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Christian Heeb

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Reise Blog

Top Spots an der Küste von Oregon für Landschaftsfotografen

Fotostandorte an der Küste von Oregon, die Sie nicht verpassen sollten

Oregons Pazifikküste ist ein Traum für Landschaftsfotografen und bietet eine landschaftliche Fülle aus der man nur schwer auswählen kann. Christian Heeb listet einige seiner Lieblingsfotostandorte von Nord nach Süd auf.

1. Cannon Beach

Wenn man aus Portland anreist, sollte man der historischen Stadt Astoria einen kurzen Besuch abstatten, bevor es zum Strand von Cannon Beach geht. Das Fotografieren des Sonnenuntergangs am Strand von Cannon Beach mit dem monolithischen Haystack Rock, welcher sich aus den Wattflächen erhebt, ist eine großartige Möglichkeit, um die Küstenreise nach Oregon zu beginnen. Nördlich der Stadt befindet sich der Ecola State Park, von dem man einen fantastischen Blick nach Süden auf die zerklüftete Küste hat. Es ist ein lohnender Ort auch für den Sonnenaufgang.

2. Kap Kiwanda

Ein weiterer großartiger Ort ist Cape Kiwanda in Pacific City. Hier findet man atemberaubende Klippen, Felsen und dramatische Wellen bei Stürmen vor.

O

3. Yaquina Head Lighthouse in der Nähe von Newport

Auf der Suche nach einem Szenenwechsel? Yaquina Head Light befindet sich auf einer Klippe und ist früh oder spät am Tag leicht zu fotografieren. Der Leuchtturm erinnert an ein Gemälde von Edward Hopper und vermittelt ein ausgeprägtes New England-Feeling.

4. Thor’s Well

Der berüchtigte Thor-Brunnen in der Nähe von Yachats ist nur ein kurz Spaziergang vom Highway 101 entfernt. Die beste Besuchszeit ist zwischen Ebbe und Flut. Sie müssen sehr auf die Brandung achten, da man den Wellen ausgesetzt ist. Es ist einer dieser Orte, an denen jeder und seine Katze bei Sonnenuntergang fotografieren möchten, und Instagram ist voller Bilder. Ich fand es interessant bei Mondschein, mit Sternen und auch tagsüber. Bitte seid vorsichtig und lässt kleine Kinder am Ufer zurück.

5. Heceta Head Leuchtturm

Ein neuer Tag, ein neuer Leuchtturm. Dies wäre die bekannteste Station an der Küste von Oregon und ihr solltet sie nicht verpassen. Es kann so ziemlich unter allen Wetterbedingungen, außer tiefem Nebel, fotografiert werden. Aus irgendeinem Grund war ich immer an sonnigen Tagen dort, aber ein dramatischer Himmel wäre schöner gewesen.

6. Oregon Dunes

Die Dünen südlich von Florence sind nicht leicht zu fotografieren. Ein großer Teil des Gebiets wird von Offroad-Enthusiasten genutzt und sie neigen dazu, über jede ungestörte Sanddüne zu fahren. Mein Lieblingsort ist direkt nach dem Fluss südlich von Florence. Man bleibt am besten oben an den Dünen weit vom Strand entfernt und geht nach Norden. Es gibt dort keine ATVs. Schließlich hat man einen Blick auf den Umpqua Fluss. Dort gibt es gute Dünen und mehrere begrabene, fotogene Bäume.

7. Shore Acres State Park und Cape Arago

Die Küste südwestlich von Charleston bietet alles. Ein malerischer Leuchtturm, dramatische Klippen, krachende Wellen und immergrüne, vom Wind verkümmerte Bäume. Geht entlang der Klippen im Shore Acres State Park, wo man lange Platten aus erodiertem Sandstein und weite Ausblicke vorfindet. Man kann sogar Bilder von schönen Klippen und dem nahe gelegenen Leuchtturm erhaschen.

8. Bandon

Bandon liegt an der Südküste, und ist dort das was Cannon Beach an der Nordküste ist. Die Sea Stacks hier bieten so viele Möglichkeiten für großartige Fotos, dass du vielleicht etwas länger bleiben möchtest. Abends kann man die Lichtverschmutzung der Stadt nutzen, um die Felsen zu fotografieren. Während der Sommermonate steigt die Milchstraße in Richtung Süden genau richtig hoch, um sie mit den vielen Sees Stacks zu kombinieren.

9. Cap Sebastian

Eine asphaltierte Straße führt zu dieser atemberaubenden Aussichtspunkt hoch über der Küste. Nimm den rechten Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang und den linken für einen kurzen Weg zu einem anderen Aussichtspunkt. Dort schau nach Norden und finde eine perfekte vertikale Ansicht der Küstenlinie. Es ist sogar noch besser, wenn niedriger Nebel hereinrollt. Geh nicht weiter als 50 Meter oder so. Der Weg schlängelt sich zu einem abgelegenen felsigen Strand, bietet aber nur wenige Ausblicke, hauptsächlich durch die Bäume.

10. Samuel Boardman State Scenic Corridor

Mein Favorit und dank Instagram leider nun der ganzen Welt. Man kann die Milchstraße von der Aussichtsplattform bei Natural Bridges aus fotografieren, zum Secret Beach wandern oder zu den Indian Sands hinunterklettern. Blicke von Indian Sands nach Norden und du siehst eine fantastische Küstenlandschaft. Für die besten Aussichten muss man hier meistens ein Stück weit zu Fuß gehen. In dieser Ecke kann ein Fotograf mehrere Tage verbringen.

© Christian Heeb 2021. Foto Reisen und Foto Workshops

Der Brief aus Mexiko, April 2021

Tacho hat es arg erwischt“, sagte Tony, als wir gerade vom Strand kamen und an seinem Büro im Resort vorbeiliefen. Er trug wie immer eine Maske über Mund und Nase wegen der Pandemie, und seine großen Augen darüber sahen besorgt aus. Tacho, unser Baumeister, hat uns schon seit Wochen gemieden. Dabei wollten wir, dass er unsere Terrasse erweitert und eine kleine Mauer darum baut. Aber er zierte sich.

