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Christian Heeb

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Meine Reise mit Indianer Charly

Der Indianer neben mir sagte: „Für uns war die Natur heilig.“ “ Alles, die Steine, die Sträucher und der Wind sind beseelt.“

Ich versuchte mich daran zu erinnern, von welchem Stamm er war. „Wasco? Klamath? Modoc?..nein wahrscheinlich Paiute“, dachte ich. Ich saß auf einer kleinen Holzbank im Haus meines Schweizer Freundes Ueli in Bend, Oregon.

Ueli ist ein Schreiner aus der Zentralschweiz. Er hat eine Amerikanerin geheiratet, die aussieht wie eine resolute Rheintalerin. Er hatte uns zu einer Party eingeladen und seine ganzen Freunde wuselten in seinem Haus herum. Das Haus selbst sah aus wie das Set von der Sitcom „Roseanne“. Ueli konnte es mit den Leuten. Es waren „währschafte“ Handwerker. Amerikaner mit Baseball „Käppi“, wie sie halt so waren in Bend und da war auch ein Österreicher, der aussah wie eine Mischung aus Reinhard Fendrich und Peter Alexander. Er trug eine Lodenjacke und einen Schlips und wirkte auf mich wie ein Fisch ohne Wasser.

„Wir waren schon immer hier und wissen, wer wir sind“, sagte der Paiute Indianer. Ich wollte gehen. Ueli war nett, laut, volkstümlich und ein guter Schreiner, aber er lebte in einer anderen Welt. Meine Freunde waren alle exzentrisch, hatten keine Kinder, machten Flussfahrten, waren Künstler oder Lebenskünstler. Ich war fast neidisch auf Ueli, wie er so den Amerikanischen Traum lebte.

Der Indianer sagte „nice to meet you“ und ging endlich. Ich dachte daran, dass ich in ein paar Tagen nach South Dakota fahren musste, um mit dem Schweizer Indianer unsere „Geistertanz“ -Reise zu leiten.

Die „Geistertanz“ Reise war auf meinem Mist gewachsen, wie man so sagt. Nun war ich unterwegs mit meinem Freund Charly und einer Schweiz/Deutschen Reisegruppe. Wir folgten der Route der von dem Hunkpapa Häuptling und Schamane Sitting Bull ausgesandten Delegation zu Wovoka, dem Visionär der Paiute Indianer in Nevada.

Die Geistertanz Bewegung Ende des 19 Jahrhunderts führte zum Massaker in Wounded Knee und damit dem Ende der Indianerkriege auf den Grossen Ebenen von Nordamerika.

Unsere Reise führte von den „Paha Sapa“ den Black Hills von South Dakota durch die Staaten Colorado, New Mexico, Arizona, Nevada bis nach San Francisco in Kalifornien. Regula war Zuhause geblieben und organisierte von Bend aus.

Wir hatten einen 15 Personen Bus mit Gepäck Anhänger sowie meinen Truck Camper mit dabei. Die Leute waren eine bunte Mischung aus Charly Jüngern, Indianer Freaks, Esoterikern, einem Medium, dem Liedermacher Claude (Charlys rechte Hand), einem echten Indianer und dem Deutschen, der die falsche Reise gebucht hatte. „Das kommt schon gut“, sagte Manuela, die schon oft auf solchen Abenteuern mit dabei war.

Nun waren wir unterwegs. Es war der erste Tag.

Wir machten halt in den Badlands von South Dakota, fuhren hoch zum Stronghold, wo sich die letzten Lakota während der Indianerkriege versteckt hielten. Das dauerte. Der Schweizer Indianer machte Selfies mit dem echten Indianer. Das Medium sog den Wind in den Badlands auf. Die jungen Damen machten Selfies mit dem Musiker. Der Deutsche, der dachte, er hätte eine Reiterreise gebucht, stand da in Lederhosen und Reitmantel und wirkte verloren. Ich wollte weiter, wusste, wie weit es ist, wusste, dass es schwierig wird mit dem Abendessen. „Aller Anfang ist schwer“, fluchte ich vor mich hin.

Dann machten wir Halt bei Fort Robinson in Nebraska, dort wo man den Kriegshäuptling „Crazy Horse“ erstochen hatte. Ich hatte mich noch nicht an „Indian time“ gewöhnt, hatte methodisch geplant wie ein Schweizer Uhrmacher und sah meinen Zeitplan in Rauch aufgehen.

In Santa Fe wollten sie Steak essen. Die echten und nicht so echten indianer essen gerne Fleisch. Mein Vorschlag, zum Thai zu gehen, stieß auf geschlossene Ohren. Die meisten mochten tote Tiere auf dem Teller. Der Spirit war anscheinend kein Vegetarier.

Oben in Taos wo der legendäre Kundschafter Kit Carson einst sein Haus hatte und wo Ansel Adams die unsterblichen Bilder vom Taos Pueblo und der Kirche in Rancho de Taos fotografiert hatte, trommelte die Gruppe in der Kirche und sang Lakota Lieder. „Das ist schon was“, dachte ich.

Nach den weissen Sanddünen von New Mexiko wo ich richtig begeistert war und freudig den Indianer in voller Montur fotografierte, ging es nach Arizona ins Land der Apachen. Die Reise hatte ich etwas freizügig geplant den wo die Lakota Delegation damals wirklich durchreiste war nicht ganz klar.

Wir trafen meine Freundin Amber vom Stamm der Navajo und posierten den Lakota mit der Navajo Frau in der Wüste. Da standen sie unter den herrlichen Saguaro Kakteen und fast hätte man glauben können, dass so das Indianerland aussieht. Einige Teilnehmer waren mehr mit sich und ihrem Handy beschäftigt, aber es war trotzdem schön. Auf dem Campground fuhr ein Kind mit dem Mini-Fahrrad über eine Klapperschlange, welche dann von Charly mit der Machete erlöst wurde. Ich fand, das sah schon mehr nach Indianerland aus. Trotzdem tat mir die unschuldige Klapperschlange leid. Es war sicher ein Gesichtsverlust unter den Schlangen, wenn man von einer Rotznase überfahren wurde.

Dann waren wir auf der San Carlos Apachen Reservation. Dort wo man versucht hatte, den Apachen Krieger Geronimo gefangen zu halten. Der haute aber immer wieder ab. Er war so ein richtig mürrischer Indianer. Geronimo war kein Häuptling, sondern nur ein brutaler Krieger und genialer Guerilla-Führer. So eine Art „Grumpy Old Indian“. Selbst seine eigenen Leute vom Stamm der Chiricahua mochten ihn nicht. Der große, beliebte Häuptling war Victorio und seine Amazonen Schwester Lozen die eine tapfere Kriegerin und Schamanin war. Victorio wurde bei einer Schlacht mit der Mexikanischen Arme in der Sierra Madre von Mexiko getötet und Lozen starb in Gefangenschaft an Tuberkulose.

San Carlos liegt am Gila Fluss in der kargen Wüste von Arizona. Wir trafen den Weisen Herb Stevens und erfuhren viel über die Kultur der Apachen. Es gab so eine Zeremonie, die ich in meiner Ignoranz gar nicht wahrnahm. Irgendwas mit Maispollen. Charly grinste vor sich hin, als ich dem Medizinmann die Pollen vom Shirt wischte. „Un faux pas“, aber ich bin ja Künstler, sagte ich mir, da geht sowas. Der Schweizer Indianer hatte sofort den Draht zum Apachen. Das ging ohne Worte. Der echte Indianer und der echte Apache konnten es auch miteinander. Es ist nicht wie bei den Hunden, wo sie sich zuerst beschnüffeln. Die Indianer spüren das einfach. Ich habe keine Ahnung, wie sowas geht.

San Carlos war cool, wie die Jugend so sagt aber langsam aber sicher, kamen wir in das Land der Paiute Indianer. Die Paiute lebten und leben noch heute über das ganze riesige Grosse Becken (Great Basin) verstreut. Früher Nomadisierten sie in kleinen Familiengruppen saisonal durch das karge Land. Heute leben sie auf verarmten Reservationen.

