Arizona ins Land der Apachen. Die Reise hatte ich etwas freizügig geplant den wo die Lakota Delegation damals wirklich durchreiste war nicht ganz klar.

Wir trafen meine Freundin Amber vom Stamm der Navajo und posierten den Lakota mit der Navajo Frau in der Wüste. Da standen sie unter den herrlichen Saguaro Kakteen und fast hätte man glauben können, dass so das Indianerland aussieht. Einige Teilnehmer waren mehr mit sich und ihrem Handy beschäftigt, aber es war trotzdem schön. Auf dem Campground fuhr ein Kind mit dem Mini-Fahrrad über eine Klapperschlange, welche dann von Charly mit der Machete erlöst wurde. Ich fand, das sah schon mehr nach Indianerland aus. Trotzdem tat mir die unschuldige Klapperschlange leid. Es war sicher ein Gesichtsverlust unter den Schlangen, wenn man von einer Rotznase überfahren wurde.

Dann waren wir auf der San Carlos Apachen Reservation. Dort wo man versucht hatte, den Apachen Krieger Geronimo gefangen zu halten. Der haute aber immer wieder ab. Er war so ein richtig mürrischer Indianer. Geronimo war kein Häuptling, sondern nur ein brutaler Krieger und genialer Guerilla-Führer. So eine Art „Grumpy Old Indian“. Selbst seine eigenen Leute vom Stamm der Chiricahua mochten ihn nicht. Der große, beliebte Häuptling war Victorio und seine Amazonen Schwester Lozen die eine tapfere Kriegerin und Schamanin war. Victorio wurde bei einer Schlacht mit der Mexikanischen Arme in der Sierra Madre von Mexiko getötet und Lozen starb in Gefangenschaft an Tuberkulose.

San Carlos liegt am Gila Fluss in der kargen Wüste von Arizona. Wir trafen den Weisen Herb Stevens und erfuhren viel über die Kultur der Apachen. Es gab so eine Zeremonie, die ich in meiner Ignoranz gar nicht wahrnahm. Irgendwas mit Maispollen. Charly grinste vor sich hin, als ich dem Medizinmann die Pollen vom Shirt wischte. „Un faux pas“, aber ich bin ja Künstler, sagte ich mir, da geht sowas. Der Schweizer Indianer hatte sofort den Draht zum Apachen. Das ging ohne Worte. Der echte Indianer und der echte Apache konnten es auch miteinander. Es ist nicht wie bei den Hunden, wo sie sich zuerst beschnüffeln. Die Indianer spüren das einfach. Ich habe keine Ahnung, wie sowas geht.

San Carlos war cool, wie die Jugend so sagt aber langsam aber sicher, kamen wir in das Land der Paiute Indianer. Die Paiute lebten und leben noch heute über das ganze riesige Grosse Becken (Great Basin) verstreut. Früher Nomadisierten sie in kleinen Familiengruppen saisonal durch das karge Land. Heute leben sie auf verarmten Reservationen.

In Las Vegas wohnten wir im „Hooters“ Casino, denn Regula hatte dort einen guten Deal gekriegt. Die jungen, gut gebauten, noch besser gefärbten, kurzen Shorts unter drallen weißen T-Shirts tragenden Mädels, die bedienten, waren unfreundlich. Wahrscheinlich hassten sie die Art der Männer, die dort verkehrten. Ich ging mit dem echten Indianer Fedora Hüte kaufen. Beide hatten wir da ein kleines Suchtproblem.

Der Musiker zog mit den jungen Damen und Indianer Charly durch Vegas. Mir wurde bewusst, dass ich Las Vegas noch immer aus vollem Herzen hasste. Alles, aber wirklich alles, was an der westlichen Zivilisation falsch ist, manifestiert sich dort in einer großen Orgie von Habsucht, Verschwendungssucht und jeglicher Perversionen. Las Vegas ist das exakte Gegenteil der indianischen Sammler Kultur der „alten“ Paiute Indianer, welche tausende von Jahren gut hier lebten ohne die Ökologie des Landes zu zerstören.

Mitte Mai erreichten wir das Tal des Todes. Das Thermometer im Auto zeigte 45 Grad an. Wir wollten zelten. Auf der Straße standen zwei Kojoten und hoffen dass wir sie erlösen und überfahren. Anstattdessen hielten wir an und machten Photos. Die Luft fühlte sich an wie wenn einem jemand einen heissen Haartrockner ins Gesicht hält.

Wir machten ein Gruppenbild bei „Badwater“ einer grossen Salzpfanne wo die Landschaft bläulich schimmerte und alles aussah wie eine Fata Morgana. Auf dem Gruppenfoto stehen wir alle auf weißem Grund. Der Reiter mit den Lederhose, die Selfie Tochter mit der Mutter, der echte Indianer, das Medium nahe beim Schweizer Indianer, der Musiker und ein Haufen junge, mitteljunge und etwas älter Frauen. Vorne links ein Kojote mit der Zunge draussen. Ich, der „Grumpy Old Man“ sitzend mit Fedora Hut und undeutbarem Gesichtsausdruck vorne.

Es war schon cool und alle überlebten die Nacht, was auch ein Erfolg war.

Dann kamen wir in die Walker River Paiute Reservation, dort wo das Grab von Wovoka liegt. Charly hatte vorher angerufen und so wurden wir von einer Delegation, bestehend aus Tribal Chairman und Großtochter von Wovoka empfangen. Der echte Indianer und der Schweizer Indianer übergaben den Paiute Indianern eine Bison Maske von den Lakota Indianern. Charly stiftete 2000 $ für das Jugendprogramm der Pajute.