Zuerst schob er die Arbeit im Resort vor. Dann hatte er Geburtstag, ich glaube es war sein Fünfzigster. Die Party im Dorf soll laut gewesen sein. Tony, der gleich nebenan wohnt, stöhnte über die Musik, die bis zum Morgengrauen lärmte, und berichtete murmelnd von sehr vielen leeren Bierflaschen auf der Straße am Tag danach. Nach seinem Fünfzigsten lag Tacho mit „dolor de cabeza“, einem Hangover, einige Tage lang flach. Ich plante schon eine Falle, denn ich dachte, er würde das Haus meines Nachbarn inspizieren, an dem seine Arbeiter werkelten. Aber er kam nicht. Ich dachte, er ist zwar klein gebaut, aber so klein doch auch wieder nicht, dass ich ihn hätte übersehen können. Schließlich fragte ich abermals Tony, und der sagte nur: „Tacho ist seine Familie in Oaxaca auf dem Festland besuchen gegangen. Er ist weg für zwei Wochen.“ Ich sagte nichts. Aus den zwei Wochen wurden drei, dann ein Monat.

Tacho. Mexican Builder, La Ventana, Mexico

Ich fragte Tony, ob ich vielleicht besser Edgar fragen soll, denn der baute mittlerweile auch Häuser. Irgendwie kam mir hier alles vor wie in dem Asterix-Band „Obelix GmbH & Co. KG“. Unsere freundlichen Dorfbewohner wurden plötzlich alle zu Unternehmern und der Handel blühte.

„Nein, nein“, textete mir Tony, “ Tacho ist zurück aus Oaxaca.” Ich war wieder guter Dinge. Dann habe ich von Mr. Bill erfahren, dass Tacho gerade bei ihm im Resort Fliesen legte. Tony sagte, er brauche ein paar Tage um sich wieder einzuleben und den Boden fertig zu machen. „Am Mittwoch kommt er zu dir“, versprach er. Mittwoch textete Tony: „Tacho ist krank, hat Dünnpfiff.” Ich schrieb zurück „Ich wusste gar nicht, dass Montezumas Rache auch Eingeborene erwischt. Und außerdem: too much detail…“

Es war mir bewusst, dass es ja im Grunde nicht eilte. Tacho kommt, wenn er kommt. Es war jeden Tag so um die 24 Grad, die Sonne schien, und die Vögel zwitscherten im Garten. Oben in Gringolandia herrschte komplettes Chaos. In Portland, Oregon fällte ein Wintersturm 500 Bäume in, legte Strommasten flach und vereiste die Straßen. 200 000 Leute waren ohne Strom und Heizung. Auf unseren Solarpanelen an unserem eigentlichen Haus in Bend, Oregon, lag kurz etwas Schnee, aber bereits nach zwei Tagen rutschte der bei Sonnenschein wieder ab. Die Heizung im Hause lief ordnungsgemäß, wie Regula online sehen konnte. Bend liegt hinter den Bergen und wird daher von den schweren Stürmen verschont. Ganz anders sah es in Texas aus. Die globale Erwärmung führt zu sogenannten Schleifen des Jet Streams, und arktische Luft floss nun bis an den Golf von Mexiko. In Texas brach das gesamte Elektrizitätsnetz zusammen. Jahrzehntelange Misswirtschaft der Markt-orientierten Republikaner hatte Profit vor Sicherheit gestellt, und nun starben Leute.

Ich hatte ein schlechtes Gewissen, als mit dem Mountain-Bike ins Dorf zum Einkaufen fuhr. In Texas erfroren sie, hier kaufe ich Fisch. Meistens gehe ich eigentlich am Nachmittag einkaufen. Oscarito, der Laden bei uns, hat neuerdings jedoch ab 15 Uhr wegen Covid geschlossen, also fuhr ich am Morgen schon hin. Ich sauste in 5 Minuten zum Fischladen von Claudia und Poncho. Anscheinend ist Claudia nur morgens im Laden und Poncho, ihr Mann nachmittags, denn ich hatte sie lange nicht mehr gesehen, sondern immer ihn angetroffen. Er ist der große Geschäftsmann, ein bisschen wie der Fischhändler Verleihnix. Er kauft nun neu beim Großhändler in Cabo all die Dinge ein, ohne die wir Gringos nicht leben können und verhökert sie an uns mit Aufpreis. Übrigens hat es hier auch einen Schmid wie Automatix gegeben, aber die Schmiede wurde beim letzten Wirbelsturm zerstört und nun steht dort nur noch ein eingebrochenes Metalldach und ein Graffiti für die kommunistische Partei. Vor 15 Jahren, als der Fischladen nur eine kleine Bude war, fotografierte ich Claudia für eines meiner Mexiko-Bücher. Ein Freund von uns war dabei und bemerkte danach in der Runde, dass die Claudia doch ganz hübsch sei, was dazu führte, dass alle Männer, die uns besuchen mich immer fragen ob wir nicht Fische kaufen gehen wollen.

Ich kaufte also einige tolle Filets und überteuerten Joghurt (zuckerkfrei), und fuhr weiter zu Oscarito. Zwei Mexikaner-Hunde wollten mir ins Rad beißen, waren aber dann doch zu faul um zu rennen. Sie sandten mir noch ein gutmütiges Wuff nach bevor sie sich wieder mitten auf die Straße in den Staub legten. Bei Oscarito stand der untersetzte Verkäufer und maß meine Temperatur (wegen Corona). Ich packte mehrere Bananen, eine Papaya und frische Bohnen in der Tüte und ging zur Kasse, wo die junge Mariely wie immer über ihr Telefon gebeugt war und textete. Sie ist sehr hübsch, hat eine kugelrundes, mexikanisches Gesicht und eine Vorliebe für falsche Wimpern. Sie posierte in zwei meiner Mexican Dreamscapes und seither kriege ich immer ein freundliches Lächeln und ein „Hola Christian“. Die restlichen Gringos kriegen, wie ich früher, nur ein gelangweiltes Gesicht zu sehen und eventuell ein sprödes „Gracias“ zu hören.