In Las Vegas wohnten wir im „Hooters“ Casino, denn Regula hatte dort einen guten Deal gekriegt. Die jungen, gut gebauten, noch besser gefärbten, kurzen Shorts unter drallen weißen T-Shirts tragenden Mädels, die bedienten, waren unfreundlich. Wahrscheinlich hassten sie die Art der Männer, die dort verkehrten. Ich ging mit dem echten Indianer Fedora Hüte kaufen. Beide hatten wir da ein kleines Suchtproblem.

Der Musiker zog mit den jungen Damen und Indianer Charly durch Vegas. Mir wurde bewusst, dass ich Las Vegas noch immer aus vollem Herzen hasste. Alles, aber wirklich alles, was an der westlichen Zivilisation falsch ist, manifestiert sich dort in einer großen Orgie von Habsucht, Verschwendungssucht und jeglicher Perversionen. Las Vegas ist das exakte Gegenteil der indianischen Sammler Kultur der „alten“ Paiute Indianer, welche tausende von Jahren gut hier lebten ohne die Ökologie des Landes zu zerstören.

Mitte Mai erreichten wir das Tal des Todes. Das Thermometer im Auto zeigte 45 Grad an. Wir wollten zelten. Auf der Straße standen zwei Kojoten und hoffen dass wir sie erlösen und überfahren. Anstattdessen hielten wir an und machten Photos. Die Luft fühlte sich an wie wenn einem jemand einen heissen Haartrockner ins Gesicht hält.

Wir machten ein Gruppenbild bei „Badwater“ einer grossen Salzpfanne wo die Landschaft bläulich schimmerte und alles aussah wie eine Fata Morgana. Auf dem Gruppenfoto stehen wir alle auf weißem Grund. Der Reiter mit den Lederhose, die Selfie Tochter mit der Mutter, der echte Indianer, das Medium nahe beim Schweizer Indianer, der Musiker und ein Haufen junge, mitteljunge und etwas älter Frauen. Vorne links ein Kojote mit der Zunge draussen. Ich, der „Grumpy Old Man“ sitzend mit Fedora Hut und undeutbarem Gesichtsausdruck vorne.

Es war schon cool und alle überlebten die Nacht, was auch ein Erfolg war.

Dann kamen wir in die Walker River Paiute Reservation, dort wo das Grab von Wovoka liegt. Charly hatte vorher angerufen und so wurden wir von einer Delegation, bestehend aus Tribal Chairman und Großtochter von Wovoka empfangen. Der echte Indianer und der Schweizer Indianer übergaben den Paiute Indianern eine Bison Maske von den Lakota Indianern. Charly stiftete 2000 $ für das Jugendprogramm der Pajute.

Wir standen alle um das staubige Grab von Wovoka, mitten in der Busch- und Sand Wüste von Nevada. Es gab einen Rundtanz, wo alle im Kreis tanzten. Ich floh auf das Dach meines Wohnmobils, mit dem Vorwand Bilder zu machen. „Für etwas bin ich ja Fotograf geworden“, sagte ich mir. Es sah toll aus wie sie alle dort unter mir tanzten. Rot und weiss vereint als Menschen. In den Berge im Westen bildeten sich Quellwolken.

Bevor Wovoka zum Visionär des „Geistertanzes“ wurde, war er Regenmacher. Er soll das so gut gemacht haben, dass ihn sogar Anglo Farmer engagierten, damals, Ende des 19. Jahrhunderts.

Dann sang Charly ein Lied, es gab eine Zeremonie, er trommelte heftig und ein großes Windböe fuhr über uns hinweg. Es war eine Windhose, die von den Wolken herkam. Es fühlte sich an wie das Schwingen eines Adlers. Kaum war die Zeremonie vorbei, verschwanden die Wolken und es blieb ein fader, hellblauer, wolkenfreier Himmel übrig.

Es fühlte sich an, als wenn uns Wovoka kurz besucht hätte. „Das war dann schon etwas intensiv“, dachte ich der Sarkastiker.

Danach fuhren wir nach Reno in ein Casino Hotel ohne mürrische „Hooters“ -girls. Der Schweizer Indianer schmiss einen Dollar in eine Slot Maschine und ein riesiges Geklimper und Getue ging los. Die Maschine schrillte, ein Rotlicht funkelte, es schepperte 2000 $ lang. Der Mann, der gerade den Paiute Indianern 2000 $ gespendet hatte, gewann den Betrag mit einem Dollar Einsatz zurück. Da glaubte ich sogar an Karma.

© Christian Heeb/2023

Nachtrag:

Warum ich den Begriff „Indianer“ benutze. Es gibt keinen Oberbegriff, der die amerikanischen Ureinwohner mit einem Wort beschreibt außer „Indianer“. „Native American“ macht keinen Sinn denn jeder, der in Amerika geboren ist, ist Native. „First People“ kann man genauso wenig nutzen, da es verschiedenste Migrationen gab. Waren die Hopi die „First People“ denn die Navajo kamen später? Oder waren es die Anasazi-Vorfahren der Hopi?

Columbus nannte die Einwohner von Hispaniola „In Dios“, wie von Gott geschaffen. Daraus wurde „Indio“ und eben der Begriff „Indianer“ den wir heute weiterhin für die Ureinwohner Amerikas benutzen.

„AIM“ die Bürgerrechtsbewegung der Indianer in den siebziger Jahren nannte sich selbst „American Indian Movement“. Auf „Pow Wows“ im US Westen hört man immer wieder den Begriff „Indian Country“. Wenn also die Indianer selber kein Problem haben mit dem Wort „Indianer dann sollte das uns weisse Europäer überhaupt nicht stören.

The Grumpy Traveler

Christian Heeb Writer/Photographer

Stories from the road without the bullshit. No, I will not tell you what my favorite bag is and my mission is not, to share the beauty of our world. I have no van, no dog and I am no digital nomad. World peace will never happen. But I hope you get some laughs and will think before you hit the road …

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Eine Reise von der Kanadischen Grenze nach Key West

1- Grosse Seen und Chicago

Mein Kajak gleitet lautlos durch die klaren Wasser des Sees. Wenige Meter vor mir sehe ich Regula in ihrem gelben Boot wie sie sanft dahingleitet. Vor ihr bricht die Sonne in einer Orgie aus Rot und Lila tönen hinter dem nordischen Wäldern hervor.

Ich ziehe meine Nikon aus der wasserfesten Tasche die ich immer bei mir vorne auf dem Kajak montiert habe und schieße in rasanter Folge eine Serie von Aufnahmen. Heute früh gab es einige Wolken am Himmel. Die Mischung aus erstem Sonnenlicht und farbigen, leuchtenden Wolken und deren Reflektionen im stillen Wassers des Sees sind für die Kamera unwiderstehlich.

Wir befinden uns im Land der Seen von Minnesota. Genauer gesagt in den „Boundary Waters“ an der kanadischen Grenze. Anfang September ist hier gerade Indian Summer. Ein gigantisches Hochdruckgebiet sorgt für sommerliche Temperaturen, klaren blauen Himmel und leuchtende Farben.

Hinzu kommt, dass wir den Park nahezu für uns alleine haben. Die Sommertouristen sind alle weg und nur ein paar vereinzelte Rentner fahren noch hierher zum Angeln.

Regula paddelt sanft und relaxed vor mir her. Noch immer ergeben sich gute Bilder. Mit Weitwinkel baue ich den Bug meines Bootes in die Bildkomposition ein. Die aufgehende Sonne leuchtet hinter Regula auf. Mindestens 15 Minuten lang fotografiere ich ununterbrochen. Dann ist der erste Spuk vorbei. Das Licht wird flach und langweilig.

Wir rudern weiter, lassen uns treiben. Ich erwarte weitere Motive und schon kommt eine kleine Insel mit einer einzelnen Kiefer darauf. Regulas Kajak in Kombination mit der Insel gibt erneut ein tolles Bild. Kurz danach taucht ein Seetaucher aus dem Wasser neben meinem Boot auf. Diese großen intelligenten Tiere sind sehr scheu, werden aber oft von ruhig treibenden Booten überrascht. Dieser hier schert sich nicht, paddelt aber doch langsam von meinem Boot weg. Nun bin ich aber froh, dass ich mein 80-400m Zoom Objektiv dabei habe. Ich habe gerade genug Zeit zum Objektivwechsel und um 4 Bilder zu machen bevor der Vogel sich endgültig verflüchtigt und untertaucht.