Wir standen alle um das staubige Grab von Wovoka, mitten in der Busch- und Sand Wüste von Nevada. Es gab einen Rundtanz, wo alle im Kreis tanzten. Ich floh auf das Dach meines Wohnmobils, mit dem Vorwand Bilder zu machen. „Für etwas bin ich ja Fotograf geworden“, sagte ich mir. Es sah toll aus wie sie alle dort unter mir tanzten. Rot und weiss vereint als Menschen. In den Berge im Westen bildeten sich Quellwolken.

Bevor Wovoka zum Visionär des „Geistertanzes“ wurde, war er Regenmacher. Er soll das so gut gemacht haben, dass ihn sogar Anglo Farmer engagierten, damals, Ende des 19. Jahrhunderts.

Dann sang Charly ein Lied, es gab eine Zeremonie, er trommelte heftig und ein großes Windböe fuhr über uns hinweg. Es war eine Windhose, die von den Wolken herkam. Es fühlte sich an wie das Schwingen eines Adlers. Kaum war die Zeremonie vorbei, verschwanden die Wolken und es blieb ein fader, hellblauer, wolkenfreier Himmel übrig.

Es fühlte sich an, als wenn uns Wovoka kurz besucht hätte. „Das war dann schon etwas intensiv“, dachte ich der Sarkastiker.

Danach fuhren wir nach Reno in ein Casino Hotel ohne mürrische „Hooters“ -girls. Der Schweizer Indianer schmiss einen Dollar in eine Slot Maschine und ein riesiges Geklimper und Getue ging los. Die Maschine schrillte, ein Rotlicht funkelte, es schepperte 2000 $ lang. Der Mann, der gerade den Paiute Indianern 2000 $ gespendet hatte, gewann den Betrag mit einem Dollar Einsatz zurück. Da glaubte ich sogar an Karma.

© Christian Heeb/2023

Nachtrag:

Warum ich den Begriff „Indianer“ benutze. Es gibt keinen Oberbegriff, der die amerikanischen Ureinwohner mit einem Wort beschreibt außer „Indianer“. „Native American“ macht keinen Sinn denn jeder, der in Amerika geboren ist, ist Native. „First People“ kann man genauso wenig nutzen, da es verschiedenste Migrationen gab. Waren die Hopi die „First People“ denn die Navajo kamen später? Oder waren es die Anasazi-Vorfahren der Hopi?

Columbus nannte die Einwohner von Hispaniola „In Dios“, wie von Gott geschaffen. Daraus wurde „Indio“ und eben der Begriff „Indianer“ den wir heute weiterhin für die Ureinwohner Amerikas benutzen.

„AIM“ die Bürgerrechtsbewegung der Indianer in den siebziger Jahren nannte sich selbst „American Indian Movement“. Auf „Pow Wows“ im US Westen hört man immer wieder den Begriff „Indian Country“. Wenn also die Indianer selber kein Problem haben mit dem Wort „Indianer dann sollte das uns weisse Europäer überhaupt nicht stören.

The Grumpy Traveler

Christian Heeb Writer/Photographer

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Eine Reise von der Kanadischen Grenze nach Key West

1- Grosse Seen und Chicago

Mein Kajak gleitet lautlos durch die klaren Wasser des Sees. Wenige Meter vor mir sehe ich Regula in ihrem gelben Boot wie sie sanft dahingleitet. Vor ihr bricht die Sonne in einer Orgie aus Rot und Lila tönen hinter dem nordischen Wäldern hervor.

Ich ziehe meine Nikon aus der wasserfesten Tasche die ich immer bei mir vorne auf dem Kajak montiert habe und schieße in rasanter Folge eine Serie von Aufnahmen. Heute früh gab es einige Wolken am Himmel. Die Mischung aus erstem Sonnenlicht und farbigen, leuchtenden Wolken und deren Reflektionen im stillen Wassers des Sees sind für die Kamera unwiderstehlich.

Wir befinden uns im Land der Seen von Minnesota. Genauer gesagt in den „Boundary Waters“ an der kanadischen Grenze. Anfang September ist hier gerade Indian Summer. Ein gigantisches Hochdruckgebiet sorgt für sommerliche Temperaturen, klaren blauen Himmel und leuchtende Farben.

Hinzu kommt, dass wir den Park nahezu für uns alleine haben. Die Sommertouristen sind alle weg und nur ein paar vereinzelte Rentner fahren noch hierher zum Angeln.

Regula paddelt sanft und relaxed vor mir her. Noch immer ergeben sich gute Bilder. Mit Weitwinkel baue ich den Bug meines Bootes in die Bildkomposition ein. Die aufgehende Sonne leuchtet hinter Regula auf. Mindestens 15 Minuten lang fotografiere ich ununterbrochen. Dann ist der erste Spuk vorbei. Das Licht wird flach und langweilig.

Wir rudern weiter, lassen uns treiben. Ich erwarte weitere Motive und schon kommt eine kleine Insel mit einer einzelnen Kiefer darauf. Regulas Kajak in Kombination mit der Insel gibt erneut ein tolles Bild. Kurz danach taucht ein Seetaucher aus dem Wasser neben meinem Boot auf. Diese großen intelligenten Tiere sind sehr scheu, werden aber oft von ruhig treibenden Booten überrascht. Dieser hier schert sich nicht, paddelt aber doch langsam von meinem Boot weg. Nun bin ich aber froh, dass ich mein 80-400m Zoom Objektiv dabei habe. Ich habe gerade genug Zeit zum Objektivwechsel und um 4 Bilder zu machen bevor der Vogel sich endgültig verflüchtigt und untertaucht.