Als Regula die vielen Fischfilets sah sagte sie „aha, Claudia war im Laden”, denn sie vermutet immer, dass diese mich dazu verführt, mehr zu kaufen als wir brauchen. Ich bejahte und sagte, „Mariely war auch da“. Regula sagte nur trocken, „naja, das war dann wohl ein Gewinn für alle.“

Nun sind wir bereits 5 Monate in Mexiko und es fühlt sich an wie eine Art Frühpensionierung. Das Einzige, was nicht passt, ist, dass noch keine Rente reinkommt und wir statt Einkommen wegen der Pandemie Gelder an Kunden zurückzahlen. Es fühlt sich an wie eine Übung, so eine Art Pension auf Probe. Ich glaube, ich versteh jetzt, warum sich einige damit schwertun und andere nie Zeit haben sobald sie von der Tretmühle weg sind.

Ein Tag in Mexiko geht schnell vorbei. Er beginnt mit dem Blick auf den Sonnenaufgang vom Bett aus auf die Sea of Cortez, Hierba Matte Tee auf der Terrasse, gefolgt von Kajakfahren, baden in den heißen Quellen oder Strandwanderungen. Schon ist Cappucino-Zeit und Frühstück und bevor man sich versieht, ist es lunch time, Mountain-Bike, eventuell etwas Büroarbeit und Happy Hour mit Blick auf die Bay. Abendessen, lesen und ein Film. Nicht eingerechnet sind etwa einkaufen, putzen, waschen, Partys. Was die meisten Rentner zuerst fertigmacht ist der Gedanke, dass sie nicht gebraucht werden. Fotografen sind da nicht anders. Es ist doch ein Frust, wenn man ein jahrelanges Kalender-Thema abgeben muss oder wenn ein Bildband-Thema nun von einem jungen Schnösel übernommen wird. Es ist hart, wenn sich plötzlich keine E-Mails mehr von Redakteuren im Postfach finden lassen, wenn man gefühlt bedeutungslos wird. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum es so viele alte Fotografen gibt, die noch Workshops leiten, auf Seminaren reden und ihre Bilder auf Facebook stellen. Zum Glück komme ich aus einer Familie von Realisten und Zynikern. Meine Großmutter hatte rigoros alles verschenkt, was da war und war in ein kleines Zimmer im Haus meiner Eltern gezogen. Mein Vater machte einen sogenannten Garage-Sale und schmiss den Rest weg, auch sein ganzes Archiv, 40 Jahren Architekten-Dasein. Bei mir sieht es ähnlich aus, tausende von Dias sind bereits entsorgt und wahrscheinlich lösche ich irgendwann noch die letzten Bilder. Am Ende bleibt von unserer Zeit lediglich ein feiner Streifen mit überhöhtem Plastikanteil übrig.

Tacho kam dann doch und baute die Terrasse und die Kaktus-Rabatten samt unseren kleinen Vogelbrunnen. Der Staub machte Regula wahnsinnig, aber dann war alles fertig. Ich hatte noch einen schönen Steinturm mit Wasserfall gebaut und nun saßen wir am Morgen bei Cappuccino und schauten den Vögeln zu. Ein Mockingbird kam geflogen und balancierte gewandt auf den Steinen am Brunnen. Plötzlich gab es einen Rums und ein großer schwarzer Klumpen landete dicht am Vogel. Es gab Gefiepe, ein paar Federn flogen, und der Mockingbird sauste davon. Ein schwarzer Kater schaute uns erschrocken an und Regula schrie ihn an. Ich jagte ihm noch ein paar Steine nach, und weg war er. Nun hatten wir das nächste Problem, was wir in Oregon nicht hätten. Dort fallen alle Katzen in unserer Gegend den Luchsen und Pumas zum Opfer.

Ich fragte Edgar, ob er jemanden kennt, der eine Katzenfalle hat. Er sagte nein. Ich fragte sogar entnervt, ob er in Gewehr hätte, er sagte nein. Gift hätte er aber das wollte ich nicht. Das ist zu grausam, und zudem zu gefährlich für die Greifvögel. Ich fuhr mit dem Rad auf den Berg und verbrannte Salbei, setzte mich in eine Grube und wartete, bis der Adler zu mir sprach. Dann kam die Vision über mich und ich wusste, was ich zu tun hatte. Stimmt nicht, ich hatte die Idee im Resort von Mr. Bill als ich die stacheligen Agaven anschaute. Es waren sogenannte Berg-Agaven, die wild in der Gegend wachsen. Sie haben ungemein spitzige Blätter. Ich pflanzte also eine ganze Reihe rund um den Brunnen so dass die Katze nicht mehr lauern konnte. Und wenn sie nun springen würde, wäre es zu weit und die Vögel hätten genug Zeit zum Ausweichen. Fall gelöst, Katze lebt, aber entmachtet und Vögel munter am plantschen.

Dann, wir saßen gerade wieder beim morgendlichen Cappuccino, sagte Regula, „nun haben wir wieder ein neues Problem. Ich glaube, der Kolibri ist süchtig geworden.“ In der Tat war er schon wieder am Duschen. Er flog in einer Mordsgeschwindigkeit zum kleinen Wasserfall. Es spritzte und sein Flügelschlag surrte manisch. Er tauchte den Kopf immer wieder unter und spritzte sich voll, sauste dann wie von der Tarantel gestochen auf den nahen Ast des Ocotillo-Kaktus um dann gleich wieder ans Wasser zu fliegen. „Naja, mit gewissen Verlusten muss man rechnen”, antwortete ich und trank den Kaffee aus.

Es wird jetzt langsam Zeit, wieder nach Norden zu fahren. Oregon wartet auf uns und ich muss dort die letzten Holzhaufen abfeuern bevor die Zeit der Waldbrände kommt. Zudem wird der Prosecco knapp und, wichtiger noch, die Kaffeebohnen von unserer bevorzugten Rösterei in Montana. Wenn der Cappuccino nicht mehr stimmt wird Regula nervös und das wollen wir sicher alle nicht…

© Christian Heeb

19. April, 2021

Der Brief aus Mexiko, Februar 2021

Gestern kam Edgar vorbei, um für uns ein paar Dinge zu erledigen. Edgar ist ein Mann aus dem Dorf und sieht aus wie ein Bilderbuchmexikaner mit dickem Schnauzbart, muskulösen Armen und einem immer freundlichen ovalen Gesicht. Wir kennen ihn seit über zehn Jahren, als er bei uns als Gärtner anfing. Er arbeitete auch für Mr. Bill, dem mysteriösen Besitzer des Ventana Bay Resorts, einem kleinen, rustikalen Resort.