Minnesota ist ein Traumrevier für Naturfotografen. Nicht umsonst wohnt hier der Fotograf Jim Brandenburg, welcher mit seinen Bildern von Wölfen weltberühmt wurde. In der Nähe von Ely, dem Ort, wo Jim eine Fotogalerie hat, läuft prompt ein weißer Wolf vor uns über die Straße. Er trottet uns entgegen wie ein Hund, wirft uns einen gelangweilten Blick zu und verschwindet im Unterholz.

Ein besonders ergiebiges Gebiet für Fotografen ist die Küste nördlich der Hafenstadt Duluth am Lake Superior. Die Ikone dieses Küstenabschnittes ist der „Split Rock Lighthouse State Park“ mit seinem hoch auf einer Klippe stehenden Leuchtturm. Auch wir wollen uns dieses Postkartenmotiv nicht entgehen lassen. Am Abend kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Park und fahren sofort zum Strand, um noch die letzten Strahlen der Sonne einzufangen. Und tatsächlich schaffe ich gerade noch ein paar Bilder zu machen bevor die Sonne für heute hinter dem Horizont verschwindet. Die Brandung des Binnenmeeres schwappt unentwegt ans Ufer, wälzt den schwarzen Kiesel unermüdlich hin und her. Man fühlt sich wie am Meer. Ein paar Birkenstämme liegen halb vergraben im Geröll am Ufer. Am Himmel zeichnet sich trotz Wolken keine imposante Farbstimmung ab. Trotzdem will ich noch ein Bild fotografieren welches die raue Stimmung an diesem großen See wiedergibt.

Die Kamera auf das Stativ geschraubt, mache ich bei Blende 20 eine Belichtung von 2 Sekunden. Den Himmel dunkle ich etwas mit einem farbneutralen Graufilter ab. Die lange Belichtung lässt das schwappende Wasser weich und fast durchsichtig aussehen.

Am kommenden Morgen wollen wir hier nochmal herkommen zum Sonnenaufgang und sehen, was uns hier für die Kamera präsentiert wird.

So geht es einige Tage weiter. Im nahen „Cascade River State Park“ gibt es unzählige Wasserfälle. Hier stürzten sich die gesammelten Wasser des westlichen Hochplateaus über steile Klippen zum See hinunter. Jetzt im Herbst gibt es wenig Wasser, sodass die Fälle nicht so spektakulär sind, aber trotzdem finden wir zahllose Motive. Es gibt enge Schlünde, Gletschermühlen, stille Nischen mit Herbstlaub und jede Menge frische Luft und Bewegung.

Eines Morgens fotografieren wir den Sonnenaufgang über dem Wasser. Am Ufer bildet ein Busch voller Vogelbeeren mit grünen Blättern einen tollen Kontrast. Ein Seeadler schwingt sich vor uns in die Lüfte. „Wenn der Indian Summer nur ewig dauern würde“ denke ich. Als wir zum Auto gehen kommen uns ein paar Wortkarge Einheimische entgegen. Die Minnesotans, deren Wurzeln oft nach Skandinavien reichen, sind für Wortkargheit bekannt. Der Film „Fargo“ von Joel und Ethan Coen veranschaulicht diese Kultur in eindrücklicher Weise. Auch dieses Pärchen, das uns entgegenkommt, brummelt uns nur etwas kaum verständliches zu, nachdem ich ihnen ein freundliche ‚good morning‘ zurufe.

Man könnte hier Wochen verbringen. „Doch nun reicht es“ sage ich mir. Die Gänse fliegen bereits in den Süden und auch für uns wird es Zeit langsam südwärts zu fahren. Unser Ziel Key West ist weit entfernt.

Es ist auch ein weiter Weg vom Norden Minnesotas bis nach Chicago unser nächstes Etappenziel. Zum Glück haben wir bei Alamo einen Toyota Prius Hybrid gemietet. Das senkt die Benzinkosten um mindestens die Hälfte. Es sind 650 Kilometer von Duluth bis Chicago. Die Wälder und Seen des Nordens weichen den kultivierten Feldern des Mittleren Westens bereits im Norden von Wisconsin. Es gibt kaum etwas zu sehen auf der eintönigen Fahrt nach Süden. Überall gibt es Farmland und Höfe mit vereinzelten Wäldchen. Man ist fast versucht, die banalen Werbeschilder der Autohändler, Krankenhäuser oder Frittenbuden zu lesen.

Ein kurzer Abstecher nach Westen bringt uns zu Frank Lloyd Wright’s Haus und Studio in Spring Green Wisconsin. Die architektonische Pilgerstätte liegt eingebettet in eine idyllische, pastorale Landschaft, versteckt in einem vergessen Teil Amerikas.

Die Architektur Wrights hatte schon immer etwas beklemmendes für mich. Niedrige Decken und ein dunkles Interieur, teilweise erinnern an H.R. Gigers berühmte Alien Gemälde.

Das graue Wetter verstärkt meine Vorurteile als wir eintreffen. Wrights Geschichte wurde kürzlich von dem Schriftsteller T.C.Boyle in dem Buch „Die Frauen“ wiederbelebt. Wrights Leben war so aufregend wie ein Hollywood Thriller. Von den ganzen Dramen inklusive dem brutalen Mord hier in Taliesin spürt man heute nichts mehr. Die Provinz hat sich ihre Ruhe zurückerobert.

Bedeutende Architektur ist auch ein wesentlicher Bestandteil von Chicago, Amerikas Metropole im Mittleren Westen. „The Windy City“ erhielt ihren Namen nicht wegen der starken Winde, welche vom Lake Michigan durch die Großstadt Schluchten peitschen, sondern wegen der etwas schiefen Charakteren, welche in ihrer Gründerzeit die Stadt bevölkerten. Windy City also für zwielichtige Gesellen.

Chicago ist eine herrliche Stadt und ich wünsche mir, wie so oft, dass mehr Europäer Chicago besuchen, statt sich in den Schluchten New York zu verlieren.

Die Architektur Chicagos ist schlicht phänomenal. Die Stadt ist ein einziges Wolkenkratzer-Museum. Chicago hat eigentlich alles, was New York hat, aber mit mehr Lebensqualität, freundlicheren Menschen und endlosen Grünflächen, sowie herrlichen Stränden am Lake Michigan und natürlich den Blues.

Ohne Blues hätte die Stadt keinen Soundtrack. Wenn diese Musik mittlerweile auch etwas antiquiert klingt und sich kaum für das Download- und Ringtone-Zeitalter eignet, ist der Blues aus Chicago nicht wegzudenken.

Wir wollen uns mit unserem Freund, dem Schriftsteller, Gourmet-Journalisten und nebenbei Regierungs Bürokraten Alan Shannon treffen. Wir planen, auf der sündhaft teuren Terrasse des neuen gigantischen Wolkenkratzers von Donald Trump einen Drink einzunehmen. Die Sicht auf die umliegenden Hochhäuser sei in Chicago einmalig wurde uns gesagt. Leider ist alles ausgebucht für eine private Party und im übersetzten Szenen Treff “the Witt “ ist es dermaßen voll und laut, so dass wir nach kurzer Bewunderung der Aussicht schnell das Weite suchen. Schließlich gibt es ein Bier in einem der unzähligen Irish Pubs in Chicago und danach Dinner im angesagten vegetarischen Restaurant “Green Zebra”. Alan erzählt uns von vielen, neuen trendigen Lokalen der Stadt, welche wir nie und nimmer alle besuchen können. Wer glaubt, Chicago sei ein Provinznest in der Prärie, irrt sich gewaltig.

Später gehen wir noch in Buddy Guys „Legends” Blues Club. Alan hat sich verabschiedet, weil er keinen Blues mehr hören mag. Wir aber wollen noch ein paar Filmaufnahmen für unseren Film von “Chicago to Key West” machen.

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Amalfi 2019

Traumurlaub in Italien

Warum wir nach Amalfi fuhren, ist mir noch immer nicht klar. Wahrscheinlich weil wir Italien nicht wirklich kannten und daher den Bildern in Reisemagazinen und auf Instagram erlagen oder vielleicht sogar weil ich mir nicht eingestehen wollte, dass meine Karriere als Reisefotografie zu Ende war.