Minnesota ist ein Traumrevier für Naturfotografen. Nicht umsonst wohnt hier der Fotograf Jim Brandenburg, welcher mit seinen Bildern von Wölfen weltberühmt wurde. In der Nähe von Ely, dem Ort, wo Jim eine Fotogalerie hat, läuft prompt ein weißer Wolf vor uns über die Straße. Er trottet uns entgegen wie ein Hund, wirft uns einen gelangweilten Blick zu und verschwindet im Unterholz.

Ein besonders ergiebiges Gebiet für Fotografen ist die Küste nördlich der Hafenstadt Duluth am Lake Superior. Die Ikone dieses Küstenabschnittes ist der „Split Rock Lighthouse State Park“ mit seinem hoch auf einer Klippe stehenden Leuchtturm. Auch wir wollen uns dieses Postkartenmotiv nicht entgehen lassen. Am Abend kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Park und fahren sofort zum Strand, um noch die letzten Strahlen der Sonne einzufangen. Und tatsächlich schaffe ich gerade noch ein paar Bilder zu machen bevor die Sonne für heute hinter dem Horizont verschwindet. Die Brandung des Binnenmeeres schwappt unentwegt ans Ufer, wälzt den schwarzen Kiesel unermüdlich hin und her. Man fühlt sich wie am Meer. Ein paar Birkenstämme liegen halb vergraben im Geröll am Ufer. Am Himmel zeichnet sich trotz Wolken keine imposante Farbstimmung ab. Trotzdem will ich noch ein Bild fotografieren welches die raue Stimmung an diesem großen See wiedergibt.

Die Kamera auf das Stativ geschraubt, mache ich bei Blende 20 eine Belichtung von 2 Sekunden. Den Himmel dunkle ich etwas mit einem farbneutralen Graufilter ab. Die lange Belichtung lässt das schwappende Wasser weich und fast durchsichtig aussehen.

Am kommenden Morgen wollen wir hier nochmal herkommen zum Sonnenaufgang und sehen, was uns hier für die Kamera präsentiert wird.

So geht es einige Tage weiter. Im nahen „Cascade River State Park“ gibt es unzählige Wasserfälle. Hier stürzten sich die gesammelten Wasser des westlichen Hochplateaus über steile Klippen zum See hinunter. Jetzt im Herbst gibt es wenig Wasser, sodass die Fälle nicht so spektakulär sind, aber trotzdem finden wir zahllose Motive. Es gibt enge Schlünde, Gletschermühlen, stille Nischen mit Herbstlaub und jede Menge frische Luft und Bewegung.

Eines Morgens fotografieren wir den Sonnenaufgang über dem Wasser. Am Ufer bildet ein Busch voller Vogelbeeren mit grünen Blättern einen tollen Kontrast. Ein Seeadler schwingt sich vor uns in die Lüfte. „Wenn der Indian Summer nur ewig dauern würde“ denke ich. Als wir zum Auto gehen kommen uns ein paar Wortkarge Einheimische entgegen. Die Minnesotans, deren Wurzeln oft nach Skandinavien reichen, sind für Wortkargheit bekannt. Der Film „Fargo“ von Joel und Ethan Coen veranschaulicht diese Kultur in eindrücklicher Weise. Auch dieses Pärchen, das uns entgegenkommt, brummelt uns nur etwas kaum verständliches zu, nachdem ich ihnen ein freundliche ‚good morning‘ zurufe.

Man könnte hier Wochen verbringen. „Doch nun reicht es“ sage ich mir. Die Gänse fliegen bereits in den Süden und auch für uns wird es Zeit langsam südwärts zu fahren. Unser Ziel Key West ist weit entfernt.

Es ist auch ein weiter Weg vom Norden Minnesotas bis nach Chicago unser nächstes Etappenziel. Zum Glück haben wir bei Alamo einen Toyota Prius Hybrid gemietet. Das senkt die Benzinkosten um mindestens die Hälfte. Es sind 650 Kilometer von Duluth bis Chicago. Die Wälder und Seen des Nordens weichen den kultivierten Feldern des Mittleren Westens bereits im Norden von Wisconsin. Es gibt kaum etwas zu sehen auf der eintönigen Fahrt nach Süden. Überall gibt es Farmland und Höfe mit vereinzelten Wäldchen. Man ist fast versucht, die banalen Werbeschilder der Autohändler, Krankenhäuser oder Frittenbuden zu lesen.

Ein kurzer Abstecher nach Westen bringt uns zu Frank Lloyd Wright’s Haus und Studio in Spring Green Wisconsin. Die architektonische Pilgerstätte liegt eingebettet in eine idyllische, pastorale Landschaft, versteckt in einem vergessen Teil Amerikas.

Die Architektur Wrights hatte schon immer etwas beklemmendes für mich. Niedrige Decken und ein dunkles Interieur, teilweise erinnern an H.R. Gigers berühmte Alien Gemälde.

Das graue Wetter verstärkt meine Vorurteile als wir eintreffen. Wrights Geschichte wurde kürzlich von dem Schriftsteller T.C.Boyle in dem Buch „Die Frauen“ wiederbelebt. Wrights Leben war so aufregend wie ein Hollywood Thriller. Von den ganzen Dramen inklusive dem brutalen Mord hier in Taliesin spürt man heute nichts mehr. Die Provinz hat sich ihre Ruhe zurückerobert.

Bedeutende Architektur ist auch ein wesentlicher Bestandteil von Chicago, Amerikas Metropole im Mittleren Westen. „The Windy City“ erhielt ihren Namen nicht wegen der starken Winde, welche vom Lake Michigan durch die Großstadt Schluchten peitschen, sondern wegen der etwas schiefen Charakteren, welche in ihrer Gründerzeit die Stadt bevölkerten. Windy City also für zwielichtige Gesellen.

Chicago ist eine herrliche Stadt und ich wünsche mir, wie so oft, dass mehr Europäer Chicago besuchen, statt sich in den Schluchten New York zu verlieren.