Edgar spricht nur Spanisch, aber spricht seine Wörter langsam und klar aus, so dass ihn Gringos wie wir gut verstehen und wir uns austauschen können. Wie so oft plauderten wir mit ihm über Gott und die Welt und über unser ewig wachsendes Dorf. Edgar ist mittlerweile zum Unternehmer aufgestiegen. Er verwaltete viele Häuser und ist der Mann für alles. Es hilft, dass er anscheinend mit jedem im Dorf verwandt ist. Er kennt jeden und löst jedes noch so kniffliges Problem. „Du bist nun der große Mann,“ sagte ich mit einem Augenzwinkern. Edgar lachte und sagte: „Nicht wirklich, ich bin immer noch der alte und Anna ist der Boss. Immer habe ich Hunger, ich esse dauernd große Burritos und habe immer noch keine Freundin.“ Edgar ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und eine noch kleine Tochter. Seine Frau Anna putzt im Resort. „Alle meine Freunde haben Freundinnen“ sagte er. „Ich aber bin ein Mann, der nur eine Frau will. Meine Güte, den Stress tue ich mir nicht an. Dauernd haben sie Probleme, meine Freunde. Die Frau will dieses, die Freundin will jenes. Was für ein furchtbares Leben,“ sagte er schmunzelnd.

Viele mexikanische Männer sind vom Machismo geprägt und auch in Mexiko sind es meistens die Frauen, die mit dem Kopf arbeiten. Als Regula und ich vor ein paar Jahren durch Mexiko reisten, kam es vor, dass Regula aus dem Auto stieg, um jemanden nach dem Weg zu fragen. Wenn es ein Mann war, kam der dann zu mir ans Auto und erklärte mir den Weg, obwohl ihn ja Regula gefragt hatte und sie die Navigation machte. Männer denken, nur Männer können das.

Wir hatten viel Glück in Mexiko. Man hört ja immer diese Horrorgeschichten von Leuten, die betrogen wurden, ihre Häuser verloren und frustriert wieder in die USA zurückgingen. Mexikaner sollen anscheinend faul und verlogen sein. Sie trinken viel, fluchen laut und sind überhaupt schmuddelige Menschen, sagen diese Gringos.

Als wir 2004 aus Frust nach der Wiederwahl von G. W. Bush das Land kauften, war uns Mexiko bereits von vielen Reisen vertraut. Unsere Freundin Esther Ammann betrieb ein Hotel im nahen La Paz, und wir kannten bereits Mr. Bill und seinen mexikanischen Assistenten Tony. Tony trafen wir bei unserem ersten Besuch in La Ventana, und er ist noch immer Mr. Bills rechte Hand und der Verwalter unseres Hauses und unser Freund.

Wenn man mit einem Mexikaner am nächsten Tag um 10 Uhr einen Termin ausmacht, steht er bereits 5 Minuten zu früh vor der Türe. Abgesehen von der Pünktlichkeit, arbeiten sie dauernd, ohne zu klagen und können alles reparieren. Meine Freunde aus Costa Rica konnten es kaum glauben, als sie hier zu Besuch waren. Wir mussten eine Batterie bestellen und der Mechaniker im Dorf sagte: „Ich bestelle die und morgen um 9 Uhr könnt ihr sie abholen.“ Das traf genauso ein und Roger aus Costa Rica sagte nur: „In Costa Rica hätte das nie funktioniert.“

„Wie lebt man denn so in Mexiko,“ fragen die Leute oft. „Ist es nicht gefährlich?“ Die Antwort lautet wie in vielen anderen Ländern auch: „Es lebt sich sehr gut, wenn man genug Geld hat.“ Mexiko ist riesig und natürlich hängt einiges davon ab, in welcher Region man lebt. Hier auf der noch ruhigen, Halbinsel von Baja California lebt es sich sehr komfortabel. Im Moment ist der Peso niedrig, dass das Leben um einiges günstiger ist als in der Schweiz oder in den USA. Wein und Schweizer Käse sind teuer. Dafür ist der frische Fisch direkt aus dem Meer unverschämt billig.

Kürzlich paddelten wir mit Kajaks zum 20 Minuten entfernten Agua Caliente Strand. Wir nehmen immer die Boote von Mr. Bill und fahren dorthin über das türkisfarbene Meer. Es war ein karibischer Tag mit kristallklarem Wasser, wolkenlosem Himmel und Temperaturen um die 26 Grad. Wir landeten und badeten in der blauen Lagune und setzten uns in die heiße Quelle am Strand. Ein Graureiher beobachtete uns argwöhnisch. Die Kandelaber Kakteen auf den Klippen sahen aus wie Strichmännchen, und der ganze Küstenabschnitt war menschenleer. „Es braucht eine Pandemie, damit man seine Ruhe hat,” sagte Regula, während sie sich genüsslich im Salzwasser treiben ließ. In der Tat war es herrlich in diesem Winter. Die Travelers campierten nicht am Strand. Keine kläffenden Hunde waren zu hören, keine Hippie-Typen auf schmuddeligen Yoga Matten, die Kopfstand üben. Es gab auch kaum Mountain Biker und keine europäischen Frührentner in Autos, die hier in Mexiko mehr kosten als ein Haus. Es war grandios.

Auf dem Rückweg waren an der Küste nur ein paar Mexikaner zu sehen, die die Häuser der Gringos verwalten. Eine junge Amerikanerin mit hochrotem Kopf joggte den Strand hoch, aber im Resort von Mr. Bill war niemand zu sehen außer ein paar Arbeiter, die gerade die Bar renovierten.

Es war alles so, wie wir es hier in El Sargento mögen: staubige unebene Straßen, ab und zu ein Mexikaner mit Schnurrbart und großem Hut in einem klapprigen Kleinlastwagen, Kakteen und stacheliges Gestrüpp und tausend Kilometer Einsamkeit.

© Christian Heeb
15. Februar, 2021

Der Brief aus Mexiko, November 2020

“Es ist kaum zu fassen”, sage ich zu Regula. Gerade noch war ich in Oregon und habe mich auf den Winter vorbereitet, und nun sitze ich hier am blauen Meer und bestaune den Blick über die Ventana Bay.