Eigentlich hatte ich alles fotografiert was ich wollte, hatte alle Länder bereist die ich sehen wollte und hatte keine Wunschliste mehr, aber es gab halt anscheinend doch noch so ein paar ewig gehegte, nahezu vergessene Träume welche in irgendwelchen Verließen im Kopf schlummerten. Amalfi schien so etwas zu sein.

Nun fuhr ich einen kleinen Fiat, den wir gerade am Flughafen von Neapel übernommen hatten, durch verkümmerte Viertel der italienischen Metropole, die man vorwiegend wegen ihrer Pizza kennt. Der Wagen war nicht aufgetankt, man musste das selber machen und konnte das Auto auch wieder so zurückbringen. Allerdings hieß das, dass wir am Abend um 7 noch ein Tanke finden mussten, bevor wir nach Amalfi fahren konnten. Anstatt dem Traumkulissen Charme der südlichen Riviera, fanden wir an einer Ausfallstraße eine Tanke die auch hätte im Kongo stehen können. Die Pumpe bestand aus einem Schlauch und einer rostigen Büchse, deren Innereien sich drehten wenn man die Pumpe einstellte. Aufgetankt wurde von einem halb verhungerten Bangladesch der aussah wie wenn er gerade vor 5 Minuten angeschwemmt worden wäre… Plastikabfall lag verstreut und die Luft roch nach Gummireifen, verbranntem Plastikmüll und gebratenem Hund.

Einen kurzen Moment war ich versucht, den mitgebrachten Du Mont Bildatlas Amalfi im Straßengraben zu entsorgen, musste aber den jungen Mann mit Euro in Bar bezahlen, was ich auch tat. Ich gab ihm ein Trinkgeld, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen und wir fuhren los nach Cetara unserer ersten Station an der romantischen Steilküste von Amalfi.

Zaghaft fuhren wir unseren kleinen Fiat in den Ort hinein, Regula mit gewohnter Präzision leitete mich in eine winzige Gasse im Zentrum, welche in Richtung Hang führte. Die Einwohner der Stadt hatten anderes vor und kamen uns in geballter Menge entgegen. Es schien, die komplette Einwohnerschaft hatte sich gerade jetzt , abends um halb neun , vorgenommen an die Küste zu gehen und dort das Nachtleben auszuleben. Herden von Italienischen Männern mit rot, gelb, blauen Turnschuhen, nicht weniger bunten Hosen, braun gebrannt, eingeölt ,Gold gekettet, modische Brillen auf Halbglatze oder grauem Haar tragend, begleitet von „über“ modischen „Sophia Lorenettes“, mit nicht minder braunen, gut im Fitness Studio modellierten, auf hochhackigen goldigen Sandalen, tänzelnden Waden, kamen uns entgegen wie ein Strom Lachse auf dem Weg zu den Laichgründen.

Augen zu und durch, wie der Deutsche sagt und wir standen tatsächlich, umflutet von Menschenmassen vor einem etwa 7 Stockwerke hohen, ocker farbigen Mehrfamilienhaus mit winziger Türe, wo mir nun ein hektischer Italiener ,ins Gesicht schrie. „Pronto, pronto“ sagte er, griff einen unserer Koffer und wies mich an, den anderen zu stemmen. Wir rannten ins oberste Stockwerk. Schweiß breitete sich auf meiner Stirn aus. Koffer und Kamerarucksack schleppend schafften wir es in eine winzige Lobby im 6ten Stock, wo uns eine weitere Sophia Loren in voller Blüte einchecken konnte. „Mr. Pronto Pronto“ wies mich an, mit ihm zum Auto zu sprinten, bevor er vom italienischen Lachschwarm ergriffen und mitgeschleppt wurde.

Es dauerte 2 Tage bis wir uns von der Strapaze mental und physisch erholt hatten. „Dio grazie” wir waren in Italien und sowohl der Espresso als auch die Cappuccinos waren so gut dass wir uns schnell wieder fassen konnten. Der Ort hatte tatsächlich so einen italienischen Charme oder zumindest von dem, was man bei uns im Norden als solchen empfindet. Es war alles etwas eng, etwa voll, viel Stein und Mauerwerk, aber so ist eben in Europa. Ich tat wie wenn ich einen Grund hätte hier zu sein und fotografierte am frühen Morgen und am Abend halbherzig die Strandlandschaften. Einmal funktionierte das ganz gut und es gab eine richtig kitschige Stadtlandschaft, deren übersteigerte Wirklichkeit und kitschigen Rottöne sicher gut auf Instagram ankamen.

Dann waren wir in Positano der Traumkulisse schlechthin. Eine in die Steilküste eingebettete Traumstadt, deren Antlitz die Bildredakteure auf der ganzen Welt verblendet. Unser „vertigo esques“ Hotel, hoch oben im Hang, wurde von einem Russen betreut, der uns die Koffer gleich selber in unser Zimmer schleppte, was mein üblichen Vorurteile gegen die Gattung Russischer Mann schmelzen ließ. Der Blick vom Zimmer auf das Meer war schön, aber um die Stadt richtig zu genießen, musste man sich andere Standorte suchen. Man braucht eben einen Blick auf Positano, nicht von Positano hinaus.

Den Morgen verbrachten wir im Hotel, wo uns der Russe guten Kaffee und Cornettos servierte. Mittlerweile war er bei mir hoch geschätzt, was mich fast etwas verunsicherte.

Dann machten wir uns daran, die 2 Millionen Stufen in Richtung Meer anzugehen. Ganz weit unter uns sah ich ein paar Punkte, die sich bewegten und ein feiner weißer Schimmer schien der Strand zu sein. Als wir endlich ankamen im Hafen von Positano, gerade durch eine Enge Gasse bogen und die Promenade sich vor uns auftat, kam uns der größte Strom an Touristen entgegen seit meinem ersten traumatischen Touristen Erlebnis auf Koh Pi Pi in Thailand vor einigen Jahren. Es waren keine attraktiven Italiener, keine Sophia Loren, nicht einmal Gina Lollobrigida oder Ornella Muti Lookalikes. Nein, es waren Touristen. Leute mit Mützen, wo Heinken drauf stand. Kleine Rucksäcke mit Teddybären schleppend, Birkenstocks, Sandalen tragend, deren Hässlichkeit teilweise in Italien den Ruf nach Verboten auslöst. Sie trugen zu enge T-Shirts, wo sich schlappe oder gerichtete Busen grotesk regen, fahle weiße, picklige Beine, riesige Füße. Einige schleppten kleine Hunde oder Kinder in Kleidung, welche man dem Jugendschutz Amt melden sollte. Eine Fähre und einige Touristen Boote waren gerade gleichzeitig eingetroffen und nun strömten sie alle in die nahen Restaurants welche an der Strandpromenade lagen, wo sich die Kellner aus Italien und Osteuropa bereits gegenseitig Beruhigungstabletten zuschoben.

Einige blieben wie angewurzelt stehen, machten Selfies und blockierten den Strom welcher dann links und rechts vorbei schwappte nur um anderweitig blockiert zu werden. Hinten im Meer türmten sich Wolken auf . Es gab ein Gewitter und ich sagte zu Regula „Lass uns schnell ins Restaurant gehen, bevor die Hunnen alle Tische besetzen“. Wir schafften es gerade noch einen Tisch unter dem Dach zu ergattern, wo wir nun in typischer Schweizer Schadenfreude die Leute beobachteten, die versuchten, den Wassermengen zu entkommen. Einige waren vor uns eingetroffen und hatten sich Tische gekrallt, hatten aber die Wolken nicht wahrgenommen und saßen nun unter kleinen Sonnenschirmen ganz vorne, welche nur kurzfristig den Regen abhalten. Einige versuchten es stoisch durchzustehen. Sie dachten „es kommt gleich wieder die Sonne, wir sind in Italien“ Aber das ging nicht es regnete heftiger und irgendwann mussten sie ins innere des Restaurants fliehen.

Wir aßen eine erstaunlich gute Pizza, Vegetarian und Gnocchi Pomodoro sowie frischen Blattsalat und tranken eine Flasche Prosecco. Es war fast so eine Art Italienischer Urlaub mit Unterhaltung und eine kleine Versöhnung mit Amalfi.