Die Architektur Chicagos ist schlicht phänomenal. Die Stadt ist ein einziges Wolkenkratzer-Museum. Chicago hat eigentlich alles, was New York hat, aber mit mehr Lebensqualität, freundlicheren Menschen und endlosen Grünflächen, sowie herrlichen Stränden am Lake Michigan und natürlich den Blues.

Ohne Blues hätte die Stadt keinen Soundtrack. Wenn diese Musik mittlerweile auch etwas antiquiert klingt und sich kaum für das Download- und Ringtone-Zeitalter eignet, ist der Blues aus Chicago nicht wegzudenken.

Wir wollen uns mit unserem Freund, dem Schriftsteller, Gourmet-Journalisten und nebenbei Regierungs Bürokraten Alan Shannon treffen. Wir planen, auf der sündhaft teuren Terrasse des neuen gigantischen Wolkenkratzers von Donald Trump einen Drink einzunehmen. Die Sicht auf die umliegenden Hochhäuser sei in Chicago einmalig wurde uns gesagt. Leider ist alles ausgebucht für eine private Party und im übersetzten Szenen Treff “the Witt “ ist es dermaßen voll und laut, so dass wir nach kurzer Bewunderung der Aussicht schnell das Weite suchen. Schließlich gibt es ein Bier in einem der unzähligen Irish Pubs in Chicago und danach Dinner im angesagten vegetarischen Restaurant “Green Zebra”. Alan erzählt uns von vielen, neuen trendigen Lokalen der Stadt, welche wir nie und nimmer alle besuchen können. Wer glaubt, Chicago sei ein Provinznest in der Prärie, irrt sich gewaltig.

Später gehen wir noch in Buddy Guys „Legends” Blues Club. Alan hat sich verabschiedet, weil er keinen Blues mehr hören mag. Wir aber wollen noch ein paar Filmaufnahmen für unseren Film von “Chicago to Key West” machen.

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Amalfi 2019

Traumurlaub in Italien

Warum wir nach Amalfi fuhren, ist mir noch immer nicht klar. Wahrscheinlich weil wir Italien nicht wirklich kannten und daher den Bildern in Reisemagazinen und auf Instagram erlagen oder vielleicht sogar weil ich mir nicht eingestehen wollte, dass meine Karriere als Reisefotografie zu Ende war.

Eigentlich hatte ich alles fotografiert was ich wollte, hatte alle Länder bereist die ich sehen wollte und hatte keine Wunschliste mehr, aber es gab halt anscheinend doch noch so ein paar ewig gehegte, nahezu vergessene Träume welche in irgendwelchen Verließen im Kopf schlummerten. Amalfi schien so etwas zu sein.

Nun fuhr ich einen kleinen Fiat, den wir gerade am Flughafen von Neapel übernommen hatten, durch verkümmerte Viertel der italienischen Metropole, die man vorwiegend wegen ihrer Pizza kennt. Der Wagen war nicht aufgetankt, man musste das selber machen und konnte das Auto auch wieder so zurückbringen. Allerdings hieß das, dass wir am Abend um 7 noch ein Tanke finden mussten, bevor wir nach Amalfi fahren konnten. Anstatt dem Traumkulissen Charme der südlichen Riviera, fanden wir an einer Ausfallstraße eine Tanke die auch hätte im Kongo stehen können. Die Pumpe bestand aus einem Schlauch und einer rostigen Büchse, deren Innereien sich drehten wenn man die Pumpe einstellte. Aufgetankt wurde von einem halb verhungerten Bangladesch der aussah wie wenn er gerade vor 5 Minuten angeschwemmt worden wäre… Plastikabfall lag verstreut und die Luft roch nach Gummireifen, verbranntem Plastikmüll und gebratenem Hund.

Einen kurzen Moment war ich versucht, den mitgebrachten Du Mont Bildatlas Amalfi im Straßengraben zu entsorgen, musste aber den jungen Mann mit Euro in Bar bezahlen, was ich auch tat. Ich gab ihm ein Trinkgeld, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen und wir fuhren los nach Cetara unserer ersten Station an der romantischen Steilküste von Amalfi.

Zaghaft fuhren wir unseren kleinen Fiat in den Ort hinein, Regula mit gewohnter Präzision leitete mich in eine winzige Gasse im Zentrum, welche in Richtung Hang führte. Die Einwohner der Stadt hatten anderes vor und kamen uns in geballter Menge entgegen. Es schien, die komplette Einwohnerschaft hatte sich gerade jetzt , abends um halb neun , vorgenommen an die Küste zu gehen und dort das Nachtleben auszuleben. Herden von Italienischen Männern mit rot, gelb, blauen Turnschuhen, nicht weniger bunten Hosen, braun gebrannt, eingeölt ,Gold gekettet, modische Brillen auf Halbglatze oder grauem Haar tragend, begleitet von „über“ modischen „Sophia Lorenettes“, mit nicht minder braunen, gut im Fitness Studio modellierten, auf hochhackigen goldigen Sandalen, tänzelnden Waden, kamen uns entgegen wie ein Strom Lachse auf dem Weg zu den Laichgründen.

Augen zu und durch, wie der Deutsche sagt und wir standen tatsächlich, umflutet von Menschenmassen vor einem etwa 7 Stockwerke hohen, ocker farbigen Mehrfamilienhaus mit winziger Türe, wo mir nun ein hektischer Italiener ,ins Gesicht schrie. „Pronto, pronto“ sagte er, griff einen unserer Koffer und wies mich an, den anderen zu stemmen. Wir rannten ins oberste Stockwerk. Schweiß breitete sich auf meiner Stirn aus. Koffer und Kamerarucksack schleppend schafften wir es in eine winzige Lobby im 6ten Stock, wo uns eine weitere Sophia Loren in voller Blüte einchecken konnte. „Mr. Pronto Pronto“ wies mich an, mit ihm zum Auto zu sprinten, bevor er vom italienischen Lachschwarm ergriffen und mitgeschleppt wurde.