Der Oktober in Oregon fühlte sich dieses Jahr unendlich lang an. Der Wahlkampf schien kein Ende zu nehmen. Der Himmel blieb blau. Es war viel zu trocken und warm. Die Blätter der wenigen Laubbäume wurden braun und fielen ab.

Dann war November und Donald Trump verlor die Wahl mit 5 Millionen weniger Stimmen als Joe Biden. Aber leider verloren die Republikaner nicht im Senat. Vier Jahre ohne politischen Fortschritt starrten uns ins Gesicht. Trumps sittenloser Anwalt Rudy Giuliani gab eine Pressekonferenz, verwechselte aber das exklusive Four Seasons Hotel mit einer Gärtnerei desselben Namens. Anscheinend hatte ein Praktikant etwas verwechselt. Der Ort lag zwischen einem Bestattungsinstitut und einem Sex Shop, was perfekt die vier Jahre Trump Regime illustrierte und ein böses Omen für die Zukunft der USA war.

Nun waren wir nach 3000 Kilometern über Landstraßen wieder in unserem Haus auf der Baja Halbinsel in Mexiko. Wie immer fuhren wir die Strecke mit unserem Camper, vollgestopft mit Dingen, die man in USA leicht aber in Mexiko nicht kriegt. Der Kühlschrank barst vor Greyerzer Käse und Prosecco. Zudem brachten wir neue Lampen, eine Espresso Maschine von Gaggia und alles was verwöhnte Bewohner der westlichen Welt halt so brauchen um glücklich zu sein.

Der mexikanische Zollbeamte machte einen kurzen Versuch dem Gesetz Folge zu leisten, war dann aber doch zu müde um unseren Wagen zu durchsuchen. Mutwillig machte er die Türe unseres Campers wieder zu und ließ uns laufen. Wir hatten kurz vorher unsere mexikanische Niederlassung erhalten und so brauchten wir nur noch den Einreise-Stempel. Nun dürfen wir in Mexiko wohnen solange wir wollen.

Bei Militärkontrollen unterwegs fragen uns junge Burschen mit großen Maschinen-Pistolen woher wir kommen und wohin wir gehen. Aber sie sind nicht gewillt, unser Auto nach Waffen, Drogen oder Bargeld abzusuchen. Meist öffneten sie ein Kästchen, sahen nur Bücher und Proviant und ließen uns weiterfahren. Auf der Route nach Süden gibt es nur wenige Orte. Wir kampieren immer wild entlang der Straße, meist irgendwo am Meer. Wir haben seit Jahren bereits unsere Plätzchen auskundschaftet und die Strecke eingeteilt. Die ganze Halbinsel besteht nur aus Wüstenlandschaften voller Kakteen und schroffen Berglandschaften. Manche Strecken sind komplett öde und wie verbrannt, andere Gebiete voller Büsche und sehr vielfältig in der Vegetation.

Unser Haus steht am Meer südlich von LaPaz, der Hauptstadt der Baja Sur. Wir sind in El Sargento, einem kleinen Fischer-Pueblo gleich neben LaVentana, der Hochburg der Kite Surfer, zuhause. Am Stadtrand von LaVentana hört der Asphalt auf und man fühlt sich wieder in Mexiko. Noch muss man eine staubige, unbefestigte Straße überstehen, um zu unserem Haus zu gelangen. La Ventana ist mittlerweile verseucht von Gringos, und es kommen immer mehr. Wir sind natürlich auch Ausländer und reiche Gringos aber wie alle Leute denken wir, dass wir anders sind. Nach 12 Jahren hier im Ort fühlen wir uns in El Sargento genauso zuhause wie in Bend, Oregon und in der Schweiz. Zuhause ist für uns Reisefotografen ein weiter Begriff. Für mich ist seit Jahren mein Zuhause dort wo Regula ist. Nun wechseln wir zwischen Oregon und Baja Sur und irgendwann kommen wir vielleicht wieder in die Schweiz. Wir haben nun schon weit mehr Zeit in den USA verbracht als in unserem Geburtsland. Genauso wie wir keine richtigen Amerikaner sind, sind wir auch keine Mexikaner und keine richtigen Schweizer mehr. Allerdings hat uns die Schweiz am meisten geprägt, dort haben wir unsere Kindheit und Jugend verbracht.

Nun waren wir also wieder in Mexiko und wollten bis April bleiben, um dann unsere geplante Reise nach Patagonien und Bolivien zu starten. „Inshallah“, sagten wir uns, “hoffentlich geht das“. Hier in El Sargento sind wir vor dem Virus geschützt, denn wir wohnen so isoliert wie in Bend, Oregon. In den kleinen Läden tragen sie alle Masken, Partys sind dieses Jahr alle abgesagt. Abgesehen von den finanziellen Einbußen war dies ein herrliches Jahr für uns. Noch nie hatte ich so viel Zeit zuhause verbracht und gelesen, geschrieben und Bilder bearbeitet. Wir hatten endlich viel Zeit für uns und es machte Spaß. In Mexiko war es noch besser, da die ganzen Kanadier dieses Jahr nicht kommen durften – die USA war für sie unpassierbar. Viele Amerikaner kamen nicht für den Winter zum Surfen oder Überwintern aus wirtschaftlichen oder familiären Gründen. Es war herrlich. Der Strand sah wieder so aus wie vor 10 Jahren, als wir hier bauten. Fast keine Touristen, weniger Allrad- Fahrzeuge und keine Familien. Unten im Resort von Mr.Bill war es wie ausgestorben.

So saßen wir auf unserem Deck und schauten über die Landschaft und das Meer. In der Ferne sahen wir die unbewohnte Insel Cerralvo. Die Wolken am Himmel färbten sich sanft rosa und begannen dann rot zu glühen. Die mexikanische Luftwaffe, sprich ein Schwarm Pelikane, flog in schöner Formation unten dem Strand entlang. Der eingeschmuggelte Prosecco schmeckte herrlich erfrischend. Nur das Rascheln der Vögel im Gebüsch und der schrille Ruf eines Spechtes war zu hören. Hier auf der Rancho Sur fühlt sich alles so an wie oben in Oregon auf der Rancho Las Hierbas del Norte, nur sind es hier nicht die Berge, die unser Panorama bestimmten, sondern das Meer, der Golf von Kalifornien.

Wir nahmen nochmal einen Schluck Prosecco und freuten uns auf die kommenden Monate in den durch Corona erzwungenen Ferien.