Christian Heeb / 2023

The Grumpy Traveler

Christian Heeb Writer/Photographer

Stories from the road without the bullshit. No, I will not tell you what my favorite bag is and my mission is not, to share the beauty of our world. I have no van, no dog and I am no digital nomad. World peace will never happen. But I hope you get some laughs and will think before you hit the road …

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Motorcycle Rally in Sturgis

Sturgis, South Dakota, August 2011

Ich hatte den Auftrag, in South Dakota die Sturgis Rally zu fotografieren. Die Rally ist so etwas wie der Hajj und Sturgis das Mekka der Motorrad Community.

South Dakota und seine Landschaften waren mir schon lange bekannt und ich habe dort über die Jahre viel fotografiert, war auch im Jahre 1988 schon einmal in Sturgis gewesen. Damals, noch mit einer Nikon F3 und Kodachrome Filmen bewaffnet, fand ich das alles faszinierend, denn ich fand alles in den USA spannend.

Nun war ich zurück als abgebrühter alter Fuchs, so nannte mich zumindest die berüchtigte Bildchefin des heute eingestellten Reisemagazins Abenteuer und Reisen.

Mit der „Biker Community“ war ich bestens vertraut, denn ich hatte über die Jahre mehrere Bücher über Motorradfahren in den USA und über die Route 66 fotografiert.

Für mich waren Harley Fahrer Menschen, die sich am Wochenende in Leder und schwarze T- Shirts hüllten, um dann aus ihrer Vorstadt Garage zu fahren. Sie bogen beim lokalen Starbucks links ab und fuhren nach dem McDonalds auf die Landstraße, wo sie Freiheit und Abenteuer suchten. Nachdem sie sich einige Zeit dem Wind aussetzt hatten, hielten sie an einem Saloon oder einer Bar an und watschelten hinein, aßen einen Hamburger, tranken ein paar Bud Light Biere und wankten dann zurück, um wieder nach Hause zu fahren, wo schon mehr Bier und der Sportsender auf sie wartete.

Maureen von der Tourismus Behörde erwartete mich in Sturgis. Das kleine Nest war kaum wiederzuerkennen. Überall gab es Buden, wo man alles kaufen konnte, was man als Biker so braucht. Unmengen an schwarzen T-Shirts mit Motorrad Logos drauf. Alle nur erdenklichen Teile für das Motorrad, Lederklamotten und allerhand Kitsch. Es gab Fuchsschwänze, Ledermützen und patriotische Bikinis für das weibliche Opfer auf dem Hintersitz.

Der Lärm der Motorräder war ohrenbetäubend und es war fast unmöglich, ein Wort zu wechseln. Es war noch ein weiterer Tourismus Beamter , dessen Namen ich vergessen habe. Sie beide hatten glühende Gesichter vor Freude am Event und fuhren selbst Harleys, wie sie mir freudig berichteten. Es schien, die ganze Welt, zumindest ganz South Dakota, konnte es kaum fassen, dass nun schon wieder die Rally war. Wahrscheinlich machte der Staat in den Wochen mehr Geld als über das ganze Jahr hindurch, dachte ich. Eine Studie der Texas A&M Universität behauptete, dass die Rally ungefähr $784.1 Million Dollar dem Staat einbrachte.

Die Hauptstrasse bestand nur aus Motorrädern, die im Schritttempo hin und her fuhren. Alle Leute sahen gleich aus. Ich wollte es visualisieren und fand das in Worte setzen schwierig. Es sah aus wie wenn 90 Prozent der Fahrer Männer waren. Viele hatten Frauen auf dem Sitz hinter ihnen. Die meisten trugen Leder, schwarze T-Shirts und manche Jeans. Wenige Frauen fuhren ein Motorrad, hatten aber nie jemanden hinten drauf. Ein blonder Kerl hatte eine Zigarre im Mund, ein anderer trug einen Pork Belly Hut. Eine der weiblichen Gallionsfiguren trug ein Bikini und hatte sich hinten ein Herz auf das Gesäß tätowiert. Die Frauen auf den Rücksitzen hatten eine Tendenz zum Exhibitionisms.

Ich machte schnell ein paar Bilder, die alles zeigten, denn Abwechslung gab es nicht, ich war in einer konformen Szene von Mitläufern gelandet.

Nun folgten wir den dröhnenden Motorräder zum Buffalo Chip Campground, wo ich netterweise gratis Zutritt erhalten hatte. Ich durfte mich frei bewegen und fotografieren. Im Camp gibt es mehrere Bars, inklusive Stripperinnen und Blondinen in Bikinis die Drinks mischten und Bier servierten. Es gab eine große Bühne, wo heute die zwei Headliners Lynyrd Skynyrd und Greg Allman spielen sollten. Im Grunde war das ganze Areal wie ein großer Rummel mit Buden und kleinen Events für raue Harley Kerle. Das Publikum war hoffnungslos überaltert. Die jungen Mädchen, die halbnackt herumliefen, schienen fast etwas überflüssig, denn die Alten nahmen sie nicht einmal wahr.

Ich schaute kurz den Roller Derby Frauen zu, wie sie sich auf Rollschuhen abquälten, verlor aber bald das Interesse, denn es gab nun eine Art Schönheitswettbewerb, wo sich mehrere junge Frauen, „chicks“ genannt, halbnackt äussern mussten, warum es ihnen hier gefällt. Es war eine grandiose Ansammlung von Bardamen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, sich von alten chauvinistischen Schweinebacken anmachen zu lassen. Sie schienen Spaß zu haben. „It’s all good natured fun“, wurde mir versichert.“ I just love the smell of gasoline” sagte eine kupferbraune Latina Sex Göttin. Eine spindeldürre, langbeinige Vixen log, es sei alles so exiting, “so many good looking guys”.

Ich war froh, als der Sprecher ankündigte, dass Lynyrd Skynyrd, leider wegen Krankheit, absagen mussten. „Das, was also, was nach dem grossen Flugzeugabsturz von 1977 von der Besetzung der Band übrig geblieben war, ist nun krank“, dachte ich.

Die Band hatte sich nie mehr erholt davon, dass ihr charismatischer Songwriter und Sänger Ronnie Van Zant gestorben war. Die verschiedenen Neufassungen kopierten sich in immer neuen Konstellationen selbst, blieben aber immer nur schaler Abklatsch dessen, was die Band groß gemacht hatte. Es gab krachende Gitarren und rauen Gesang voller konservativer Country Lyrik. Sie waren gut ausstaffiert mit Leder, wallenden blonden Haaren und vielen Kreuzen, montiert auf Lederjacken, Halsketten und Ohrschmuck. Aber das ganze Blendwerk half nichts, es gab keinen Ronnie mehr und der Süden war nicht mehr cool. Es mutet mich immer seltsam an, wenn sich alles immer im Kreise dreht und plötzlich konservative, rechte Rocker, langes Haar tragen, so wie früher die verpönten Hippies. Nun waren die Rechten langhaarig und die Linken kurzhaarig.

Ich war froh, dem Südstaaten Rock-Abklatsch zu entgehen und freue mich auf Greg Allman. Ich war immer ein Fan der Allman Brothers Band gewesen , deren Musik mich auch auf vielen meiner frühen USA Reisen begleitet hatte.

Langsam kamen die Leute zum Konzert. Die Harleys reihten sich vor der Bühne auf, aber es wurde nicht voll. Es stank nach Abgasen und Bratfett und versengter Haut. Die Vorgruppe dröhnte vor sich hin. Ein langhaariger Gitarrist und Sänger schrie ins Mikrofon und erinnerte mich an Bryan Adams, welcher vor vielen Jahren gerne die Liveshows von Tina Turner versaute.

Der Applaus kam von den im Leerlauf durchstarteten Motorrädern. Die alten ,dickbauchigen, schwarz T-shirtigen, weiss bärtigen Männer saßen wie angegossen auf Ihren riesigen Harleys. Ich dachte, wenn man die Bikes mit Rollstühlen austauschen würde, wäre es eher altersgemäß.