Es dauerte 2 Tage bis wir uns von der Strapaze mental und physisch erholt hatten. „Dio grazie” wir waren in Italien und sowohl der Espresso als auch die Cappuccinos waren so gut dass wir uns schnell wieder fassen konnten. Der Ort hatte tatsächlich so einen italienischen Charme oder zumindest von dem, was man bei uns im Norden als solchen empfindet. Es war alles etwas eng, etwa voll, viel Stein und Mauerwerk, aber so ist eben in Europa. Ich tat wie wenn ich einen Grund hätte hier zu sein und fotografierte am frühen Morgen und am Abend halbherzig die Strandlandschaften. Einmal funktionierte das ganz gut und es gab eine richtig kitschige Stadtlandschaft, deren übersteigerte Wirklichkeit und kitschigen Rottöne sicher gut auf Instagram ankamen.

Dann waren wir in Positano der Traumkulisse schlechthin. Eine in die Steilküste eingebettete Traumstadt, deren Antlitz die Bildredakteure auf der ganzen Welt verblendet. Unser „vertigo esques“ Hotel, hoch oben im Hang, wurde von einem Russen betreut, der uns die Koffer gleich selber in unser Zimmer schleppte, was mein üblichen Vorurteile gegen die Gattung Russischer Mann schmelzen ließ. Der Blick vom Zimmer auf das Meer war schön, aber um die Stadt richtig zu genießen, musste man sich andere Standorte suchen. Man braucht eben einen Blick auf Positano, nicht von Positano hinaus.

Den Morgen verbrachten wir im Hotel, wo uns der Russe guten Kaffee und Cornettos servierte. Mittlerweile war er bei mir hoch geschätzt, was mich fast etwas verunsicherte.

Dann machten wir uns daran, die 2 Millionen Stufen in Richtung Meer anzugehen. Ganz weit unter uns sah ich ein paar Punkte, die sich bewegten und ein feiner weißer Schimmer schien der Strand zu sein. Als wir endlich ankamen im Hafen von Positano, gerade durch eine Enge Gasse bogen und die Promenade sich vor uns auftat, kam uns der größte Strom an Touristen entgegen seit meinem ersten traumatischen Touristen Erlebnis auf Koh Pi Pi in Thailand vor einigen Jahren. Es waren keine attraktiven Italiener, keine Sophia Loren, nicht einmal Gina Lollobrigida oder Ornella Muti Lookalikes. Nein, es waren Touristen. Leute mit Mützen, wo Heinken drauf stand. Kleine Rucksäcke mit Teddybären schleppend, Birkenstocks, Sandalen tragend, deren Hässlichkeit teilweise in Italien den Ruf nach Verboten auslöst. Sie trugen zu enge T-Shirts, wo sich schlappe oder gerichtete Busen grotesk regen, fahle weiße, picklige Beine, riesige Füße. Einige schleppten kleine Hunde oder Kinder in Kleidung, welche man dem Jugendschutz Amt melden sollte. Eine Fähre und einige Touristen Boote waren gerade gleichzeitig eingetroffen und nun strömten sie alle in die nahen Restaurants welche an der Strandpromenade lagen, wo sich die Kellner aus Italien und Osteuropa bereits gegenseitig Beruhigungstabletten zuschoben.

Einige blieben wie angewurzelt stehen, machten Selfies und blockierten den Strom welcher dann links und rechts vorbei schwappte nur um anderweitig blockiert zu werden. Hinten im Meer türmten sich Wolken auf . Es gab ein Gewitter und ich sagte zu Regula „Lass uns schnell ins Restaurant gehen, bevor die Hunnen alle Tische besetzen“. Wir schafften es gerade noch einen Tisch unter dem Dach zu ergattern, wo wir nun in typischer Schweizer Schadenfreude die Leute beobachteten, die versuchten, den Wassermengen zu entkommen. Einige waren vor uns eingetroffen und hatten sich Tische gekrallt, hatten aber die Wolken nicht wahrgenommen und saßen nun unter kleinen Sonnenschirmen ganz vorne, welche nur kurzfristig den Regen abhalten. Einige versuchten es stoisch durchzustehen. Sie dachten „es kommt gleich wieder die Sonne, wir sind in Italien“ Aber das ging nicht es regnete heftiger und irgendwann mussten sie ins innere des Restaurants fliehen.

Wir aßen eine erstaunlich gute Pizza, Vegetarian und Gnocchi Pomodoro sowie frischen Blattsalat und tranken eine Flasche Prosecco. Es war fast so eine Art Italienischer Urlaub mit Unterhaltung und eine kleine Versöhnung mit Amalfi.