© Christian Heeb
2. Dezember, 2020

Der Brief aus Oregon September, 2020

Der August-Himmel brütete über dem staubtrockenen Land hier in Oregon wie ein Bügeleisen, dass noch die letzten Falten glätten wollte. Unser schönes Gras rund um das Haus war gelbbraun, die Büsche verdorrt. Nur der Lavendel blühte unbeirrt weiter. Nun waren es gelbe zierliche Vögel, welche die Samen aus dem russischen Salbei pickten. Und die Streifenhörnchen legten sich zur Abkühlung, platt wie Bettvorleger, auf die Steinplatten im Schatten unserer Liegestühle.

Es war ein seltsamer August, der daher gut in dieses verrückte Jahr passt. Wir hatten noch ein paar lokale Nachthimmel-Foto-Workshops geplant. Das ging gut, weil man in Oregon genug Raum hat um die Abstandsregeln einzuhalten. Regula war vorwiegend damit beschäftigt, Fotoreisen zu verschieben, Geld an Kunden zurück zu zahlen und die Webseiten zu überarbeiten.

Am nächsten Tag, frühmorgens, tief in den Cascade Bergen von Oregon, glitten unsere Kajaks über das spiegelglatte Wasser des Waldo Sees. Waldo gilt als einer der saubersten und unberührtesten Seen der Welt. Er ist umringt von bewaldeter Wildnis. Von der Landestelle paddelten wir zuerst durch eine kleine Bucht mit schönen Inselchen, die an die Landschaften an der kanadischen Westküste erinnern. Ein wabernder Rauchschleier qualmender Lagerfeuer lag über dem Wasser und wir hörten, wie in der Ferne die Leute auf dem Campingplatz erwachten. Ein Hund bellte, ein Kind schrie und ich fühlte mich wie ein Waldläufer im Jahre 1832, der an einem Camp von Natives vorbeipaddelt. Wir fuhren unter einem strahlend blauen Himmel zum Nordende des großen Sees und landeten in einer einsamen Bucht. Ein Specht hämmerte gerade für sein Frühstück an einem Baum. Sonst war es totenstill. Wir ankerten und badeten im See. Es war wie zu Anbeginn der Tage.

Am nächsten Tag fuhren wir von Waldo zum Hosmer See. Das ist einer der Seen in den Bergen, etwa eine Autostunde von Bend entfernt, wo auch der Deschutes Fluss entspringt. Der Hosmer See ist umringt von Binsen, Schilf und Marschland. Er liegt auf etwa 1500 Meter Höhe und hat mehrere Verbindungskanäle zwischen den einzelnen, verzweigten Teilen. Wir stellten unseren Camper am Abend gleich bei der Bootsrampe ab. Campingplätze vermeiden wir so gut es geht: Sie kosten Geld, sind meist unter Rauchwolken begraben, es gibt schreiende Kinder, betrunkene Teenager und Generatoren.

Am nächsten Morgen um sechs, ich wollte gerade mein Kajak vorbereiten, kamen bereits die ersten somnambulen Angler angefahren. Alte Knacker, deren Hobby darin besteht Fische zu belästigen. Die Fischer und die Fotografen sind die einzigen, die so früh hier antanzen und es ist ein friedliches Koexistieren. Wir grüßten uns freundlich mit einem „how are you?“

Dann, nach drei Tassen argentinischem Mate Tee, stießen wir die Kajaks ins Wasser und paddelten los. Es ist ein ungemein befreiendes Gefühl, auf dem See zu sein. Die Weite des offenen Wassers verbreitet ein Gefühl von Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten. Es war nur das leise Tropfen zu hören von Wasser, das von unseren Rudern zurück in den See plätscherte. Die Fischer waren in eine kleine Bucht im Süden gefahren um mit ihren Angeln und Fischen alleine zu sein. Redwing Blackbirds, eine Art Amsel, nuschelten im Schilf herum. Auf einem alten Baum saß ein großer Weißkopfseeadler und beobachte uns argwöhnisch. Das Wasser im seichten Hosmer Lake ist so klar, dass wir die großen Forellen sehen konnten, die vor dem Schatten unserer Boote wendig flohen. Ganz am Ende, wo ein Bach den See von Norden her speist, gibt es noch eine kleine Bucht. Die meisten Leute drehen vorher ab, denn man sieht sie aus der Distanz nicht. Als wir da einbogen standen plötzlich zwei Kraniche vor uns am Ufer. Wir ließen die Boote gleiten und bewegten uns nicht. Ein paar Eichelvögel stießen Warnrufe aus, um ihre Kumpel vor uns zu warnen. Die Kraniche wurden nervös und stolzierten hinter die Büsche, weg von uns. Danach ließen sie es krachen und klapperten vor sich hin. Jetzt verstehe ich, woher der Name Klapperstorch kommt.

USA, Pacific Northwest, Oregon, Deschutes County, Deschutes National Forest, Hosmer Lake with flock of ducks

Auf dem Rückweg von unserem Morgen in der Natur kamen uns langsam Menschen entgegen. Es war ein heißer Sommertag und das Wachstum der Metropole Bend macht sich auch in den Bergen bemerkbar. Die ersten waren eine Gruppe schnatternder Seniorinnen, welche eingehüllt in einer Wolke von Moskitoschutzmittel an uns vorbeipaddelten. Dann kamen etwas pummelige Mitte-Fünfziger in Safari-Kleidung auf etwas zu klein scheinenden Kajaks angerudert. Diese wurden dann von einer Gruppe junger, wie Regula sagt, „Stadtpark-Naturalisten mit IT-Jobs“ auf Paddle-Boards abgelöst. So ging es weiter, bis wir uns an der Anlegestelle durch ein Rudel von Stadtmenschen kämpfen mussten. Wir waren froh, dass wir Fotografen sind und früh aufstehen und dann meist alleine sind mit der Natur.

Zurück in Bend machte ich noch ein Bild für meine Uncle Sam-Fotoserie. Dort flieht er in seinem 1965 Thunderbird Cabrio vor einem Waldbrand. Im Hintergrund brennt auch ein Trump Wahlkampf Schild mit der Aufschrift „God and Country – Trump“. Die amerikanische Demokratie, welche gerade etwa 250 Jahre alt ist, steht auf dem Spiel – oder in den letzten Zügen. Der Rubikon war schon von George W. Bush durchquert worden und nun standen die Barbaren nicht nur vor der Türe sondern waren im Weißen Haus.

