
Hallo Bend Community, mein Freund und ich verspüren den starken Drang, nach Oregon zu ziehen, und Bend könnte genau das Richtige für uns sein. Wir sind beide 36 Jahre alt, lebensfroh und unkompliziert. Wir lieben die Natur, Wandern, Ecstatic Dance in heißen Quellen, Körperübungen, Yoga, Klettern und das Leben in all seinen Facetten. Wir suchen ein geräumiges Haus. Am liebsten würden wir alleine wohnen, sind aber auch offen für Mitbewohner, wenn die Atmosphäre passt. Wir reisen beide nomadisch mit unserem Van und sind manchmal monatelang unterwegs. Deshalb suchen wir eine Unterkunft, in der wir unseren Wohnraum untervermieten könnten, wenn wir nicht da sind. Falls jemand Tipps oder Angebote im Bereich von 1.500 bis 1.800 Dollar hat, meldet euch bitte!


Ich sass im Wohnzimmer der Rancho las Hierbas in Bend, Oregon und las Regula diesen Eintrag auf der lokalen Facebook Seite vor. Wir waren nach zwei Monaten ununterbrochenen Reisens wieder Zuhause. Unsere letzten Fotoreisen – Crossing America und Neuengland- hatten wir erfolgreich durchgeführt und nun waren wir offiziell in Pension.
„Warte ich übersetze es für dich“ sagte ich, nachdem von Ihr nur ein schnauben zu hören war.
Hallo Bend Community,
Wir sind zwei wunderschöne Schmarotzer die nach Bend ziehen. Wir suchen eine grosse günstige Wohnung welche wir für viel Geld untervermieten können. Wir sind offen für neues und wissen dass ihr auf Leute wie uns gewartet habt.
Sie suchten auch Kirchen, als ob man in Bend nicht nur loslaufen müsste, um schon vor einer zu stehen und das bevor man nur hundert Meter gelaufen war.
Facebook Bend, Oregon:
Hallo Bend! Ich suche eine gute, überkonfessionelle christliche Gemeinde in der Nähe von Bend im Nordosten der Stadt. Eine, in der man sich wohlfühlt und die Gemeinschaft genießt. Gute Musik, ein schöner Gottesdienst und nette Leute.
Es war ja schon zu verstehen, dass sie Kirchen suchten, mit netten Leuten, denn die mit schlechten Leuten, von denen man in Kirchen besonders viele fand, wollte niemand. Schlechte Leute waren so uncool.
Regula sagte: „Lass uns gehen“, und so fuhren wir in Richtung Mexiko zu unserer Winterresidenz, wo wir nun sechs Monate wohnen würden. Es war seltsam, denn wir hatten nichts zu tun. Meine Bilder von den Reisen hatte ich bearbeitet und abgegeben. Es gab keine weiteren Reisen zu planen, keine Bilder zu schießen, keine Texte zu schreiben, nichts, nur die lange Pension. Dafür hatte man ja gearbeitet, hatte brav in der AHV und Social Security Kasse in den USA einbezahlt, hatte Geld angelegt, Häuser gebaut und alles, nur damit man dann, wenn man alt war, nicht wusste, was man mit dem ganzen Geld machen sollte. So ging es unseren Freunden in den USA, welche alle älter waren, und dauernd sagten, sie hätten zu viel Geld, dann aber doch die Restaurant Rechnung unter sechs Personen aufteilten. So ein bisschen wie unsere Kunden, die das Trinkgeld im Restaurant mit dem Taschenrechner kalkulierten. Wir hatten nicht zu viel Geld, aber genug, wie wir dachten. Reisen wollten wir nicht, denn nach vierzig Jahren professioneller Reisefotografie gab es nichts mehr, was wir sehen wollten.