Christian Heeb / 2023

The Grumpy Traveler

Christian Heeb Writer/Photographer

Stories from the road without the bullshit. No, I will not tell you what my favorite bag is and my mission is not, to share the beauty of our world. I have no van, no dog and I am no digital nomad. World peace will never happen. But I hope you get some laughs and will think before you hit the road …

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Grumpy Traveler und andere Reise Geschichten

Bend to Baja 2025

Christian Heeb
November 24, 2025

Hallo Bend Community, mein Freund und ich verspüren den starken Drang, nach Oregon zu ziehen, und Bend könnte genau das Richtige für uns sein.…

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Von Schweizern und dem Leben in Oregon

Christian Heeb
August 22, 2025

Jetzt verstehe ich, was ein richtiger Schweizer ist. Es ist einer aus den Familien, die schon lange hier waren und der geblieben ist. Schweizer…

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Baja California Journey 2025

Christian Heeb
Mai 20, 2025

Ich sah sie schon von weiten, die Touristen, wie sie uns am Strand von El Teso entgegenkamen. Die Bucht, dort, wo die heißen Quellen…

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Sommer / Herbst 2024

Christian Heeb
November 25, 2024

Bend, Oregon – Mexiko Wir gingen einkaufen, denn sechs Monate Vorpension in Mexiko waren geplant. Unser Haus dort hatte die Sommerhitze überstanden und wir…

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Grosser Bär Regenwald

Christian Heeb
Oktober 18, 2024

Britisch Kolumbien, Kanada Eigentlich wollte ich keine Kamera mitnehmen und unsere 7 Tage auf dem Meer im Great Bear Rainforest von British Columbia mit…

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Top-Spots Neuseeland für Naturfotografen

Christian Heeb
September 14, 2024

Neuseeland, das Land am anderen Ende der Welt, bereist man nicht alle Tage. Für viele Menschen ist das Land ein „Once in a Lifetime“…

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Meine Reise mit Indianer Charly

Christian Heeb
November 6, 2023

Der Indianer neben mir sagte: „Für uns war die Natur heilig.“ “ Alles, die Steine, die Sträucher und der Wind sind beseelt.“ Ich versuchte…

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Eine Reise von der Kanadischen Grenze nach Key West

Christian Heeb
Oktober 31, 2023

1- Grosse Seen und Chicago Mein Kajak gleitet lautlos durch die klaren Wasser des Sees. Wenige Meter vor mir sehe ich Regula in ihrem…

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Amalfi 2019

Christian Heeb
August 23, 2023

Traumurlaub in Italien Warum wir nach Amalfi fuhren, ist mir noch immer nicht klar. Wahrscheinlich weil wir Italien nicht wirklich kannten und daher den…

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Motorcycle Rally in Sturgis

Christian Heeb
Mai 26, 2023

Sturgis, South Dakota, August 2011 Ich hatte den Auftrag, in South Dakota die Sturgis Rally zu fotografieren. Die Rally ist so etwas wie der…

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Der Brief im Mai, 2023

Christian Heeb
Mai 6, 2023

Es schneite unentwegt auf der Rancho las Hierbas in Oregon. Einige Hirsche knabberten draußen an den letzten Blättern der „Bitterbrush“-Büsche. Vögel wie Junkos und…

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Bike Riding in Baja

Christian Heeb
Mai 4, 2023

Enjoy the Baja Lifestyle I went bike riding in the desert hills. It was a glorious afternoon , with some puffy clouds, hanging low…

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Baja California Nature

Christian Heeb
April 7, 2023

Baja Plants I m sitting on my courtyard in the shade of the Elephant tree, drinking hot mate tea from Argentina. In March, the…

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Foto Reise Baja California-Blog

Christian Heeb
März 18, 2023

Schaut man sich die Landkarte von Kalifornien an, sieht man, dass sich der US-Bundesstaat in einer langen Halbinsel nach Süden ausdehnt. Von San Diego…

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Der Brief aus Oregon, Dezember 2022

Christian Heeb
Dezember 2, 2022

Juli 2022 Das Gras auf der Rancho Las Hierbas in Bend, Oregon stand so hoch wie noch nie. Von den Hirschen sah man nur…

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Der Brief aus dem neuen Zeitalter, Mai 2022

Christian Heeb
Mai 9, 2022

Die blauen Wasser des Golfes wogen vor mir wie ein von unsichtbarer Hand bewegtes Seidentuch. In der Ferne sehe ich dunkle, in der warmen…

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Der Brief aus Texas, Februar 2022

Christian Heeb
Februar 15, 2022

Der West-Texas-Highway rollt sich in verpesteter Luft vor uns aus wie eine schuppige Asphalt-Schlange.

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Der Brief aus der Schweiz, August 2021

Christian Heeb
September 1, 2021

Der Flug von San Francisco nach Zürich mit der SWISS Airline ist erstaunlich voll. Es ist ein seltsames Gefühl, nach über einem Jahr wieder…

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Top Spots an der Küste von Oregon für Landschaftsfotografen

Christian Heeb
Mai 20, 2021

Fotostandorte an der Küste von Oregon, die Sie nicht verpassen sollten Oregons Pazifikküste ist ein Traum für Landschaftsfotografen und bietet eine landschaftliche Fülle aus…

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Der Brief aus Mexiko, April 2021

Christian Heeb
April 19, 2021

Tacho hat es arg erwischt“, sagte Tony, als wir gerade vom Strand kamen und an seinem Büro im Resort vorbeiliefen. Er trug wie immer…

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Der Brief aus Mexiko, Februar 2021

Christian Heeb
Februar 15, 2021

Gestern kam Edgar vorbei, um für uns ein paar Dinge zu erledigen. Edgar ist ein Mann aus dem Dorf und sieht aus wie ein…

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Der Brief aus Mexiko, November 2020

Christian Heeb
Dezember 2, 2020

“Es ist kaum zu fassen”, sage ich zu Regula. Gerade noch war ich in Oregon und habe mich auf den Winter vorbereitet, und nun…

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Der Brief aus Oregon September, 2020

Christian Heeb
Oktober 7, 2020

Der August-Himmel brütete über dem staubtrockenen Land hier in Oregon wie ein Bügeleisen, dass noch die letzten Falten glätten wollte. Unser schönes Gras rund…

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Fotografen Paradies Oregon / USA

Christian Heeb
September 1, 2020

Hier sitzen wir wieder einmal auf unserer Terrasse und genießen einen perfekten Cappuccino den Regula akribisch gemacht hat. Es ist Frühsommer hier auf unserer…