Als ich das Bild mit dem Waldbrand machte, wusste ich noch nicht, wie schlimm es kommen wird. Anfang September kam ein Sturm angefegt und verursachte mehrere Feuer in Oregon, Washington und Kalifornien. Bei uns wurde es am Nachmittag rabenschwarz und ein roter Schimmer lag über dem Land. Waldbrände wie das Feuer am Mount Jefferson nördlich von uns wurden zu gigantischen Monster Bränden. Kreuz und quer in Oregon mussten die Leute evakuiert werden, und manchmal hatten sie nur wenige Minuten Zeit, um zu fliehen bevor die Feuer angeprescht kamen. Kleine Orte auf der Westseite der Berge wurden vollständig zerstört. Mehrere Naturparks in den Bergen verbrannten. Es fühlte sich an wie der Weltuntergang. Noch nie in der Geschichte von Oregon gab es dermaßen große und verheerende Brände gleichzeitig. Der heißeste und trockenste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen endete in einem Inferno. Dann kam der Rauch, und die Westküste der USA hatte von Los Angeles bis Seattle die schlechteste und gefährlichste Luft der Erde. Die Sonne verfinsterte sich zu einer roten Kugel und die Rauchschwaden kamen unentwegt – bis man die Sonne gar nicht mehr sah und die Welt verblasste.

„Gelobt sei der, welcher ein Wohnmobil besitzt“, sagten wir uns und fuhren in die Ruby Mountains von Nevada. 800 Kilometer von Bend entfernt sahen wir wieder blauen Himmel, herbstliche Birken und Bergseen. In Oregon brannte es weiter und die Luft blieb dort tagelang gesundheitsschädlich für Mensch und Tier. Unser Haus war in Sicherheit, denn die Feuer wüteten im Westen von Bend. Aber es schmerzte daran zu denken, dass Tausende von Quadratkilometer Land verbrannten, das Tausende Häuser abfackelten und unendlich viele Wildtiere starben. Der Klimawandel war nun mit voller Wucht auch in Oregon eingetroffen. Noch nie hatten wir uns alle so auf den Herbst gefreut, in dem wir endlich wieder mit Regen rechnen konnte.

Als wir in Nevada waren, sandte uns Antonio aus Mexiko ein Bild von unserem Haus in Baja wo gerade zwei Mexikaner in großen Sombreros unser neues Palapa-Dach fertig stellen. Dort war alles beim Alten: blauer Himmel, keine Feuer und ein azurfarbenes Meer. Es wurde Zeit zu packen und in unsere Winter-Residenz zu fahren.

© Christian Heeb
10.Oktober, 2020

Fotografen Paradies Oregon / USA

Rancho las Hierbas home with star trails, Bend, Oregon

Hier sitzen wir wieder einmal auf unserer Terrasse und genießen einen perfekten Cappuccino den Regula akribisch gemacht hat. Es ist Frühsommer hier auf unserer Rancho las Hierbas außerhalb von Bend, Oregon. Die Wüstenlandschaft ist in frischem grün erstrahlt. Das Bündelgras ist so hoch wie selten und die Büsche sind voller gelber Blüten. Ein Erdhörnchen rast fast über Regulas linken Fuß. Wir sehen weit und breit keinen Menschen, kein Haus und nicht das geringste Anzeichen von Zivilisation. Es fühlt sich an wie wenn wir mit der Natur alleine wären und die Menschheit ausgestorben.

Chipmunk, Bend, Oregon

Der Bundesstaat Oregon ist 254,810 km2 groß und hat eine Bevölkerung von 4.3 Millionen, wovon die meisten in der Stadt Portland und den Orten südlich davon

wohnen. Im Vergleich zur Schweiz ist das so, wie wenn dort nur eine halbe Million Menschen leben würde, und davon die meisten im Raum Zürich. Dies ist der Grund warum wir seit über 20 Jahren in Oregon wohnen und nicht mehr in der Schweiz. Das heißt noch lange nicht dass wir die Schweiz komplett verlassen haben. Noch immer sind wir mit unserer alten Heimat verbunden, sei es durch die freiwillige AHV Versicherung, unserer Krankenkasse, unseren Freunden und unserem Chalet am Grabserberg.

Die Schweiz ist geballt voll mit tollen Landschaften was der Fotograf Roland Gerth jeden Tag mit neuen Bildern belegt.

Scott Lake with Bear Grass, Cascades, Oregon

In Oregon ist das etwas anders denn auch hier gibt es traumhafte Landschaften zum fotografieren aber es ist unmöglich alles praktisch rund ums Haus zu fotografieren. Wenn Roland am frühen Morgen in Thal losfährt kann er locker den Sonnenaufgang irgendwo in den Glarner Alpen fotografieren. In 4 Stunden ist er in Genf. Wenn ich von Bend aus an den Wallowa Lake fahren will brauche ich 7 Stunden und habe damit erst die Hälfte von Oregon durchfahren.

Camping at Paulina Lake, Oregon

Was man in Oregon als Fotograf braucht ist viel Zeit und ein gutes Wohnmobil. Damit wir vor Ort gleich schlafen können um zum Sonnenaufgang zu fotografieren haben wir schon seit Jahren einen sogenannten Pick Up Camper. Die aktuelle Ausführung ist ein Dodge Ram Diesel Truck mit einem Cirrus Camper Aufsatz. Mit diesem Allrad kommen wir auch an Orte wo es eine hohen Radabstand braucht. Wir kampieren meist wild abseits der Campgrounds damit wir unsere Ruhe haben. In Oregon darf man auf dem Land des National Forest und auf BLM Land (Bureau of land management) frei kampieren. Manchmal parkieren wir unseren Camper einfach am Straßenrand in einem ruhigen Wohn Quartier. Weil wir als Fotografen meist vor Sonnenaufgang aufstehen , sind wir bereits weitergefahren, wenn die Leute aufstehen und sich wundern könnten wem das fremde Auto wohl gehört.