Wir fuhren durch La Pine, den Ort südlich von Bend, wo einige verblasste Maga-Flaggen halbherzig im Wind flackerten. Sie hatten ja nun ihren Präsidenten, der munter die Armen ärmer machte und die Superreichen reicher. Eigentlich sollten sie zufrieden sein, dachte ich, als wir an dem alten Motel vorbeifuhren, wo ich das American-Dreamscapes-Bild „Bunny Slippers“ fotografiert hatte. Es war gerade dabei, abgerissen zu werden. Nur einige Lattenwände widerstanden den Bulldozern, würden aber auch bald zermalmt werden. Amerika zerstörte seine Geschichte.
Das Land war nicht gut mit Geschichte, weigerte sich, daraus zu lernen, glorifizierte Teile davon, ignorierte die Gegenwart und konzentrierte sich auf die nicht vorhersagbare Zukunft, welche ganz, ganz toll werden sollte.
Das war verständlich, denn es war ja eine christliche Nation, wo es passte, dass die Offenbarung, das Paradies, in der Zukunft lag. War es das nicht auch, was die Tech-Milliardäre uns dauernd versprachen? Alles wird gut, der Algorithmus wird es richten. Das Paradies liegt gleich um die Ecke. Solange man den nächsten Upload macht, wird alles gut und Jesus kommt auch die Tage.
Regula fährt. Lodgepole Pine und mehr Lodgepole Pine, schwacher Verkehr, seit wir von der Greater Los Bendelies Region weg sind. Klamath Falls ein brauner Fleck, dann mehr Sagebrush, Mount Shasta fahl am Horizont, Lakeview ein kurzer schmudeliger Ort im Beifahrer Fenster.
Der Sagebrush fließt vorbei und wir sind in Kalifornien und, bevor man es wahrnimmt, in Nevada. Reno, eine Fata Morgana aus Verkehr und leuchtenden Casinos, und schon fahren wir durch die Hauptstadt von Nevada. Carson City, eine Ausbreitung von Fast Food, Starbucks, Autozone, Carl Jr., Starbucks und so weiter. Wir tanken bei Costco, herrlich, es braucht keine Interaktion mit Menschen. Alles geht per Handy. Die Zombies, welche neben uns auftanken, haben ihre Augen auf ihren Monitoren geklebt. Schnell tanken wir, denn nach Topaz Lake kostet alles mindestens einen Dollar mehr. Kalifornien ist teurer.
„Warum haben die überall die Flagge auf Halbmast gesetzt?“, fragt Regula.“ „Keine Ahnung“, sage ich. Wahrscheinlich gab es irgendwo ein Schulmassaker, oder sie haben gedacht: Bei Trump an der Macht lassen wir sie gleich auf Halbmast.
Google sagt, es sei, weil der Kriegsverbrecher Dick Cheney endlich gestorben war.
Leider etwa 20 Jahre zu spät, aber immerhin war es gut zu wissen, dass auch Verbrecher nicht ewig leben. Bedauerlicherweise gab es so viele von ihnen.
Ein paar verlotterte Nester und ein Hotelzimmer in Bridgeport mit Neon-Schild. Klein, renoviert, sauber, ein Motel wie einst im Mai 1986, als wir das Land zum ersten Mal bereisten. Im Westen die schneebedeckte Sierra Nevada. Sterne am Himmel und Eiseskälte.
Um 6 Uhr, es ist noch dunkel, geht es weiter, vorbei am Mono Lake, Lee Vining, Mammoth, Bishop, wo einst Galen Rowell eine Galerie hatte, vorbei an Lone, Pine, wo Ansel Adams sein unsterbliches Bild Winter Sunrise fotografiert hatte, vorbei an den von Vans verseuchten Alabama Hills, wo sich Influencer-Mädchen mit Zipfelmützen wie Staffelläufer die Hände reichen, und dann die Wüste Mojave, und plötzlich, noch in Kalifornien, sind wir in Mexiko. Das heißt, wir sind im Imperial Valley und es sieht bereits wie in Mexiko aus. Der Sprawl der Palm Desert ging über in eine Art Agrarwüste, wo der Name Calexico sagt, was Sache ist: California-Mexico.
Mexiko und die USA sind sich so ähnlich und doch so verschieden. Zwei Machokulturen, die hart aufeinanderprallen. Die eine braucht das Geld, die andere die Arbeiter. Die Verschmutzung der Landschaft nimmt zu mit der Menge von Latinos. Ob es nur Erziehung ist oder eine kulturelle Entwicklung, weiß ich nicht.
Das Hampton Inn steht wie eine Trutzburg im Niemandsland. Eine Unmenge an Zigarettenkippen rund um die parkierten Motorräder. Raucher glauben, die Plastikfilter ihrer Sucht seien organisch.
Wir schlafen in unserem klimatisierten Zimmer wie in einer Raumkapsel im All.
Am Morgen laufe ich hinaus mit Stativ und Kamera, fotografiere eine alte Matratze, einen Haufen Müll und eine Art Box mit Bibel darauf. Die Bibel ist in spanischer Sprache, El Libro Sagrado. Das heilige Buch. Ein dunkler Kopf schaut mich aus einem Knäuel schmuddeliger Decken an und verschwindet gleich wieder. Ein Migrant, er lebt im Müll, wenige Meter neben einem Motel, das 120 Dollar die Nacht kostet.
Im Frühstücksraum sitzen die von Kopf bis Fuß tätowierten Motorradfahrer. Einer inhaliert gerade sein Frühstück. Pulvereier und Speck samt Mehlsauce. Das Essen sieht dermaßen ungenießbar aus, dass ich mich mit Kaffee begnüge. Allerdings geht das nur dank Nescafé. Der Mülleimer birst fast vor lauter Wegwerfbesteck, Pappteller und Essresten.