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Der Brief aus Oregon August, 2020

Christian Heeb
August 8, 2020

„Der Zaunkönig hat uns verlassen“, sagt Regula mit betont traurigem Gesicht. Wir sitzen in unseren Liegen und trinken den Frühstücks-Cappuccino hier auf der Rancho…

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Der Brief aus Oregon Juni, 2020

Christian Heeb
Juni 25, 2020

„Es sind vier Stück“, sagt Regula strahlend, als ich verschwitzt von meiner frühmorgendlichen Mountainbike-Runde heimkehre. Jetzt, im Sommer, fahre ich meistens in der Früh…

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Ein Brief aus Oregon

Christian Heeb
Juni 3, 2020

Gerade kamen fünf junge Hirsche an meinem Haus vorbei. Die Kerle wollten wahrscheinlich die jungen Triebe an meinen vor wenigen Jahren gepflanzten Pflanzen fressen…

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Motorcycle Rally in Sturgis

Sturgis, South Dakota, August 2011

Ich hatte den Auftrag, in South Dakota die Sturgis Rally zu fotografieren. Die Rally ist so etwas wie der Hajj und Sturgis das Mekka der Motorrad Community.

South Dakota und seine Landschaften waren mir schon lange bekannt und ich habe dort über die Jahre viel fotografiert, war auch im Jahre 1988 schon einmal in Sturgis gewesen. Damals, noch mit einer Nikon F3 und Kodachrome Filmen bewaffnet, fand ich das alles faszinierend, denn ich fand alles in den USA spannend.

Nun war ich zurück als abgebrühter alter Fuchs, so nannte mich zumindest die berüchtigte Bildchefin des heute eingestellten Reisemagazins Abenteuer und Reisen.

Mit der „Biker Community“ war ich bestens vertraut, denn ich hatte über die Jahre mehrere Bücher über Motorradfahren in den USA und über die Route 66 fotografiert.

Für mich waren Harley Fahrer Menschen, die sich am Wochenende in Leder und schwarze T- Shirts hüllten, um dann aus ihrer Vorstadt Garage zu fahren. Sie bogen beim lokalen Starbucks links ab und fuhren nach dem McDonalds auf die Landstraße, wo sie Freiheit und Abenteuer suchten. Nachdem sie sich einige Zeit dem Wind aussetzt hatten, hielten sie an einem Saloon oder einer Bar an und watschelten hinein, aßen einen Hamburger, tranken ein paar Bud Light Biere und wankten dann zurück, um wieder nach Hause zu fahren, wo schon mehr Bier und der Sportsender auf sie wartete.

Maureen von der Tourismus Behörde erwartete mich in Sturgis. Das kleine Nest war kaum wiederzuerkennen. Überall gab es Buden, wo man alles kaufen konnte, was man als Biker so braucht. Unmengen an schwarzen T-Shirts mit Motorrad Logos drauf. Alle nur erdenklichen Teile für das Motorrad, Lederklamotten und allerhand Kitsch. Es gab Fuchsschwänze, Ledermützen und patriotische Bikinis für das weibliche Opfer auf dem Hintersitz.

Der Lärm der Motorräder war ohrenbetäubend und es war fast unmöglich, ein Wort zu wechseln. Es war noch ein weiterer Tourismus Beamter , dessen Namen ich vergessen habe. Sie beide hatten glühende Gesichter vor Freude am Event und fuhren selbst Harleys, wie sie mir freudig berichteten. Es schien, die ganze Welt, zumindest ganz South Dakota, konnte es kaum fassen, dass nun schon wieder die Rally war. Wahrscheinlich machte der Staat in den Wochen mehr Geld als über das ganze Jahr hindurch, dachte ich. Eine Studie der Texas A&M Universität behauptete, dass die Rally ungefähr $784.1 Million Dollar dem Staat einbrachte.

Die Hauptstrasse bestand nur aus Motorrädern, die im Schritttempo hin und her fuhren. Alle Leute sahen gleich aus. Ich wollte es visualisieren und fand das in Worte setzen schwierig. Es sah aus wie wenn 90 Prozent der Fahrer Männer waren. Viele hatten Frauen auf dem Sitz hinter ihnen. Die meisten trugen Leder, schwarze T-Shirts und manche Jeans. Wenige Frauen fuhren ein Motorrad, hatten aber nie jemanden hinten drauf. Ein blonder Kerl hatte eine Zigarre im Mund, ein anderer trug einen Pork Belly Hut. Eine der weiblichen Gallionsfiguren trug ein Bikini und hatte sich hinten ein Herz auf das Gesäß tätowiert. Die Frauen auf den Rücksitzen hatten eine Tendenz zum Exhibitionisms.

Ich machte schnell ein paar Bilder, die alles zeigten, denn Abwechslung gab es nicht, ich war in einer konformen Szene von Mitläufern gelandet.

Nun folgten wir den dröhnenden Motorräder zum Buffalo Chip Campground, wo ich netterweise gratis Zutritt erhalten hatte. Ich durfte mich frei bewegen und fotografieren. Im Camp gibt es mehrere Bars, inklusive Stripperinnen und Blondinen in Bikinis die Drinks mischten und Bier servierten. Es gab eine große Bühne, wo heute die zwei Headliners Lynyrd Skynyrd und Greg Allman spielen sollten. Im Grunde war das ganze Areal wie ein großer Rummel mit Buden und kleinen Events für raue Harley Kerle. Das Publikum war hoffnungslos überaltert. Die jungen Mädchen, die halbnackt herumliefen, schienen fast etwas überflüssig, denn die Alten nahmen sie nicht einmal wahr.