Dann, als ich noch mit einer Mischung von Anwidern und Faszination auf einen nackten dürrpflaumenartigen Hintern starrte , welcher aus den Lederchaps einer Rockerbraut stach, kam Greg Allman auf die Bühne. Er trottete rein, setzte sich ans Piano und da saß er nun, ein geschrumpftes, gebogenes Männlein. Seine Stimmer war erstaunlich kräftig und die Musik gefiel mir. Während des ganzen Konzertes sagte er kein Wort, bewegte sich kaum und sang einen Song nach dem anderen. Wäre da nicht die Musik gewesen, hätte ich gedacht, er sei tot.

Die Harleys brummten, die Stripperinnen standen hinten und langweilten sich. Die Lederfrauen machten sich schon Sorgen, wie sie ihre alten Männer heute vom Bike ins Bett bringen sollen und dann hatte ich genug.

Hinten an der Straße fuhren noch immer Harleys hin und her und die vielen überall stehenden amerikanischen Flaggen wehten im Wind. Im Hintergrund sah ich Bear Butte im fahlen Abendlicht stehen. Der heilige Visionsberg der Lakota und der Cheyenne ragte über dem letzten Aufbäumen unserer Petroleum Kultur. Ich hatte meine Bilder und durfte gehen. „Gott Sei Dank“, dachte ich und fuhr meinen Camper in die Black Hills hinein, wo ich an einer stillen Stelle parkierte und mein Nachtlager aufschlug. „Hier haben schon Sitting Bull und seine Leute campiert. Hier lagerten früher die Crow Indianer und die Kiowas, bevor sie vor den Lakota vertrieben wurden und nun campiere ich hier“, dachte ich. Ab und zu hörte ich den Aufschrei eines weit entfernten Motorrads in der Nacht. Ich bildete mir ein, es waren Kojoten und schlief ein.

Christian Heeb/ 2023

The Grumpy Traveler

Christian Heeb Writer/Photographer

Stories from the road without the bullshit. No, I will not tell you what my favorite bag is and my mission is not, to share the beauty of our world. I have no van, no dog and I am no digital nomad. World peace will never happen. But I hope you get some laughs and will think before you hit the road …

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Der Brief im Mai, 2023


Es schneite unentwegt auf der Rancho las Hierbas in Oregon. Einige Hirsche knabberten draußen an den letzten Blättern der „Bitterbrush“-Büsche. Vögel wie Junkos und Meisen wuselten am Vogelhaus herum, als wäre Schnee ein alltägliches Ereignis. Drinnen saßen wir im Wohnzimmer, das vom Kachelofen beheizt wurde, tranken Tee und beobachteten die Tiere. Am Tag zuvor hatte ich eine Menge trockenes Holz nahe der Staatswaldgrenze verbrannt, da es bei Schnee am sichersten ist und ich den Winter dafür nutzte. Normalerweise waren wir um diese Jahreszeit in unserem Haus in Mexiko, aber da wir im Januar eine Fotoreise in Banff, Kanada, durchführten, blieben wir in Bend.

Regula las die Zeitung online und sagte: „Ach, gestern gab es eine Weihnachtsparade in Bend.“ Ich schaute auf meine Nachrichten und sah, dass es Bilder von fröhlichen Kindern, winkenden Eltern, lachenden Polizisten und scheinheiligen Politikern gab, die alle mit Santa-Mützen auf der Straße waren. „Die einen laufen mit Santa-Mützen die Straße entlang und winken. Die anderen stehen mit Santa-Mützen an der Straße und winken zurück“, sagte ich lakonisch. Ich interessierte mich jedoch für eine ganz andere, typisch amerikanische Nachricht.

Eine 31-jährige Frau wurde am vorherigen Abend verhaftet, nachdem sie vor dem Sportsman-Warehouse geparkt hatte und der Polizei aufgefallen war. Als die Polizei ihre Papiere überprüfen wollte, floh sie und fuhr auf der Gegenfahrspur des Highway 97 Richtung Norden. Dabei kollidierte sie mit einem entgegenkommenden Auto, fuhr jedoch weiter. Schließlich traf sie mit voller Geschwindigkeit auf ein langsameres Fahrzeug, wodurch es Verletzte gab. Danach floh sie zu Fuß und versteckte sich in einem Gebüsch, wurde jedoch von einem Drohnen- und einem K9-Spürhund-Team entdeckt und verhaftet. Sie stand unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol, ihr Führerschein war suspendiert, ihre Fahrzeugbescheinigung abgelaufen und sie war mehrfach vorbestraft und auf Bewährung auf freiem Fuß.

„Immerhin hatte der Spürhund etwas zu tun und bekam etwas Auslauf“, sagte ich zu Regula, die nun die Weihnachts-Paraden-Geschichte ignorierte und mir von einer Frau vorlas, die um 10 Uhr morgens betrunken in ein Ladengeschäft gefahren war. Ich sagte nur: „Schön, dass wir hier in Bend fast dreißig Brauereien haben und dass Marihuana endlich legalisiert wurde.“ Eine weitere Nachricht lautete: „5 Personen wurden in Happy Valley erschossen“. Ich dachte, niemand war wohl in Happy Valley glücklich. Ich trank Tee und schaute auf unser Land. Ich war glücklich darüber, dass wir einen 400 Meter großen Bereich hatten, der uns und den wilden Tieren vorbehalten war, ohne dass andere Menschen uns stören konnten. Es war schön, etwas Abstand von der Stadt und ihren Bewohnern zu haben.

Bevor wir nach Mexiko in unser Haus fuhren, arbeiteten wir an unserer Webseite. Ich hatte vor, alle unsere Bücher aufzulisten, die wir im Laufe der Jahre fotografiert hatten. Als ich die Bände fotografierte und zusammenstellte, wurde mir bewusst, dass es unmöglich war, alle Bücher online zu stellen. Wir hatten weit über 200 Bildbände und viele Reiseführer. Einige Bände erschienen in mehreren Auflagen oder in erweiterter Form, auch als fremdsprachige Ausgaben. Regula sagte immer: „Unsere Häuser sind auf deinen Fotos gebaut“, und nun wurde mir bewusst, wie recht sie hatte.Joachim Hellmuth vom Bucher Verlag sagte einmal, als er meine Dias durchsah: „Mein Gott, was der Heeb nicht schon alles fotografiert hat.“ Das Gefühl hatte ich auch, als ich meine Bücher betrachtete. Dreißig Jahre ununterbrochenes Reisen ergab eine Menge Bilder. Ich blätterte die Bücher durch und es blickten mich längst vergessene Menschen an, wie Aborigines in Australien, bereits verstorbene Indianerhäuptlinge, Kinder in Brasilien und hübsche Himba-Frauen in Namibia. Dazu kamen Cowboys, Gauchos, Vaqueros, Franzosen in Berets, Bauern mit Mistgabeln, Schafzüchter in Neuseeland, Punks in New York, Salsa-Tänzer, Bauchtänzer, Cowgirls und „Appenzeller Silversterchläuse“ – alle Menschenarten, die es auf der Welt gibt.

Dazwischen gab es endlose Landschaften, Highways, Skylines, Regenwälder, eine jüngere Version von mir mit Haaren und engen Jeans, immer mit Kamera in der Hand, und Regula mit blondem Haar, hoch auf Klippen stehend.

Wir haben in neunzig Ländern fotografiert. Mir wurde fast schwindelig beim Betrachten der Bücher. In Schachteln schlummerten noch tausende von Ausschnitten aus Magazinen, Broschüren und Ausstellungs-Katalogen. Titelbilder aus aller Welt lagen da wie Relikte aus einer anderen Zeit. Tatsächlich wurde unser Leben auf Bildern gebaut. An das Archiv wollte ich gar nicht denken.

Mit sechzig Jahren ist es so eine Sache. Der deutsche Western-Experte Dietmar Kügler war gerade mit 71 Jahren verstorben. Das machte einen nachdenklich. Ich dachte über meine Lebenserwartung nach, wie die meisten unserer Freunde. Man schaut immer so nachdenklich auf seine älteren Freunde, Verwandten und Eltern und denkt: „Wie gut sind die noch im Schuss? Wie wird es mir im Alter ergehen?“ Man beobachtet und kalkuliert die eigenen Chancen. Der Song von Hank Williams Jr. „All my rowdy friends have settled down“ ging mir wieder durch den Kopf.