Milky Way and old barn, Shaniko Ghost Town, Oregon

Milky way over Dillon falls, Central Oregon

Manchmal fotografiere ich gleich von meinem Haus aus. Einmal ist es eine Herde Hirsche, ein andermal ein Gewitter mit Blitzen oder eine Winter Szene mit dem Vulkan Kegel Mount Bachelor. Etwa 40 Minuten vom Haus entfernt, am Cascade Lakes Highway, liegt der Sparks Lake. Das Bergpanorama dort, des sich im stillen Wasser spiegelnder South Sister Vulkan ist wohl das bekannteste Foto Motiv von Oregon. Besonders fotogen ist diese Szene im Frühsommer wenn der Berg noch schneebedeckt ist.

Paulina Lake, Paulina peak at sunrise, Oregon

Wenn in den USA jemand an Oregon denkt denkt er an immergrüne Landschaften, also an Wasserfälle, Moos und Dauerregen. Dieses Bild trifft allerdings nur auf den westlichen Teil des Staates zu. Zwei Drittel von Oregon liegen in der Wüste und sind Teil des grossen Beckens der USA. Das grosse Becken, Great Basin, ist eine riesigen Trockenfläche deren Flüsse alle in den Wüsten Tälern versickern. Unser Wohnort Bend liegt am Rande des Kaskaden Gebirges und

Waldo Lake, Oregon

damit am Rande des Grossen Beckens. Östlich von uns gibt es endlose Weiten, Salbei Steppen, und schroffe Canyons sowie Berge voller Fichten und Geisterstädte. Die berühmten Badlands der Painted Hills liegen in diesem Gebiet sowohl der Steens Mountain, ein isoliertes Gebirge inmitten weiter Graslandschaften. Dass diese Gegend auch ein ideales Gebiet ist für Astro Fotografie muss ich wohl kaum erwähnen. Es gibt dort kaum Lichtverschmutzung und die trockene Luft und der Wolkenlose Himmel macht es den Astro Fotografen besonders leicht. Abgesehen von den Seen rund um Bend fotografiere ich die Milchstrasse auch gerne im nahen Crater Lake National Park. Der Park ist einer der schönsten und faszinierendsten der USA und hat den grossen Vorteil dass er abseits der grossen Städte liegt.

Milky way and pine tree, Crate Lake NP, Oregon

Thor’s Well , Spouting Horn, Cape Perpetua, Oregon

Natural bridge with milky way, Samuel H. Boardman State Scenic Corridor, Oregon

Neben den Vulkanen, Bergseen und fantastischen Wasserfällen ist Oregon bekannt für seine grandiose Pazifik Küste. Die landschaftlichen Höhepunkte stehen hier in konkretem Gegensatz zu den zum Teil verwahrlosten und armseligen Orten. Wie der Osten von Oregon ist auch die Küstenregion ein Armenhaus welches sich nur dank den Touristen über Wasser hält.

Die 484 Kilometer lange Küste birgt einige besonders fotogene Abschnitte. Der ergiebigste Abschnitt liegt für mich im Süden. Angefangen bei Bandon wo es besonders fotogene Felsnadeln an der Küste gibt folgt der Highway 1 der Küste Richtung Süden nach Kalifornien. Die verwunschenen Buchten des Samuel S. Boardman State Parks sind einfach einmalig, verwunschen und fotogen. Man muss dort nur wenige Meter von der Straße weg gehen und schon findet sich ein wildes hoch romantisches Natur Paradies. Leider wurden die dort versteckt liegenden Steinbögen von Instagram Fotografen entdeckt und nun tänzeln dauernd junge Mädchen in schmucken Hütchen über die Klippen.

Wer sich über die Grenze nach Kalifornien wagt endet mitten in den Redwood Bäumen jenen sagenhaften Riesen Bäumen welche man gesehen haben muss um ihre Dimension richtig zu erfassen. Kalifornien selbst ist natürlich ein Thema für sich aber die Redwoods liegen so nahe zur Grenze von Oregon dass man sie nicht auslassen sollte. Der Nachbar Staat Washington im Norden, bietet ebenso viel an Landschaftlichen Reizen. Von den fantastisch schönen Panther Falls zum Mount Rainier Vulkan, der Olympic National Park Küste und in den nahezu unbekannten North Cascades National Park ist auch Washington ein Traum Land für Fotografen, aber eben auch das ist ein anderes Thema.

Rufous hummingbird, Bend, Oregon

Vielleicht zum Abschluss noch einen Hinweis auf meine USA Webseite wo ich einen Blog auf englisch geschrieben habe, und mich zu den Jahreszeiten zum fotografieren äußere: https://www.ccophoto.com/best-time-to-visit-central-oregon-for-nature-photography/

Natürlich kann man sich heute gerne auch fragen ob man in der heutigen Zeit wo der Klimawandel uns direkt bedroht noch so weit reisen soll um ein paar Wasserfälle, Berge und Küsten zu fotografieren. Berge und Wasserfälle gibt es Zuhause in der Schweiz und wilde Küsten auch in Europa. Als Reisefotograf mit mehr als dreissig Jahren professioneller Arbeit bin ich heute überzeugt dass weniger mehr ist. Wir sollten uns alle auf nahe Themen konzentrieren und unser Umfeld geniessen. Ich glaube die Zeit der grossen Fernreisen ist bald vorbei so ungern wir uns das auch eingestehen möchten. Es ist eigentlich moralisch nicht mehr tragbar. Das steht natürlich komplett im Widerspruch mit meinen Foto Reisen, aber wahrscheinlich machen wir einfach weiter und geniessen den abend unser Zivilisation in der Hoffnung dass die Wälder und Küsten von Oregon uns überleben werden.

© Christian Heeb
1.September 2020

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Originally trained as an architect, Christian Heeb is known for his stunning travel photography and his creative art photography. The image of America aka the USA is his main focus of his artistic photography. From the dramatic colors of the “American Dreamscapes” to the “joker-esque” “Uncle Sam” series and the fading American dream in his “Pax Americana” images.

American Dreamscapes

Photo Tours & Workshops

Bend based photographers Regula and Christian Heeb have been leading photo tours and workshop around the world since 1998. Originally from Switzerland they live in Bend, Oregon and El Sargento, Mexico and maintain a mountain chalet in the Swiss alps.

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Christian has been a professional travel photographer for thirty years with more than 200 photo books, countless calendars to his credit. His images are distributed and sold worldwide.

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