Über die Grenze geht es ohne Probleme und wir sind in Mexiko, wo es aussieht wie in Calexico, aber nach Abwasser stinkt. Mexicali liegt unter einer Schädeldecke aus verpesteter Luft. Mehrere Kraftwerke schmauchen, etwas brennt am Stadtrand. Danach wird der Himmel blau. Wüste ohne Ende bis zum Ort Guerrero Negro, schwarzer Krieger, in der Mitte der Halbinsel.
Der Ort existiert nur wegen der grossen Salzmine und liegt in einer flachen fast vegetationslosen Wüste.
Wir halten im kleinen Restaurant Ostrica. Drinnen ist es laut. Mexikaner lieben es laut. Dröhnender Bass und unerkennbare Musik. An den Holztischen sitzen mexikanische Familien. Alle starrten auf ihre Handys. An den Wänden flimmern gigantische Bildschirme, wo gerade Boxkämpfe stattfinden. Mexikanische Frauen schlagen sich dort die Fäuste ins Gesicht.
Es flimmert die nackte Gewalt über den Zombies und Heerscharen von Kellnern wuseln an der Bar herum. Ich bestelle dunkles Bier und Fish Tacos. Lediglich ein kleines Mädchen sitzt am Tisch und schaut in die Kneipe. Die Eltern sind an ihren Handys erstarrt. Nun boxen Männer. Ein blonder, tätowierter Kämpfer, welcher ausschaut wie eine blonde, chinesische Kopie von Ricky Martin und ein Mexikaner mit flacher Nase stehen sich gegenüber. Die Tacos sind toll, billig, der Fisch frisch und das Negra Modelo-Bier kalt. Es passt und es ist gut zu wissen, dass auch Mexiko zu Amerika wurde. Später in Loreto fahren sie alle mit Handy im Gesicht, inklusive die Polizei. Die Touristen sind entweder besoffen oder am Handy, und man hat die Stadt für sich alleine. Alles fühlt sich an wie in einem Utopischen Film.



Danach ist es eine kurze Fahrt durch die Wüste, ein Verkehrsknäuel in La Paz, und schon sind wir zu Hause auf der Rancho Sur, wo das Meer dunkelblau flimmert und es noch dreißig Grad Lufttemperatur hat. Es ist noch sommerlich warm und die Gefahr von Denguefieber ist allgegenwärtig. Noch ist nichts zu spüren von Winter. Alles sieht aus wie immer und noch sind die Gringo-Schneegänse wie wir erst zaghaft am Eintrudeln. Richtig voll wird es dann nach Weihnachten, denn viele wollen noch in USA Thanksgiving feiern und den Enkeln Haufen von Geschenken machen. Wir genießen es, den Strand für uns zu haben. Wir sind ja pensioniert, sagen wir, und können tun und lassen, was wir wollen.


©Christian Heeb, 2025



































































