Nun waren wir wieder in unserem Haus in Mexiko angekommen, nachdem wir die Winterlandschaften der kanadischen Rockies hinter uns gelassen hatten. Statt Schnee, Eis und Blizzards genossen wir nun die stillen Wasser des Golfs von Kalifornien. Die Teilnehmer unserer Fotoreise in Kanada hatten uns überredet, eine Fotoreise namens ‚Baja California‘ zu organisieren, die wir nun auch im Januar 2025 durchführen wollten. Fünf Personen hatten sich bereits fest angemeldet (was bedeutet, dass noch ein Platz frei ist (nun ausgebucht)). Es würde also doch noch eine Reise geben. Und zusätzlich plante ich noch eine Reise `Crossing America´ quer durch Amerika im September 2025, die von Portland, Oregon nach Boston führen wird. Bilder anschauen.

Diese epische Reise wird durch Montana und zu den Großen Seen, den Niagarafälle und nach Upstate New York führen und schlicht unvergesslich werden. Auch hier hatten wir bereits fünf feste Zusagen. „So viel zur Pensionierung“, meinte Regula und ich sagte: „Naja, das sind ja eigentlich nur Urlaubsreisen“.

In El Sargento, am Meer im Süden der Baja-Halbinsel, wo unser Haus steht, war es dieses Jahr erstaunlich grün. Im Januar hatte es noch einmal geregnet, und daher war die Wüste ein grüner Urwald. Einige der kleinen Kakteen hatten Blumen und die Elefantenbäume (Bursera microphylla), Limberbush (Jatropha cardiophylla) sowie die Ocotillos und Adam-Trees hatten grüne, satte Blätter. Es wimmelte von Vögeln in unserem Garten: Rote Kardinäle, Orioles, Spottdrosseln, Trällerer, Wüsten-Zaunkönige und drei Arten Spechte, um nur einige zu nennen. Alles war gut in Schuss, denn Edgar, unser Mann, hatte gut gearbeitet, so dass wir uns gleich wieder zuhause fühlten.

Mexico, Baja California, El Sargento,s Mexican Creeper, Coral Bells, San Miguelito Vine, Antigonon leptopu
Hooded Oriole
Mexico, Baja California Sur, El Sargento, Black-headed Grosbeak, Pheucticus melanocephalus,
Mexico, Baja California, El Sargento, Cardon, Pachycereus pringlei,

Im Dorf wurde weiterhin viel gebaut und es boomte. 1992 war ein Ausländer aus dem Norden noch eine Sensation gewesen, heute waren 90 Prozent der Wirtschaft von El Sargento und La Ventana von Gringos aus dem Norden geprägt. Es kamen auch Blogger, Influencer und Digitale Nomaden hierher. Kaum ein Tag verging, an dem nicht ein Van für 120.000$+ am Strand stand oder gerade über die staubige Straße in den Ort fuhr. Ich sagte zu Regula: „Weißt du, mit dem Wachstum bekommen wir hier mehr von den zwei anstrengendsten und nervigsten Lebewesen: Hunden und jungen Männern.“ „Ja. Das warst du auch einmal“, kam die Antwort zurück. Zugegeben. Ich sagte auch, dass alte Männer und Flintenweiber anstrengend sind, denn sie fuhren hier pausenlos mit sogenannten „Squads“ durch die Gegend und dachten, sie seien so cool und jung geblieben. „Du wirst immer mehr zum klassischen Grumpy Old Man“, sagte sie. „Perfekt“, sagte ich und schrieb meinen ersten Blog mit dem Titel „Der Reisemuffel“:

Hier auf der Baja gehört Hunden die Welt. Kaum ein Auto fährt vorbei, aus dessen Fenster nicht ein VIP-Hund schaut. Hunde ruhen sich im Schatten vor den Restaurants aus und warten auf ihr Mittagessen, Hunde spielen am Strand, jagen hinter Vögeln her und baden im Meer, Hund kacken auf die Straße, Hunde kläffen in der Nacht (frei nach Herbert Grönemeyer).

Die Van- und Digital-Nomaden posteten im Frühjahr und machten auf Mitleid. Es hieß: „Hola, Ich bin Gisela aus Deutschland oder Janine aus Paris, ich spreche vier Sprachen und möchte gerne über den Sommer ‚gratis‘ dein Haus hüten. Ich habe noch einen süßen, geretteten ‚rescue‘-Hund, der keine Probleme macht, und eventuell kommt noch ein Freund, aber wir sind saubere Leute.“ Viele waren Nomaden mit eigener Webseite, wo zu Spenden aufgerufen wurde. „Willst du weiterhin meine Reiseberichte lesen? Sende bitte Geld fürs Benzin!“, hieß es. Sie sahen alle süß aus, fröhlich, lachend und hatten anscheinend von den Hunden gelernt, wie es geht, sich gut verkaufen zu können, dachte ich.

Frauen waren in der Regel ruhig und nicht aggressiv, Männer meist das Gegenteil. Sie fuhren Squads, Motorräder, hatten Lautsprecher in den Kleinlastwagen eingebaut, fuhren hochtourig und brauchten für alles den Motor.

Wir sind schon seit 18 Jahren hier in Mexiko. Die Neuen fragen immer: „Wie lange seid ihr denn schon hier?“ Im Gegensatz zu den Neuen gehören wir, wenn schon nicht zu den Gründervätern, zumindest zu den Alteingesessenen. Die Pioniere, die Anfang der 1990er Jahre ankamen und mit denen alles anfing sterben bereits nach und nach. Die ursprünglichen mexikanischen Fischer-Familien sind zwar noch da, zählen mittlerweile aber zur Minderheit im eigenen Ort.

Traf man sich auf einer der vielen Partys zum „Sundowner“ drehten sich die Gespräche immer um den Wind, das Wasser und die richtigen Segel zum „Winging“ oder „Kite Surfing”. Heute aber geht es meist erst einmal um Hüft-Operationen, Chemotherapien, Zahnprothesen und Hautkrebs.

„Ja, es ist schlimm mit Jimmy“, sagt der eine. „Demenz ist wirklich nichts Schönes. Werden sie das Haus verkaufen?“, fragt eine Maklerin. Keiner ist sich sicher. „Jennifer und Tony sind nun geschieden.“ Ich nicke: „Ja, schade“. Die sind etwas jünger als wir. In unserer Generation lässt man sich nicht mehr scheiden, dazu sind wir zu alt und zu lange zusammen. Die Jüngeren haben noch Träume. „Wer bekommt das Haus“? fragt die Maklerin. Keiner weiß es. Regula redet mit ein paar Typen, ich mit ein paar Frauen. Typisch für uns. Wahrscheinlich reden sie darüber, welchen Verteiler man für die Solaranlage am besten einbaut, denke ich.

Dann rede ich mit einem älteren Pärchen, das ich immer am Hund erkennen. Sie sehen aus wie alle anderen alten Gringos, aber der Hund, ein Schnauzer, ist unverkennbar. Jedes Jahr laden sie uns auf einen Drink ein, aber irgendwie schaffen wir es nie. Dabei wohnen sie nur hundert Meter oder so westlich von uns. Seit sie eine große Garage gebaut haben, direkt vor dem Nachbarn hinter ihnen, ist dieser stinksauer auf sie, denn er sieht das Meer nicht mehr.

Fast alle hier haben ein Doppelleben: Im Winter wohnen sie hier in Mexiko, den Rest des Jahres im Norden, dort, wo die Enkelkinder sind. Einige haben zu viel Geld, was man an der Größe der Garage erkennen kann. Viele trinken zu viel und versuchen das mit Gassi-Gehen mit den Hunden zu kompensieren. Am Strand kann man das daran feststellen, dass die Menge der Muschelschalen in dem Masse abnimmt wie die Menge an Hundekot zunimmt. Alte Frauen mit Plastiktüten klauben dennoch jede angespülte Muschel auf. Sie ignorieren den Hundedreck.

Wir nehmen oft das Surfbrett, um auf das Meer hinaus zu paddeln. Wir gleiten an den Strand mit den Thermalquellen und gehen dort direkt vom Brett aus ins Wasser. Dort sind wir ungestört. Manchmal summt ein Elektro Surfer vorbei. Er sieht aus wie Jesus, der übers Wasser geht, denke ich, denn er schwebt nur so über das Wasser. Nachdem er uns noch einmal zuwinkt macht es „Platsch“ und er liegt im Wasser. Draußen springen Rochen in die Luft und klatschen wieder auf die Wasseroberfläche. Manchmal tummeln sich Delphine und öfters jagt ein Schwarm Nadelfische vorbei, wenn ein Mahi Mahi hinter ihnen her ist. Der Golf von Kalifornien ist noch immer ein Naturparadies und ein reichhaltiges Meer.