Ich schaute kurz den Roller Derby Frauen zu, wie sie sich auf Rollschuhen abquälten, verlor aber bald das Interesse, denn es gab nun eine Art Schönheitswettbewerb, wo sich mehrere junge Frauen, „chicks“ genannt, halbnackt äussern mussten, warum es ihnen hier gefällt. Es war eine grandiose Ansammlung von Bardamen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, sich von alten chauvinistischen Schweinebacken anmachen zu lassen. Sie schienen Spaß zu haben. „It’s all good natured fun“, wurde mir versichert.“ I just love the smell of gasoline” sagte eine kupferbraune Latina Sex Göttin. Eine spindeldürre, langbeinige Vixen log, es sei alles so exiting, “so many good looking guys”.

Ich war froh, als der Sprecher ankündigte, dass Lynyrd Skynyrd, leider wegen Krankheit, absagen mussten. „Das, was also, was nach dem grossen Flugzeugabsturz von 1977 von der Besetzung der Band übrig geblieben war, ist nun krank“, dachte ich.

Die Band hatte sich nie mehr erholt davon, dass ihr charismatischer Songwriter und Sänger Ronnie Van Zant gestorben war. Die verschiedenen Neufassungen kopierten sich in immer neuen Konstellationen selbst, blieben aber immer nur schaler Abklatsch dessen, was die Band groß gemacht hatte. Es gab krachende Gitarren und rauen Gesang voller konservativer Country Lyrik. Sie waren gut ausstaffiert mit Leder, wallenden blonden Haaren und vielen Kreuzen, montiert auf Lederjacken, Halsketten und Ohrschmuck. Aber das ganze Blendwerk half nichts, es gab keinen Ronnie mehr und der Süden war nicht mehr cool. Es mutet mich immer seltsam an, wenn sich alles immer im Kreise dreht und plötzlich konservative, rechte Rocker, langes Haar tragen, so wie früher die verpönten Hippies. Nun waren die Rechten langhaarig und die Linken kurzhaarig.

Ich war froh, dem Südstaaten Rock-Abklatsch zu entgehen und freue mich auf Greg Allman. Ich war immer ein Fan der Allman Brothers Band gewesen , deren Musik mich auch auf vielen meiner frühen USA Reisen begleitet hatte.

Langsam kamen die Leute zum Konzert. Die Harleys reihten sich vor der Bühne auf, aber es wurde nicht voll. Es stank nach Abgasen und Bratfett und versengter Haut. Die Vorgruppe dröhnte vor sich hin. Ein langhaariger Gitarrist und Sänger schrie ins Mikrofon und erinnerte mich an Bryan Adams, welcher vor vielen Jahren gerne die Liveshows von Tina Turner versaute.

Der Applaus kam von den im Leerlauf durchstarteten Motorrädern. Die alten ,dickbauchigen, schwarz T-shirtigen, weiss bärtigen Männer saßen wie angegossen auf Ihren riesigen Harleys. Ich dachte, wenn man die Bikes mit Rollstühlen austauschen würde, wäre es eher altersgemäß.

Dann, als ich noch mit einer Mischung von Anwidern und Faszination auf einen nackten dürrpflaumenartigen Hintern starrte , welcher aus den Lederchaps einer Rockerbraut stach, kam Greg Allman auf die Bühne. Er trottete rein, setzte sich ans Piano und da saß er nun, ein geschrumpftes, gebogenes Männlein. Seine Stimmer war erstaunlich kräftig und die Musik gefiel mir. Während des ganzen Konzertes sagte er kein Wort, bewegte sich kaum und sang einen Song nach dem anderen. Wäre da nicht die Musik gewesen, hätte ich gedacht, er sei tot.

Die Harleys brummten, die Stripperinnen standen hinten und langweilten sich. Die Lederfrauen machten sich schon Sorgen, wie sie ihre alten Männer heute vom Bike ins Bett bringen sollen und dann hatte ich genug.

Hinten an der Straße fuhren noch immer Harleys hin und her und die vielen überall stehenden amerikanischen Flaggen wehten im Wind. Im Hintergrund sah ich Bear Butte im fahlen Abendlicht stehen. Der heilige Visionsberg der Lakota und der Cheyenne ragte über dem letzten Aufbäumen unserer Petroleum Kultur. Ich hatte meine Bilder und durfte gehen. „Gott Sei Dank“, dachte ich und fuhr meinen Camper in die Black Hills hinein, wo ich an einer stillen Stelle parkierte und mein Nachtlager aufschlug. „Hier haben schon Sitting Bull und seine Leute campiert. Hier lagerten früher die Crow Indianer und die Kiowas, bevor sie vor den Lakota vertrieben wurden und nun campiere ich hier“, dachte ich. Ab und zu hörte ich den Aufschrei eines weit entfernten Motorrads in der Nacht. Ich bildete mir ein, es waren Kojoten und schlief ein.

Christian Heeb/ 2023

The Grumpy Traveler

Christian Heeb Writer/Photographer

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Photo Art

Originally trained as an architect, Christian Heeb is known for his stunning travel photography and his creative art photography. The image of America aka the USA is his main focus of his artistic photography. From the dramatic colors of the “American Dreamscapes” to the “joker-esque” “Uncle Sam” series and the fading American dream in his “Pax Americana” images.

American Dreamscapes

Photo Tours & Workshops

Bend based photographers Regula and Christian Heeb have been leading photo tours and workshop around the world since 1998. Originally from Switzerland they live in Bend, Oregon and El Sargento, Mexico and maintain a mountain chalet in the Swiss alps.

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Travel Photography

Christian has been a professional travel photographer for thirty years with more than 200 photo books, countless calendars to his credit. His images are distributed and sold worldwide.

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