Zurück im Haus, genießen wir den Cappuccino und lauschen den Vögeln. Das Cardinal-Männchen ist jetzt im April damit beschäftigt, die Weibchen zu beeindrucken. Er trillert stundenlang vom Palo-Blanco-Baum herunter. Manchmal kopiert ihn der Hooded Oriole, wie ich glaube, nur um ihn zu ärgern. Morgens werden wir meist mit dem Sonnenaufgang wach, weil dann, oder kurz davor, der Cactus Wren loslegt. Diese Vögel klingen wie ein rostiges Vorhängeschloss oder so eine Kinderratsche, wie ich die aus meiner Jugend-Zeit kenne. Chriiiitsch, chriiiitsch machen sie. Die Verdins dagegen sind kleiner, süßer und fiepen leise. Darunter ertönen, fast wie der Klang von einer Bass-Gitarre, das endlose Gurren der wilden Tauben. Mittlerweile erkennen wir sehr viele Vögel an ihrem Ruf.

Dann ist es wieder soweit und wir packen alles ein, geben Edgar die Schlüssel und fahren nach Oregon, um von dort zu unserer Fotoreise nach Neufundland aufzubrechen.

North America, Mexico, Baja California Sur, El Sargento, Gilded Flicker, Colaptes chrysoide,
North America, Mexico ,Baja California Sur, El Sargento, Toxostoma rufum, brown Trasher
Mexico, Baja California, Vermivora celata, orange-crowned warbler
Mexico; Baja California Sur; El Sargento; Sour Pitaya, Galloping cactus, Pitahaya Agria Stenocereus gummosus
North America, Mexico, Baja California Sur, El Sargento, Northern cardinal, Cardinalis cardinalis, male sitting in Palo Blanco tree

Christian Heeb,  © 2023

Bike Riding in Baja

Enjoy the Baja Lifestyle

I went bike riding in the desert hills. It was a glorious afternoon , with some puffy clouds, hanging low over Cerralvo island and Ventana Bay. Heading up Pista Pista and crossing over to Las Minitas, I noticed, the trail had recently been maintained. Limber-bushes were missing limbs, Sour Pittahaya were cut to shreds and even a large Organ Pipe cactus had lost two arms.

I was grateful for this work, so I could ride my bike, without having to worry about getting stung by prickly desert shrubs. I often met folks with cuts and bruises who were bleeding from scratches while biking.

Ventana Bay

Slowly, I made my ascent to the top of the trail, wishing it was wider, so two bikes could cross, without having to yield. The steep incline looked scary and I was getting worried, people, novices, could hurt themselves. “Some curves could use a railing” I thought.

I felt sorry for less fortunate people who had to drive their trucks with South Dakota plates from town to reach the trailheads, if they wanted to go biking. They drove, one or two miles through the towns dusty neighborhoods and had to park in an Arroyo.

“They should build larger parking lots for them” I thought.

Ideally there would be a restroom as well and maybe a watering station for dogs. Dogs have needs too. Since they have to run along with their sporty foster parents, they get thirsty.

The good thing about our area is, that now, finally, we have two decent coffee shops where the bike people, after a hard ride, can get a good latte. Now you can sit down and drink it in a paper cup with a plastic lid, eventually even use a plastic straw and feel right at home.

Aah, the Baja lifestyle. Some folks will sit for hours in that little coffee shop, sip their latte and stare at their phones. The really daring ones bring their laptop and write their blog about Nomad life in Baja.

From Las Minitas I rode down the hill and headed left on Nonato. Part of the trail was shaded now and I could see some kites way out on the water. The real beauty of this trail system is, they keep building more trails. It is the human spirit at its best. Always aim for more, explore more and improve on it.

One of the early builders said:”We are building the best mountain bike trail system in Mexico”.

The Mexicans from the mainland took notice and now we are proud to have such an inclusive network for Gringos and Mexicans alike.

I felt really good about this, since the trail building also provides jobs for locals. I remember when there were just a few simple trails, heck I remember when there was no trail. Now we even have tour guides, a bike store and recognition in Bike magazines. If that is not progress I don’t know what is.

“Nonato needs some improvement”. There were still some cheeky Torote trees that thought they had the right to stick their arms out on our trail. Nevertheless it was a good run. I kept on going downhill fast and after a few really rough spots, I hit a road. The large dirt road they are currently building towards the north. I looked at the land which was sold by the local Ejido to developers and thought “ I should have bought here. I imagined how much money I could have made. Maybe I thought I should buy some further up the hill and wait till it is worth triple the amount.

They had to change the bike trail in several areas, because the new land owners did not like people riding on their land.

One house that was built on the old Johns Java Trail is owned by some Gringos that do not like common ground. So they moved the bike trail south, till that land got bought, and the trail had to move even further south.

The Gringo house is big. It has a garage and two decks and people who always stay inside. They even built a large garage just for their sprinter van. I had garage envy now when I thought about it. I had no garage and no van. Garage envy is a common illness associated with the Baja lifestyle and afflicts Canadians, Americans and even some Europeans. So does dust. There is talk in town of spraying chemicals on the main road to keep the dust down.

The People riding their truck to go riding their bikes don’t care since they live further south. The people further north don’t care then they are far enough north. When they drive to town to go to yoga, buy croissants, go kiting they drive fast because the day has only 24 hours, even in Mexico. The people in the middle care but are outnumbered.

On my final leg home from the trail at Punta Gorda, I thought, how lucky we are to live here. We have a farmers market like they do in California. You can buy tasty croissants and bread in town and now, there is even a French guy doing patisserie.

We finally have good restaurants even if they are brutally expensive, the waiters now speak some kind of English which makes life so much easier.

Some good souls thought of building a large pickle ball court and other fine folks now, provide entertainment, from poet readings, painting workshops and Blues music. There are seminars and clinics on mountain biking, poetry, shamanism and salsa dancing. I was tempted to join the shamanism folks but was holding out for a druid myrtle ceremony. It was only a question of time before the first barefoot celtic druids would arrive here.

The Spanish conquistadors, probably Cortes himself, called the local giant cactus “Cardo”, which means thistle. So the large Cardon forest south of town, really is a thistle forest and now it is being converted to a suburb of La Ventana. There is a cool Restaurant there now and more and more, very modern, very sleek houses. Thank god they even starting to clear out all that other stuff that grows there. Lomboy, Mexican Holdback, Tea Bush, Cholla.All that annoying desert vegetation is making room for Agave, Laurel and the magnificent Bougainvillea the flower of tropical tourist resorts.

Some bird lovers, they say every fifth person in North America is a birder, started to hang plastic feeders with sugar water for the Hummingbirds. As they say the birds look so much better on a feeder than on the wild desert plants. Unfortunately, if you trust the cries for help on Facebook, some aggressive yellow birds are stealing the Hummingbirds sugar water. There is petition pending for evicting Oreoles and sending them back to South America.

As I pondered all this ,while pedaling home to my little casa, the Eagles Song “Hotel California” got stuck in my brain. „Plenty of room at the Hotel California“ I heard Don Henley sing and then it hit me, Baja California is just an extension of California but with better mountain bike trails and the “help’ is local.

Christian Heeb/ 2023

The Grumpy Traveler

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Originally trained as an architect, Christian Heeb is known for his stunning travel photography and his creative art photography. The image of America aka the USA is his main focus of his artistic photography. From the dramatic colors of the “American Dreamscapes” to the “joker-esque” “Uncle Sam” series and the fading American dream in his “Pax Americana” images.

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Bend based photographers Regula and Christian Heeb have been leading photo tours and workshop around the world since 1998. Originally from Switzerland they live in Bend, Oregon and El Sargento, Mexico and maintain a mountain chalet in the Swiss alps.

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Christian has been a professional travel photographer for thirty years with more than 200 photo books, countless calendars to his credit. His images are distributed and sold worldwide.

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